Editorial

Wer früh kommt

In privaten Haushalt macht das Heizen den Löwenanteil des Energiebedarfes aus: 76 Prozent entfallen auf Heizung, nochmals 12 Prozent auf Warmwasser. Durch relativ simple Maßnahmen wie Isolierungen lassen sich bei älteren Häusern die Heizkosten aber um bis zu 70 Prozent senken. Das ist zwar seit langem bekannt, hat bis vor kurzem aber nur Ökos und Pfennigfuchser interessiert.

Ähnlich verhielt es sich in der Industrie: Dass Maschinen und Anlagen mit ihrer Vielzahl an elektrischen Antrieben und Steuerungen wahre Energiefresser sind, hat man lange achselzuckend akzeptiert. Bei Preisen von Kommapfennigen pro Kilowattstunde fiel das bei der Kostenbilanz nicht ins Gewicht. Doch die explodierenden Energiepreise führen nun zu einem spürbaren Umdenken: Heute ist Deutscher Strom bereits der teuerste in Europa, bis 2020 sagen Studien eine Verdreifachung der kWh-Preise voraus. Und Elektrische Energie ist mit über 70 Prozent Anteil Schlüssel aller Leistungen der Fertigungsindustrie.

Hauptstromfresser sind die Elektromotoren. Die Werkzeugmaschinen als Herzstück jeder Fertigung sind unmittelbar betroffen. Elektromotoren treiben hier Arbeitsspindeln und Vorschübe an, machen der Hydraulik Druck und bringen Kühlschmierstoff wie auch Späne in Bewegung. Strom macht nach Untersuchungen der TU Darmstadt bereits heute 21 Prozent der Jahresbetriebskosten der Maschinen aus.

In der Sonderschau "Energieeffizienz in Industriellen Prozessen" werden auf der Hannover Messe Produkte und Lösungen präsentiert, die diese Kosten reduzieren helfen und konkrete Einsparpotentiale in der Produktion vorgestellt. So wird etwa gezeigt, wie mit Frequenzumrichtern bei Antrieben von Pumpen Energie gespart werden kann. Frank Borchardt von Control Techniques: "Wir haben in einem Aluminiumwerk hydraulische Pumpen mit Frequenzumrichtern ausgerüstet." Mit Erfolg: Der Anwender spart seither bei der Produktion. Borchardt: "Die Einsparsumme im Jahr liegt pro Pumpenantrieb im fünfstelligen Euro-Bereich. Das heißt, dass sich solch eine Automatisierung für den Kunden in ein bis zwei Jahren amortisiert haben kann."

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Ziel muss es dabei allerdings sein, nicht den Wirkungsgrad einzelner Komponenten, sondern des Gesamtsystems zu erhöhen. "Ein Energiesparmotor alleine bewirkt leider wenig", so auch Karl Tragl, seit kurzem Vorstand Vertrieb der Bosch Rexroth AG. "Ein intelligentes Gesamtkonzept führt in der Regel auch mit einem Motor schlechterer Wirkungsgradklasse zu einer höheren Einsparung. Intelligente Antriebsregelung beeinflusst entscheidend den tatsächlichen Energieverbrauch." Erfreulicherweise hat das Thema in etlichen Betrieben den Stand der Theorie inzwischen verlassen. Nur ein Beispiel unter vielen: Die Aerzener Maschinenfabrik hat ihren gerade eröffneten Produktionsneubau in Aerzen nahe Hannover konsequent energieoptimiert, von den elektrischen Antrieben über das Druckluft-System bis zur Beleuchtung. Geschäftsführer Klaus-Hasso Heller: "Die Investitionen amortisieren sich nach heutigem Stand in fünf Jahren" - und mit jedem Anstieg der Energiepreise früher. Eigentlich eine einfache Rechnung für Industrie und auch Privathaushalte: je eher die Investition erfolgt, desto höher die Einsparung.

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