Automatica

Transformers

Eine öffentliche Veranstaltung, von der niemand spricht, hat ein Problem. Eine Messe, die ein Jahr vor ihrem Termin die Gerüchteküche brodeln lässt, hat aber auch eines. Denn, wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen (das wollte ich schon immer mal schreiben) zu erfahren ist, tragen sich die Veranstalter der Automatica mit Umzugsgedanken: Möglicherweise findet die Roboter- und Automatisierungsmesse nächstes Jahr zum letzten Mal in München statt. Die Messe München hat anscheinend kein Händchen für Business-Messen: Die Automatica wäre nach der Systems und Metav Süd die dritte Industriemesse in wenigen Jahren, deren Thema an einen anderen Messestandort abwandert. Vorzugsweise zu den ungeliebten Nachbarn in Stuttgart, wo den Themen unter anderer Flagge - IT & Business und AMB - wieder neues Leben eingehaucht wird. Im Falle der Automatica, so wissen die oben genannten Kreise, sind die Veranstalter mit mehreren Messestandorten in intensiven Gesprächen: Heißer Kandidat neben Stuttgart ist dabei vor allem Hannover. Wir erinnern uns: Die Automatica findet seit 2004 in München statt und wurde von Roboterherstellern wie Reis und Kuka sowie dem VDMA Verband Robotik und Automation ins Leben gerufen, nachdem sich die Branche auf der Hannover Messe nicht mehr passend präsentiert fühlte. Gestartet mit 17.000 Besuchern und 566 Ausstellern aus 22 Ländern begrüßten im letzten Jahr rund 700 Aussteller aus 42 Ländern auf 32.000 qm Ausstellungsfläche die knapp 31.000 Besucher an der Isar. Die Automatisierungsmesse Motek in Stuttgart, die das Thema Robotik zwar nicht gezielt adressiert, aber immer mehr themennahe Aussteller verbuchen kann, konnte 2010 ebenfalls 31.000 Besucher zählen, allerdings mit fast 1.000 Ausstellern auf 60.000 qm Fläche. Und auch die Hannover Messe war die letzten Jahre in Sachen Robotik nicht untätig und gründete beispielsweise in enger Kooperation mit Volkswagen die Robotation Academy zur Beratung und Schulung von mittelständischen Roboteranwendern. Mit insgesamt 230.000 Besuchern konnte die Messe dann im Frühjahr zudem nicht nur das beste Besucherergebnis seit vielen Jahren verzeichnen und beim Anteil der ausländischen Besucher und Aussteller enorm zulegen, sondern sich auch über die Rückkehr von Roboterherstellern wie Kuka auf ihre Leitmesse Industrial Automation freuen. Der Augsburger Roboterhersteller zeigte sich nach mehrfachem Managementwechsel und verlustreichen Jahren in neu gewonnener Stärke auf über 600 qm in Hannover - und anschließend mit dem Messeergebnis hochzufrieden. Für 2012 locken die Hannoveraner die Roboterhersteller nicht nur mit günstigen Preisen, sondern vor allem ist ihnen mit dem Partnerland China ein besonderer Coup gelungen, der die internationale Rolle der Messe weiter steigern wird. Von der Automatica dagegen munkelt die Branche, dass viele Firmen mit der internationalen Ausrichtung auf östliche und südliche Nachbarländer wenig zufrieden seien. Zudem sollen wichtige Aussteller wie Fanuc oder Kuka ihre Ausstellungsfläche erheblich verkleinert haben. In Stuttgart ist das Interesse an der Automatica dagegen offenbar gespalten: Während die Messegesellschaft der Idee einer schwäbischen Automatica sehr zugetan sei, halte Messepartner Schall, Veranstalter der Motek, die vertraglichen Trümpfe zum Thema Roboter in der Hand und von der Idee angeblich gar nichts - vor allem auch wegen den Preisvorstellungen der Automatica-Macher: von 30 Millionen Euro wird in der Branche gemunkelt. Der Fuchs will nun anscheinend die Schwäche der Automatica nutzen: Ende Juni erhielten die wichtigsten Roboterhersteller eine Einladung zu der ab 2013 geplanten Motek Plus. Das Plus steht für - raten Sie mal - den Roboterbereich. Angeblich hat Schall dafür auch bereits das komplette Messegelände in Stuttgart gemietet. Über die weitere Entwicklung halten wir Sie natürlich auf dem Laufenden. Wenn Sie übrigens über diese sowie alle anderen News aus der Industriebranche ständig informiert werden wollen, abonnieren Sie doch einfach unseren Newsletter unter http://www.scope-online.de/newsletter.htm.

Hajo Stotz,
SCOPE-Chefredakteur
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