Editorial

Panzer mit Öko-Label

Eigentlich hat die Bundesregierung derzeit dringendere Aufgaben als ausgerechnet der deutschen Autoindustrie bei der PR-Arbeit unter die Arme zu greifen – doch weit gefehlt. Als buchstäblich „letzten“ Beschluss vor der Sommerpause wurde vom Bundeskabinett die von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler vorgelegte „Energieverbrauchskennzeichenverordnung“ verabschiedet: Ab Herbst muss in der Werbung und den Autohäusern die jeweilige Effizienzklasse eines Autos, bemessen an CO2-Ausstoß und Gewicht des Fahrzeugs, deutlich sichtbar als „Teil der Werbebotschaft“ ausgewiesen werden. Wie von Kühlschränken, Waschmaschinen oder Gefriertruhen bekannt, werden die Autos dann mit einem bunten Öko-Label verziert werden. Die Ampel zeigt A+ in Grün für „sehr effizient“ bis G in Rot für „wenig effizient“. Die farbige Skala gebe in optisch gut wahrnehmbarer Form Auskunft darüber, wie effizient das Fahrzeug sei, behauptet Rösler und sei daher „eine wichtige Hilfe bei der Kaufentscheidung.“

Doch hier handelt es sich eher um eine wichtige Hilfe für die einheimische Automobilindustrie. Denn im Gegensatz zu den Haushaltsgeräten wird bei der Auto-Ampel nicht die absolute Energieeffizienz, sondern eine relative zu Grunde gelegt, die sich aus CO2-Ausstoss und Gewicht berechnet: So darf ein 1000-Kilo-Auto knapp 4l/100km verbrauchen, um in der Effizienzklasse A zu landen. Einem 2,5-Tonner für die Einstufung in dieselbe Klasse wird ein Verbrauch von weit über acht Liter zugebilligt.
Diese Klassifizierung führt nun zum Beispiel dazu, dass ein Dickschiff wie der Audi Q7, 3.0 TDI mit 240 PS und 2.345 kg Gewicht in die zweitbeste Klasse B eingestuft wird. Und der Stadtpanzer BMW X6 Active Hybrid mit 485 PS und 238g/km wird in die Klasse C eingestuft – gemeinsam mit einem Toyota iQ mit 68 PS und 99 g CO2/km.

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Reiner Zufall, dass die deutsche Automobilindustrie in der 1000 kg-Klasse kaum vertreten ist, während sie bei den schweren Sport Utility Vehicles (SUV) den Markt beherrscht. Und SUVs wie der Audi Q5, BMW X3, Mercedes M oder VW Tiguan sind nicht nur das am stärksten wachsende Segment auf dem deutschen Automarkt. Sondern sie werfen auch weit mehr Gewinn ab als Mittelklassewagen.
Warum ausgerechnet das Gewicht des Fahrzeugs als Bemessungsgrundlage gewählt wurde, bleibt wahrscheinlich Röslers Geheimnis. Denn wo bleibt für die Ingenieure der Anreiz, leichtere Fahrzeuge zu entwickeln? Und das tun sie – Audi, BMW, VW und Mercedes investieren zig Millionen Euro in diesen Bereich.

Doch völlig unbestätigten Gerüchten zu Folge konnte der Wirtschaftsminister die Saudis vor allem mit dem Argument der Energieeffizienz vom Kauf des Kampfpanzers Leopard II überzeugen. Denn mit 1.500 PS, 60 Tonnen und 5900 g/km CO2 ist der Leo das reinste Öko-Gefährt. Effizienzklasse E. Wie der Smart.

Hajo Stotz
Chefredakteur
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