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EditorialVerzweifelt gesucht

"Kinder kriegen die Leute immer" - mit diesem Argument setzte sich der ehemalige Bundeskanzler Konrad Adenauer 1957 gegen den Widerstand seines Wirtschaftsministers Ludwig Erhard durch. Die Rentenversicherung wurde auf eine Umlageversicherung umgestellt und der Bezug zwischen eingezahlten Beiträgen und späterer Rente aufgelöst. Doch Adenauer irrte, Mitte der 60er Jahre setzte der Pillenknick ein. Seither sinkt die Geburtenrate stetig. Die Folge: Der Rentenkasse gehen die Beitragszahler aus und den Betrieben der Nachwuchs. Bereits heute haben vor allem kleine und mittelständische Betriebe mit weniger gefragten Berufen große Probleme ihre Lehrstellen mit Azubis besetzen. Allein im Handwerk sind derzeit noch 15.000 Plätze zu vergeben, obwohl das neue Ausbildungsjahr in vielen Firmen schon begonnen hat oder im September beginnt. "Junge Leute haben die große Auswahl. In allen Berufen gibt es noch freie Plätze", sagt etwa der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Otto Kentzler. Viele Betriebe sind sich der Problematik seit langem bewusst und hielten daher auch im Krisenjahr 2009 die Zahl ihrer Ausbildungsplätze konstant. Maßnahmen zur Nachwuchsförderung sind bei guten Unternehmen ebenfalls seit Jahren eher die Regel als die Ausnahme. Die Politik versucht das Problem durch die Arbeitszeitverlängerung bis 67, später bis 70, zu lösen oder mit der ab 2011 in Kraft tretenden Arbeitnehmerfreizügigkeit für die neuen EU-Mitgliedsländer. Die Industrie, wie etwa der Druckmaschinenhersteller Heidelberger, sucht deshalb die nächste Lehrlingsgeneration bereits jenseits der Oder. Vielleicht wird das Nachwuchsproblem damit etwas gedämpft - gelöst ganz sicher nicht. Doch die Aussichten auf eine nachhaltige Lösung sind gering. Denn bis 2030 schrumpft die Altersgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 17 und 25 Jahren weiter um rund ein Fünftel. Und die stärkste Wähler- und Interessengruppe sind bereits heute die über 50-Jährigen. Bei der CDU stellen gar Personen ab 60 die stärkste Wählergruppe. Gegen deren Interessen kinderfreundliche und nachwuchsfördernde Gesetze und Schritte durchzusetzen, fällt der Politik bereits heute schwer. Über 50 Jahre nach Adenauers Irrtum müsste eigentlich die Politik endlich Maßnahmen in die Wege leiten, damit sich Kinder bei durchschnittsverdienenden Familien und Frauen nicht länger als Karrierehemmnis und Kostenfaktor auswirken. Stattdessen sitzt auf dem Posten der Familienministerin eine 32-jährige Kinderlose, von der, außer dass sie mit einer Heirat ihren Familiennamen von Köhler in Schröder änderte, seit der Amtsübernahme nichts zu hören ist. Da blieb Adenauer seinem eigenen Anspruch wenigstens noch treu: Mit zwei Frauen hatte er acht Kinder.

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Editorial: Verzweifelt gesucht

Hajo Stotz, Chefredakteur


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