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EditorialUmbruch

Neue Situationen verlangen nach neuen Konzepten. Das müssen derzeit auch die deutschen Messegesellschaften erfahren. Die Konjunkturflaute hat Spuren hinterlassen. Viele Veranstaltungen müssen mit weniger Ausstellern und Besuchern zurecht kommen. Am härtesten getroffen hat es die Großen: Sowohl die Cebit, die Systems als auch die Hannover Messe mussten Rückgänge hinnehmen. Gekürzte Marketing-Budgets, ausufernde Reisekosten und teure Fehlzeiten in den Unternehmen lassen viele Firmen abwägen, ob sie Messen besuchen.

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Als Ursache alleine auf die Wirtschaftslage zu verweisen, wäre falsch. Denn gerade in der Boomzeit zur Jahrtausendwende haben einige Messegesellschaften nicht mit Weitblick gehandelt. In meinen Gesprächen mit Geschäftsführern und Marketing-Verantwortlichen wurde in den vergangenen Jahren immer wieder Kritik an der Hannover Messe laut: „Der Messeveranstalter sei wenig kooperativ, das Konzept sei nicht stimmig, man fühle sich nicht gut aufgehoben und kleinere Fachmessen bringen sowieso bessere Kontakte“ sind nur einige Beispiele. Selbstverständlich spielen auch die Standpreise eine Rolle. Allerdings sind viele persönliche Einschätzungen und Emotionen im Spiel, wenn man beim Einzelnen nachfasst. Ähnliche Statements zur Cebit oder Systems ließen bei mir die Vermutung wachsen, dass die Messegesellschaften lange die Nase zu hoch getragen haben. Sicher kann man nicht auf jeden einzelnen eingehen. Zeichnet sich jedoch ab, dass ganze Branchen wie die Hersteller von Konstruktions-Software der Cebit oder die Automatisierer der Hannover Messe den Rücken kehren, dann sollten die Alarmglocken schrillen. Hat man einen Kunden erst einmal verloren, ist er nur schwer wieder zurückzuholen.

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Alternativen bieten sich für die Unzufriedenen reichlich: Dieses Jahr startet die Automatica in München, die Metav lädt nun zu einer Nord- und Süd-Veranstaltung und weitere Messen wie die Euromold, Motek oder Nürnberger SPS liegen gut im Trend. Das ist auch bei der Deutschen Messe AG angekommen, die mit neuen, vielversprechenden Konzepten aufwartet.

Eines steht jedoch fest: Regionale und/oder fachspezifische Messen werden wohl nie den Stellenwert einer Hannover Messe oder Cebit erreichen. Sie sprechen immer nur einzelne Zielgruppen an. Sobald die Konjunktur richtig anzieht und auch die Marketing-Budgets wieder etwas üppiger sind, werden viele ihre Entscheidung überdenken. Dann wird man wieder zum großen Rundumschlag in Hannover ausholen wollen. Denn in ihrer Bedeutung und Funktion sind die Hannover Messe und die Cebit einzigartig.

Es gibt eben nicht nur – wie derzeit viele zu suggerieren versuchen – Fachbesucher, die gezielt nach einem Anbieter oder einer Lösung suchen. Viele Führungskräfte müssen für verschiedene Bereiche Entscheidungen treffen. Sie wollen sich inspirieren lassen, suchen nach der Vielfalt. Und hier liegt die Chance, denn das umfassende Angebot von Produkten und Dienstleistungen für die Industrie der Leitmesse ist einzigartig. Auch die Akzeptanz ausländischer Aussteller und Besucher ist bemerkenswert. Gerade in Zeiten zunehmender Globalisierung wäre es kontraproduktiv, würde man diese Chance nicht nutzen. Denn in Hannover trifft sich die Welt.

Ihr

Stefan Graf

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