Editorial

Treu und leidensfähig

Kai-Uwe Ricke von der Deutsche Telekom will 32.000 Arbeitsplätze abbauen, Dieter Zetsche von Mercedes-Benz hält 8.500 und Klaus Kleinfeld von Siemens 3.000 seiner Mitarbeiter für überflüssig - und die Manager des Electrolux-Konzerns werden den gesamten Standort Nürnberg mit 1.750 Mitarbeitern schließen. Geht‘s nach den Konzernmanagern, sind die Aussichten für den Standort Deutschland düster. Wenn selbst Fabriken wie die AEG Nürnberg, die nachgewiesenermaßen profitabel arbeitet, geschlossen werden, weil der Profit in Rumänien noch ein paar Cent höher ist – welche Zukunft hat da der Produktionsstandort Deutschland noch? Und „Soziale Verantwortung“ ist für die Bosse offenbar sowieso ein Fremdwort.

Doch der Eindruck, den die Konzernchefs hinterlassen, tut vielen mittelständischen Unternehmern Unrecht. Ihnen liegt das Wohl ihrer Mitarbeiter und des Standortes durchaus am Herzen. Nur hört man von ihnen kaum etwas, denn die Berichterstattung der Medien ist einseitig an den börsennotierten Groß-Unternehmen ausgerichtet.

Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft, betont: „Der Mittelstand steht zum Standort Deutschland.“ Und blickt dabei auch noch positiv in die Zukunft: Knapp die Hälfte der kleinen und mittelständischen Unternehmen erwarten einer aktuellen Studie zufolge eine zumindest gleich bleibende Geschäftslage in den nächsten zwölf Monaten; mehr als ein Viertel rechnet mit einer deutlichen Verbesserung. Auch die Bilanz für die vergangenen zwölf Monate fällt freundlich aus. Knapp 42 Prozent der Mittelständler beurteilen die Entwicklung ihrer Geschäftslage zufriedenstellend; immerhin ein Viertel sieht eine starke bis sehr starke Verbesserung.

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Das ist bemerkenswert, weil gerade die kleineren Betriebe „mehr denn je unter Überregulierung, Bürokratie und einer im internationalen Vergleich extrem hohen Steuer- und Abgabenlast leiden“, wie der Mittelstandspräsident beklagt.

Sie sind tatsächlich von ­bürokratischen Hemmnissen am stärksten betroffen: Für Unternehmen mit 1 bis 9 Beschäftigten liegen die jährlichen Bürokratiekosten im Durchschnitt bei 4.361 Euro pro Mitarbeiter. Für Unternehmen mit 500 und mehr Beschäftigten liegen die Kosten dagegen bei 354 Euro pro Mitarbeiter.

Die neue Regierung hat endlich Handlungsbedarf erkannt und im Dezember ein Gesetz („small-company-act“) ­verab­schiedet, das kleinere Unternehmen von besonders wachstums­hemmender Überregulierung befreien soll. Der Bürokra­tieaufwand soll ab­gebaut und Neugründungen sollen attraktiver werden. Und für die schnelle Information über einen Geschäftspartner können zudem ab 2007 unter www. http://unternehmensregister.de alle publikationspflichtigen Daten eines Unternehmens online abgerufen werden.

Das sind zwar nur kleine Schritte der Bundesregierung. Aber sehr wichtige, wenn damit endlich ein Prozess zum Bürokratieabbau eingeleitet wird.

Viele weitere solcher positiven Schritte wünschen wir Ihnen und uns für 2006.

Hajo Stotz

PS: Weitere Infos zum „small company act“ gibt es zum Beispiel unter http://www.bmwi.de

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