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EditorialStarke Stimme hohe Präsenz

Was haben Michael Jackson, Politiker und klein- und mittelständische Unternehmen medial gemeinsam? Antwort: Nichts.

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Während Ersterer posthum derzeit alle Informations- kanäle füllt und die zweite Gruppe dieses Ziel hartnäckig verfolgt, werden die Dritten praktisch nicht wahrgenommen. Auf Wacko Jacko wollen wir hier nicht weiter eingehen. Falls Sie doch an weiteren Informationen interessiert sind – auf Google finden Sie rund 270 Millionen Meldungen über ihn.

Auch Politiker lassen nichts unversucht, besonders in Bundestags-Wahlkampfzeiten, auf allen Kanälen präsent zu sein. Egal ob zum Thema Subventionen (Steinmeier ja; Merkel: vielleicht; Guttenberg nein), Steuersenkungen (Seehofer: ja; Merkel vielleicht; Oettinger: nein), Rentengarantie (Steinmeier: nein; Merkel: vielleicht; Steinbrück ja) – sie haben zu allem eine Meinung. Leider keine, auf die man nach der Wahl dann wirklich bauen kann.

Vor allem kleine und mittelständische Unternehmer müssen hier genau entgegengesetzt handeln, wollen sie auf Dauer erfolgreich sein: Sie müssen langfristig agieren, in ihren Zusagen verläßlich sein und finanziell Disziplin halten.

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Die Schuldenfalle aber, in die die verantwortlichen Politiker den Staat durch immer neue Subventionen, Steuerverschwendungen in Milliardenhöhe und Klientel-Geschenken treiben, geht in die Fantastilliarden.

Ausbaden müssen das in den nächsten Jahren fast alle – Beschenkte ausgenommen. Vor allem aber die, die am solidesten haushalten (müssen), da sie weder mit Subventionen, Abfindungen oder Staatspensionen rechnen können: klein- und mittelständische Unternehmen und Otto Normalverbraucher. Und nicht nur, dass diese Gruppen die Versprechen der Politiker letztendlich finanzieren, sie werden zudem von den Politikern und profitierenden Gruppen dafür auch noch abgestraft. Von den Ersteren durch Steuererhöhungen, um die durch die Politiker gerissenen Löcher wieder zu stopfen. Und von den Profiteuren, wie der Finanzindustrie, die teilweise nur mit massiven Steuermitteln überlebt, dafür aber nur noch unter hohen Auflagen ihre Kredite an Betriebe und Häuslebauer vergibt, oder den Konzernen, die in ihren guten Zeiten nicht in den Standort und Innovationen investieren, sondern in Auslagerungen (Nokia) und Finanzspekulationen (Porsche: Gewinn 2008 11 Milliarden, davon mit Autos rund eine Milliarde).

Dennoch: Politiker, die ihre Versprechen ständig brechen, sind beliebt. Das ergab zumindest eine Umfrage des ZDF: Der Ansage von Angela Merkel, die Mehrwertsteuer nach der Wahl senken zu wollen, glauben 68 Prozent der Befragten nicht. Nach der selben Befragung würden aber 51 Prozent bei der Bundestagswahl Union oder FDP wählen. Frau Merkel, eine der beliebteste Politikerinnen hierzulande, ist dabei willkürlich herausgegriffen - sie steht stellvertretend für Politiker jeglicher Couleur.

Aber von ihnen und Jacko könnten Unternehmen, vor allem klein- und mittelständische, zumindest eines lernen: Wer in den Medien keine Stimme hat, dessen Interessen werden auch nicht wahrgenommen.


Hajo Stotz


SCOPE-Chefredakteur


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