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EditorialNur die Besten sahnen ab

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Deutschland kann mit sich zufrieden sein. Zumindest, was die Medailleneinfuhr bei der Olympiade in Peking anbelangt: Bei Redaktionsschluss lagen wir auf Rang fünf der Nationenliste. Auf der ewigen Medaillenliste seit 1896 belegen wir gar Platz drei hinter den USA und Russland. In Wirklichkeit aber kein Grund zum Jubeln. Denn andere Nationen werden immer besser, während Deutschland mehr und mehr zurückfällt - vor allem, wenn man nicht nur die Medaillen zählt, sondern die Situation des Breitensports betrachtet. Der kommt immer kürzer, während Mittel verstärkt in den Spitzensport fließen. Auch in der Schule spielt Sport - so zumindest die aktuellen, eigenen Erfahrungen - eine immer geringere Rolle. Ganz vergleichbar dem Sport, sieht es auch in der Aus- und Weiterbildung aus. Bayern, das Bundesland mit dem laut Pisa-Studie höchsten Wissensstand der Schüler, muss sich gleichzeitig etwa nachweisen lassen, dass Schüler mit weniger guten Startbedingungen auch die geringsten Chancen haben, zum Abitur oder Studium zu kommen. Doch der Wirtschaftsstandort Deutschland kann es sich nicht leisten, nur Eliten hervorzubringen. Sein Kapital ist das breite Know-how. Nur mit vielen, gut ausgebildeten Fachkräften und Ingenieuren lassen sich Spitzenleistungen bei Maschinen, Autos und Anlagen erreichen. Dennoch tut sich die Industrie immer schwerer, geeigneten Nachwuchs zu finden. Zum einen klagt sie - meist hinter vorgehaltener Hand - über den Ausbildungsstand des Nachwuchses, zum anderen ist Technik bei vielen jungen Leuten total uncool. Selbst in der eigenen Familie, mit Ingenieuren als Eltern, ist die Wahrscheinlichkeit derzeit gering, dass eines der zusammen fünf Kinder einen technischen Beruf ergreift. Schauspielerin, Fußballer, Sängerin, Arzt oder Rechtsanwalt sind die Leitbilder aus Fernsehen und Internet, die bei der - zugegebenermaßen sehr privaten - Miniumfrage genannt werden. Auch die Firmen haben das zum Teil erkannt. Mit Aktionen wie Schnuppertag oder Girls-Day wollen sie mehr Interesse an technischen Berufen wecken. Und Unternehmen, die seit Jahren in die Nachwuchsförderung investieren, profitieren heute davon und können sich die Bewerber aussuchen. Für die anderen bleibt der Rest. Gerade kleine Betriebe tun sich beim Wettkampf um den Nachwuchs immer schwerer, und das nicht nur aus Kapazitäts- und Kostengründen. Verbände (www.erlebnis-maschinenbau.de), IHKs (www.ihk-ausbildung.de), Messegesellschaften (www.tectoyou.de) und Netzwerke (www.visual-computing.de) geben deshalb zunehmend Hilfestellung, um auf beiden Seiten das entsprechende Bewusstsein zu wecken, Hilfe zu bieten und zu informieren. Mit der Aktion www.Stifte-sichern-Zukunft.de will auch die Bundesagentur für Arbeit Firmen zu mehr Ausbildung motivieren und jugendlichen Interessenten eine Informationsplattform bieten. Von dieser Form von Doping kann meiner Meinung nach gar nicht genug verabreicht werden. Und vielleicht weckt es dann endlich auch den sportlichen Ehrgeiz der Politik, Aus- und Weiterbildung nicht als absurden Länder-(Wett-)Streit, sondern als gesamtpolitische Aufgabe des Industrie-Standortes Deutschland zu sehen.

Hajo Stotz SCOPE-Chefredakteur
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