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Editorial

Netz- werker

99,7 Prozent der Unternehmen in Deutschland sind klein- oder mittelständisch. 70 Prozent der Beschäftigten arbeiten in Klein- und Mittelunternehmen. 83 Prozent der Azubis werden in diesen Unternehmen ausgebildet. Primat der Politik müsste es sein, dieses Rückgrat der deutschen Wirtschaft zu stärken. Doch Tatsache ist: Zu sagen haben die Kleinen in Berlin immer weniger, auch der Einfluss ihrer Verbände wie BDI, VDMA oder ZVEI schwindet.

Die Politik wird immer mehr von finanzstarken und gut vernetzten Konzernen und Interessengruppen beeinflusst. Gebildet hat sich dafür ein ständig schneller werdender Kreislauf aus hohen Gewinnen, exzellent dotierten Posten für Ex-Politiker, die wiederum ihre guten Verbindungen in die Entscheidungsstellen hinein nutzen, um die Macht der Konzerne zu zementieren und die Gewinne weiter zu steigern, um damit noch besser dotierte Ex-Politiker-Posten zu schaffen… Beispiele? Gerhard Schröder, Joschka Fischer und Wolfgang Clement sitzen heute bei Energiekonzernen in hohen Positionen – man darf annehmen, ihr Know-How in Energietechnik war nicht der Grund dafür.
Auch für die vier deutschen Atom-Konzerne hat sich die Investition in Lobbyarbeit gelohnt: Sie kontrollieren nicht nur 80 Prozent des Strommarktes in Deutschland, sie diktierten der Politik auch die Regulierung ihres Geschäfts. Durch die von ihnen durchgesetzte Laufzeitverlängerung können einige der Meiler noch bis ins Jahr 2050 am Netz bleiben. So machen sie, nach Berechnungen des Freiburger Öko-Instituts, allein bis zum Jahr 2016 Gewinne von mindestens 31 Milliarden Euro. Verlierer sind der freie Wettbewerb und künftige Generationen, denen Berge von Atommüll hinterlassen werden.

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Während die großen Energiekonzerne und Bundeskanzlerin Merkel auf eine strahlende Zukunft setzen, hat sich das Geschäft mit regenerativen Energien längst zu einem lukrativen Markt entwickelt. Beispiel Windkraft: 6,4 Milliarden Euro haben deutsche Hersteller 2009 umgesetzt. Die weltweit installierte Windenergieleistung stieg um 30 Prozent.

Weit vorn mit dabei sind deutsche Hersteller wie Enercon, Nordex oder Siemens. Und viele Maschinenbau- und Automatisierungsunternehmen ermöglichen mit ihren Innovationen eine immer höhere Anlagenverfügbarkeit und Leistungsfähigkeit – wie auf der Messe Husum Wind Energy zu sehen und ab S. 80 zu lesen ist.

Die größten Wachstumsmärkte für Windenergie sind USA, China, Indien und Deutschland. Doch mit der Laufzeitverlängerung ist der nötige Strukturwandel und die große Chance für KMU, in den Strommarkt einzusteigen, hierzulande wahrscheinlich vertan.
Im Rahmen der Griechenland-Finanzierung wurde Angela Merkel von Mitgliedern des Kuratoriums Deutscher Mittelstandspreis bereits für den Negativ-Preis „Sargnagel des Mittelstandes“ nominiert. Nun sollte er ihr sicher sein.

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