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EditorialKarneval und Konjunkturpakete

Was haben Karneval und Konjunkturpakete gemeinsam? Erst wird gefeiert, dann kommt der dicke Kopf. Doch während der Karneval auf eine lange Tradition zurückblickt, erscheinen die Konjunkturpakete wie über's Knie gebrochener Ad-Hoc-Aktionismus der Politiker - Hauptsache, es wird gehandelt, nachgedacht wird später. Doch nachhaltige Investitionen in die Zukunft sehen anders aus als das Sparschwein der Kinder zu schlachten und davon ein neues Auto zu finanzieren. Das sieht Manfred Wittenstein ähnlich. Der Präsident des VDMA beurteilt "vieles an der Konjunkturpolitik der Bundesregierung kritisch. So ist es aus unserer Sicht nicht vertretbar, mit leichter Hand bei den künftigen Generationen Anleihen für den Konsum von heute zu machen, seien sie als Kinderbonus, als Steuerbefreiung beim PKW-Kauf oder als Beitragssenkung bei der Krankenversicherung verpackt. Höchst unsicher ist, ob der Konjunktur dadurch tatsächlich ein wenig auf die Beine geholfen werden kann. Sicher ist dagegen: Solche Geschenke von heute programmieren die Steuererhöhungen und die Strukturprobleme von morgen."

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Editorial: Karneval und Konjunkturpakete

Nicht nur er ist überzeugt, dass der Staat zwar investieren muss, aber in Bildung, Forschung und Entwicklung, und in die öffentliche Infrastruktur. Und dass drängende Probleme wie die demografische Entwicklung, die Gesundheitspolitik, die Bürokratie- und Verordnungen-Flut oder die bürgerferne EU-Politik, dringend vorausschauende Strategien erfordern. Wittenstein: "Wenn wir nachhaltig etwas für die Standortqualität in Deutschland tun, können wir stark und leistungsfähig aus der Krise hervorgehen." Wie man eine solche nachhaltige Strategie betreiben kann, können die Politiker bei vielen mittelständischen Unternehmen sehen. Etwa bei dem Bielefelder Werkzeugmaschinenhersteller Gildemeister. Das Unternehmen, das 1995 am Rande des Konkurses stand, als der jetzige Vorsitzende Rüdiger Kapitza die Führung übernahm, ist heute der weltweit führende Hersteller von spanenden Werkzeugmaschinen. In den 14 Jahren hat Kapitza, der seit seinem 16. Lebensjahr bei Gildemeister arbeitet, gezeigt, wie man ein langfristiges Konzept umsetzt. Dr. Kapitza, den ehemalige Mitarbeiter als "nicht immer einfach und sehr fordernd" beschreiben, der aber auch problemlos in einer mehrstündigen Presseveranstaltung trockene Technikinformationen und Unternehmenszahlen spannend vermitteln kann, hat drei ehemalige Problemfälle - Deckel, Maho und Gildemeister - zu einem erfolgreichen Werkzeugmaschinenkonzern verschmolzen. Der gelernte Maschinenmechaniker hat in die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern und in neue Entwicklungen und Produkte, in die globale Aufstellung und den weltweiten Service investiert, und das mit Vernunft und Augenmaß. Das Ergebnis konnte er nun vor kurzem mit berechtigtem Stolz verkünden: "Wir haben den höchsten Umsatz, den besten Ebit und den höchsten Gewinn und in der 138-jährigen Unternehmensgeschichte erzielt."

Und auch für die - nach seiner persönlichen Zählung vierten - Krise sieht er das Unternehmen so gut aufgestellt sieht wie noch nie. Trotz prognostizierten Umsatzrückgängen im Werkzeugmaschinenbereich in Höhe von etwa zehn Prozent blickt er positiv in das Jahr 2009. Der Grund: 2007 hat das Unternehmen eine Tochtergesellschaft gegründet, die heute "die größte Drehmaschine der Welt" baut: a+f ist als Hersteller von Solaranlagen im Bereich der regenerativen Energietechnik überaus erfolgreich. Innerhalb des ersten Jahres hat sich der Umsatz nach Kapitza's Aussage von Null auf 250 Mio. Euro Umsatz entwickelt. Für ihn muss diese Bestätigung seiner Unternehmensstrategie wie Karneval und Konjunkturpaket zugleich gewirkt haben. Nur hat er dem dicken Kopf nachhaltig vorgebeugt.

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