Editorial

Innovationen – aber richtig

Ein Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration – so definierte Erfinder-Multitalent Thomas A. Edison den Weg zu Innovationen. Man kann auch sagen: Eine Erfindung ist schnell gemacht – doch sie zur Marktreife zu bringen und sie zum Markterfolg zu entwickeln, ist der schwierige Part. Ein Blick auf die Patentanmeldungen belegt dies: im internationalen Vergleich nimmt Deutschland bei den Patentanmeldungen eine Spitzenposition ein, pro Jahr werden mehr als 60.000 Patente eingereicht: das ist Platz Nr. 3 hinter USA und Japan. Rund 15.000 davon werden vom Patentamt anerkannt. Doch nur aus etwa drei bis fünf Prozent der Patente entstehen auch Produkte, die dem Markt angeboten werden. Und durchschnittlich 70 Prozent aller Innovationen, so eine Faustregel etwa in der Lebensmittelindustrie, bestehen die Nagelprobe nicht.

Nach diesem Trial-and-Error-Prinzip scheint zunehmend auch die Investi­tionsgüter- und Automobilindustrie zu arbeiten, wobei die Halbwertszeiten der Produkte derzeit noch länger sind. Aber ob es sich um das (so der Austria-Autoclub ÖAMTC) „überladene und unlogische“ elektronische Bedien-System i-Drive von BMW handelt oder High-End-Steuerungen an Werkzeugmaschinen, die zwar fast alles können, aber erst nach 14-tägiger Schulung von einem hochqualifizierten Facharbeiter zu bedienen sind – die Palette an Produkten, die an den Kundenwünschen vorbei entwickelt werden, wird, auch durch die Möglichkeiten der funktionssteuernden Software, täglich größer.

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Wie sich technische Innovationen erfolgreich umsetzen lassen, diskutierten sechs Manager während unserer Podiumsdiskussion auf der diesjährigen Hannover Messe (siehe SCOPE 05/2005). Hier waren auch selbstkritische Worte zu hören. So bemängelte Matthias Topp, Vorstand Produktentwicklung der Edag AG, dass manche Innovationen nicht halten würden, was sie versprechen, während andere an den Kundenwünschen vorbeigingen. Der Kunde müsse wieder stärker in den Fokus der Innovationsentwicklung gestellt werden und die Industrie mehr tun, um dem Kunden eine technische Innovation verständlich zu machen.

Auch die politischen Rahmenbedingungen müssen stimmen, wie Renate Pilz, Geschäftsführende Gesellschafterin der Pilz GmbH, anmahnte und als innovationsförderndes Signal der Regierung für den Mittelstand die Umkehr der bestehenden Unternehmenssteuer forderte, so dass re-investierte Erträge geringer besteuert werden als entnommenes Kapital.

In erster Linie liegt es jedoch in der Hand der Unternehmen, Innovationen erfolgreich voranzutreiben und umzusetzen. Dabei fällt dem Innovations­management eine Schlüsselfunktion zu, indem es Unternehmensstrategie, F+E- und Marketing-Aktivitäten koordiniert. Vor allem muss durch die Unternehmensführung eine Innovationskultur geschaffen werden. Wo eigenverantwortliches Handeln als Auflehnung verstanden wird, Fehler nicht passieren dürfen und kreative Geister als Störenfriede der Betriebsruhe gesehen werden, können keine Innovationen entstehen – hier wird wahrscheinlich nicht einmal richtig transpiriert.

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