Scope Online - Industriemagazin für Produktion und Technik
Sie befinden sich hier:
Home> Service> SCOPE Meinung> Heuschrecken oder Helfer?

EditorialHeuschrecken oder Helfer?

Man weiß kaum etwas über sie, doch ihr Ruf ist denkbar schlecht: als Heuschrecken, die Unternehmen abgrasen und zum nächsten Opfer weiterziehen, hat sie SPD-Chef Franz Müntefering bezeichnet.

sep
sep
sep
sep

In Großbritannien oder Schweden zählen Private Equity-Gesellschaften, also private Investoren in Unternehmen, zur alltäglichen Finanzierungsstrategie. So kontrollieren sie in UK bereits rund drei Millionen Arbeitsplätze. Auch die Deutschen werden sich an Namen wie Apax, Blackstone, KKR, Permira und Ratos gewöhnen müssen, denn die Gesellschaften haben den deutschen Mittelstand entdeckt: Die Maschinenbauer MTU, IWKA, Rheinmetall, die Werkstattkette ATU, die Werft HDW, der Axel Springer-Verlag – die Liste der Unternehmen, an denen sie beteiligt sind, ließe sich endlos fortsetzen. 2004 wurden in Deutschland von Private-Equity-Gesellschaften bereits rund 3,4 Mrd. Euro investiert.

Und dabei steht die Entwicklung hierzulande erst am Anfang. Denn die wachsenden Nöte des Mittelstands begünstigen das Private-Equity-Geschäft. Immer mehr Betriebe, bei denen sich die Nachfolgefrage stellt oder die vor schwierigen Finanzierungsrunden stehen, sehen in Private Equity eine Lösung. Zudem leiden viele deutsche Betriebe unter verschärften Kreditvorschriften, brauchen Geld für Investitionen und sind zu klein, um den Kapitalmarkt in Form einer Anleihe anzuzapfen.

Anzeige

Die Erwartungen eines Private-­Equity an seine Investition sind allerdings hoch: Über den Investitionszeitraum, der meist zwischen drei bis sieben Jahre beträgt, erwarten die Gesellschaften jährliche Erträge, die deutlich über den üblichen Bankzinsen liegen. Private-Equity-Gesellschaften sind daher vor allem für Unternehmen mit einer klaren Strategie, Wachstumspotential und einer Unternehmensvision eine echte Alternative im Finanzierungsgeschäft. Dem Management wird eine große Verantwortung überlassen, allerdings mit dem klaren Auftrag, Umsatz und Gewinn durch organisches und strategisches Wachstum zu steigern. Der Investor fördert diese Strategie und stellt dabei auch die finanziellen Mittel für die Akquise von Wettbewerbern bereit. Private-Equity-Gesellschaften suchen daher gezielt nach mittelständischen Firmen, die dieses Potential bieten.

Und das gelingt ihnen überraschend häufig: Seit 1998 haben die Unternehmen, in denen Private-Equity-Gesellschaften investiert haben – im Gegensatz zur gängigen Meinung – Arbeitplätze mehrheitlich geschaffen und im Schnitt jährlich 4,4 Prozent Zuwachs beim Personal erzielt.

Wie in SCOPE bereits berichtet, hat der schwedische Finanzinvestor ­Ratos vor kurzem die Mehrheit an der ­Hoppenstedt-Gruppe erworben, in der auch SCOPE erscheint. Um die ambitionierten Ziele des Investors zu erreichen, werden wir im Verlagsbereich alle Prozesse auf den Prüfstand stellen und unsere Optimierungspotenziale ausloten. Wir werden unser Kerngeschäft stärken und flexibilisieren sowie unsere Geschäftsfelder erweitern – etwa im Internet. Wir sind überzeugt, dass wir damit die erwarteten Ziele erfüllen und gleichzeitig unser Angebot für Sie, unsere Leser und Anzeigenkunden, weiter verbessern und ausbauen können. Wir arbeiten hart daran.

Hajo Stotz

Chefredakteur

Anzeige
Diesen Artikel …
sep
sep
sep
sep
sep

Weitere Beiträge in dieser Rubrik

Editorial: alt|mo|disch ...

Editorialalt|mo|disch ...

... hat viele Lesarten. Negativ wie optimistisch. Im ersten Moment steigt einem förmlich der Staub in die Nase, Werkshallen, in denen bewährte Maschinen ihre Runden träge drehen, erscheinen vor meinem inneren Auge und versetzen mich in die Zeit des Praktikums zurück, das Voraussetzung fürs Studium damals war.

…mehr
Caterina Schröder

Start-upsGet up

Start-ups sind in. Unternehmen wie Trumpf, VW oder Siemens, letzteres hat sogar eine eigene Einheit für Start-ups gegründet, treten als sogenannte Accelerator auf, um disruptive Ideen zu fördern und neue Technologien schneller voranzutreiben.

…mehr
Editorial: Netz von Möglichkeiten

EditorialNetz von Möglichkeiten

Genau betrachtet stehen wir noch am Anfang eines Prozesses, der manchmal nach „Ist doch schon gegessen“ schmeckt. Denn auch, wenn das Schlagwort der Revolution schon längst nicht mehr revolutionär wirkt, dürfen wir nicht vergessen, dass hinter den knappen Begriffen – wir kennen sie alle – deutlich mehr steckt.

…mehr
Editorial: Neue Rezeptur

EditorialNeue Rezeptur

Der morgendliche Blick in die Zeitung offenbarte mit einem simplen Schaubild, was das Problem mit grundlegenden Veränderungen ist: Oft geben wir nur vor, offen für Neues zu sein, und vertrauen dann doch auf das Bekannte.

…mehr
Caterina Schröder

LasertechnologieLichtvision

Am Anfang steht immer eine Vision. Und die hatte Albert Einstein bereits 1916, als er sich gedanklich durch den Kosmos bewegte. Dabei ging er der Frage nach, was Atome dazu bringen möge, Licht auszusenden.

…mehr

SCOPE ONLINE Newsletter

SCOPE Online Newsletter bestellen

Unser Newsletter informiert Sie kostenlos über die wichtigsten Neuigkeiten aus der Industrie, die Sie mit der gedruckten Ausgabe nicht oder später erhalten.

SCOPE ONLINE IN SOCIAL NETWORKS