Editorial

Gestalten statt verwalten

Beamten-Mikado kennen Sie? Wer sich zuerst bewegt, hat verloren. Dass darin zumindest in Deutschland mehr als nur ein Körnchen Wahrheit steckt, haben wir jetzt durch eine Studie der Weltbank schriftlich bekommen: Jedes Jahr untersucht das Institut, wie reformfreudig ein Staat ist. Bewertet werden unter anderem bürokratische Hindernisse beim Handel und der Existenzgründung, die Flexibilität des Arbeitsmarktes sowie das Steuersystem.

Deutschland belegt hier - hinter Ländern wie Georgien oder Mauritius - den unrühmlichen Platz 25. Besonders bei den Firmengründungen schneidet Deutschland so schlecht ab wie kaum ein anderes Industrieland. Das kann auch jeder bestätigen, der den Versuch bereits selbst einmal gewagt hat: Die bürokratischen Hürden sind so hoch, dass viele bereits scheitern, bevor sie überhaupt eine Chance haben, ihre Geschäftsidee umzusetzen. Da dauert es im Schnitt allein 24 Tage, bis in Deutschland eine Firma angemeldet werden kann - wobei sich das zudem von Bundesland zu Bundesland sehr unterscheidet. Ein Bekannter, der vor kurzem als Freiberufler bei einem Thüringer Finanzamt eine Steuernummer beantragt hatte, musst alleine dafür 20 Seiten Formularkrieg bewältigen - in Baden-Württemberg reichen fünf, und das ist schon zuviel. Auf die Steuernummer wartet er meines Wissens seit drei Monaten übrigens immer noch. In der Regel muss ein Firmengründer dabei in Deutschland neun bürokratische Prozesse durchlaufen. Zum Vergleich: In Großbritannien sind es 18 Tage zwischen Anmeldung und Eintragung bei sechs Prozessen, in Frankreich acht Tage bei sieben Prozessen, und in den USA geht das in fünf Tagen bei fünf Prozessen.

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Die USA wird von der Weltbank denn auch - nach Singapur und Neuseeland - als reformeifrigste Nation der Welt eingestuft. Und trotz einem bestimmt nicht als Macher bekannten Präsidenten Bush halten die Amerikaner diese Position seit Jahren. Und auch die deutsche Industrie schätzt die USA wieder, trotz des immer noch bestehenden Währungsnachteils. Das war auch auf der gerade zu Ende gegangenen Werkzeugmaschinenmesse AMB an allen Ecken zu hören. Gildemeister-Vorstand Rüdiger Kapitza in gewohnt direkter Form: "Die USA sind für uns ein enorm wichtiger Markt, der läuft wie verrückt. Die werden beim Werkzeugmaschinen-Verbrauch nächstes Jahr wieder die Nummer zwei sein. Das kriegt hier nur keiner mit." Auch viele andere Firmen, wie Röhm (Geschäftsführer Michael Fried: Wir sehen gute Marktchancen in USA), Coscom (gründet Niederlassung in Nordamerika) oder Hainbuch (Marketingleiterin Silvia Rall: Sehr gute Entwicklung) bestätigen, dass die USA - trotz noch immer starkem Euro - wieder an Fahrt gewinnt. Und das dürfte sich nach den Präsidentenwahlen im November weiter verstärken. Denn ob McCain oder Obama, beide Lager versprechen erhebliche Wirtschaftsreformen und Bürokratieabbau. Angesichts unserer eigenen reformunfähigen Politiker aller Parteien (Stichworte: Steuer-, Gesundheits-, Rechtschreib-, etc. Reformen) bleibt aber zumindest ein Trost: Wenigstens die Italiener haben wir laut der Weltbank-Studie abgehängt. Die sind auf Platz 65 gelandet.

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