Editorial

Früherkennung statt Spätschäden

Am PKW nervt seit längerem bei jedem Starten die akustische Wartungsanzeige mit einem durchdringenden „Beep“. Wahrscheinlich wechselt die Werkstatt eh nur Öl und Zündkerzen gegen eine teure Rechnung, denke ich, und schiebe den Termin nach dem Motto „Passt schon noch“ Wochen vor mir her. Nach der Inspektion meint der Meister: „Der Auspuff hing nur noch an einer Gummifaser.“ Hoppla, habe ich mein Wartungssystem unterschätzt? In meinem Fall hat es zeitlich nur zufällig gepasst, doch manche Maschinen und Anlagen sind heute tatsächlich in der Lage, sich selbst zu überwachen und vorausschauend Wartungsbedarf zu melden – und nicht wie beim PKW nach festen Intervallen.

Bei der Wartung in vorgegebenen Intervallen oder im Stillstandsfall liegt der Anteil der Instandhaltungskosten zwischen 15 bis 40 Prozent Produktionskosten, so die Expertenaussage. Und für unterlassene oder fehlerhafte Wartung schätzen sie die Kosten etwa viermal so hoch ein wie die direkten Instandhaltungskosten.

Und deren Anteil wird noch weiter steigen – denn die Produktionszyklen verkürzen sich, während die Maschinenlaufzeiten immer länger werden. Daher wird es für die Betriebe immer wichtiger, mögliche Fehler zu erkennen, bevor sie auftreten. Mit den Lösungen für die zustandsorientierte Instandhaltung, dem Condition Monitoring, lassen sich, so die Aussagen der Anbieter, die Maschinenausfälle um bis zu 50 Prozent reduzieren – und damit auch die Reparaturkosten.

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Mittlerweile die Anbieter haben den Trend erkannt: Laut einer Prognose des Verbandes deutscher Werkzeugmaschinenhersteller wird künftig ein Drittel der Werkzeugmaschinen mit Funktionen wie Selbstüberwachung oder Teleservice ausgestattet sein. Doch wie bei allen technischen Entwicklungen muss sich der Anwender auch hier klar machen, ob sich die Mehrinvestition lohnt. Ein Betreiber, der die Anlage unterdurchschnittlich nutzt und regelmäßig warten lässt, fährt mit einer klassischen Intervall-Inspektion, der präsentiven Wartung, wahrscheinlich ebenso gut wie mit Condition Monitoring. Für Anwender aber, die ihre Anlage über dem Durchschnitt fordern oder Instandhaltungsintervalle öfter mal überspringen (müssen), ist Condition Monitoring ein hilfreiches Werkzeug, um – über die gesamte Lebensdauer der Anlage gesehen – wirklich Kosten einzusparen.

Über diese und viele weitere Entwicklungen im Antriebs- und Steuerungsbereich können Sie sich auf der SPS/IPC/Drives vom 22. bis 24.11. in Nürnberg informieren – und in diesem Sonderteil Fabrikautomation.

Hajo Stotz

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