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EditorialErklärungsversuche

Nichts bleibt unentdeckt. Deutsche Großunternehmen landen Flops in Serie: Für jeden sichtbar, schweben die Toll Collect-Ruinen nutzlos über deutschen Autobahnen (DaimlerChrysler, Telekom). Nachrichtensender stürzten sich mit Wonne auf Millionenschäden an Combino-Sraßenbahnen, die sich mit dem Namen Siemens verknüpfen. Die peinlichen Rückrufaktionen der Automobilhersteller haben sich in den letzten sechs Jahren verdreifacht – auch unsere Nobelmarken machen keine Ausnahme.

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Ungeheurer wirtschaftlicher Schaden ist die Folge. Und da die Medien immer und überall präsent sind, leidet nicht nur das Image unserer „Vorzeigefirmen“ im eigenen Land. Ganz Europa feiert den Niedergang unseres „made in ­Germany“, sieht steigende Chancen für ihre Technologie. So verwundert es durchaus nicht, dass mancher Wirtschaftsguru nach dem System des Versagens sucht. Hier in Stichworten die Problematik solcher Szenarien, die nach dem „Prinzip Banane“ funktionieren.

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Mängel in der Ingenieurausbildung: Studium zu eng, zu fachborniert, keine Teamfähigkeit, kein prozessbegleitendes Arbeiten. Notstand in den Entwicklungs- und Forschungsabteilungen: Personal reduziert, Finanzmittel zusammengestrichen, Wichtiges outgesourct, mehrmals umstrukturiert, Erfahrungswissen nicht greifbar weil im Vorruhestand. Gewaltiger Termindruck: Das Management belohnt oder bestraft, technische Probleme finden kein Gehör. Das ERP-System weiß alles über Termine, Kosten und Arbeitsfortschritt – nur nicht, ob die Mitarbeiter wahrheitsgemäße Angaben machen. Und Wolfgang Neef, Ingenieur und Soziologe an der TU Berlin, kennt die Statements aus der Industrie: „Ein Drittel unserer Zeit verwenden wir darauf, das ERP zu betrügen. – Erfahrene Kollegen fragen wir nicht um Rat, die könnten uns als unfähig abstempeln. – In den Führungspositionen sitzen zu junge, unerfahrene Leute, nur weil sie biegsam und strebsam sind. Die kriegen dann einen Dreijahresvertrag, Riesendruck und engste Kostenziele. Klar, das die brutal vorgehen und nicht sonderlich an Qualitätsarbeit interessiert sind.“

Und weshalb „Prinzip Banane“? Ja, die Dinger werden ebenfalls unfertig und noch grün ausgeliefert. Sie reifen halt beim Kunden.

Kann das unsere Wirtschaftsrealität sein?

Ihr

Dieter Capelle, Chefredakteur

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