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EditorialBedeutungsverlust

Für die Verantwortlichen muss die Erkenntnis besonders schmerzlich sein: Die Leitmesse der deutschen Industrie, die Hannover Messe, verliert immer mehr an Bedeutung. Trotz aller Anstrengungen im Vorfeld, mit neuen Themen den Wegfall der Cemat- und Automatica-Themen wettzumachen, rechnete Messechef Sepp Heckmann bereits vor Messebeginn nur mit rund 150.000 Besuchern – im letzten Jahr waren es 205.000.

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Massiv zurückgehende Besucherzahlen in einer – endlich – positiven Wirtschaftsstimmung? Das ist ein klares Signal, dass das Messeangebot das Investitionsinteresse des Marktes nicht trifft.

Die endgültigen Besucherzahlen lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor, doch nach den ersten drei Messetagen drängt sich der Eindruck auf, dass die Schätzung des Messechefs so falsch nicht war: Ein Drittel der Hallen – Halle 18 bis 27 – standen leer, und die Hallen 2 bis 6 präsentierten sich mit viel freier Fläche. Besucherseitig zog es in einigen Hallen erst am Mittwoch spürbar an.

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Richtig gebrummt hat es dagegen wieder in den Hallen, deren Leitthemen durch „Automation“ oder „Factory“ geprägt waren. Für eine erfolgreiche Zukunft der Veranstaltung reicht es jedoch nicht aus, wenn nur einige Teilthemen gut ankommen.

Groß geworden ist die Messe zwar als Bauchladen. Doch mit Cebit, Cemat, Light and Building und der Automatica haben sich Unterthemen in immer kürzerem Abstand zu eigenständigen Messen entwickelt und die Hannover Messe immer mehr an Potenzial verloren. Zu dem Verlust der Automatica hätte es – aus Sicht der Hannover Messe – nie kommen dürfen. Noch ist es aber nicht zu spät, das Konzept der jährlich wechselnden Schwerpunkte – der sogenannten Leitmessen – zu überdenken und der Messe ein eindeutiges Profil zu verpassen. Selbst vielen Ausstellern sind die verschiedenen Teilthemen der Messe nicht klar, von den Besuchern ganz zu schweigen. Und den fachlichen Wettbewerb mit der Motek, der SPS oder der Automatica kann sie mit dem heutigen Konzept nicht gewinnen.

Statt der Präsentation von zehn thematisch teilweise weit auseinander liegenden Leitmessen sollte die Messe ihr Profil schärfen und beispielsweise das Thema Produktionstechnologien und Automation in den Mittelpunkt ihres Konzeptes stellen.

Vor allem aber muss sie ihren Vorteil als internationale Industriemesse besser nutzen. Die exportorientierten deutschen Firmen benötigen ein Schaufenster, in dem sie dem globalen Markt ihre Produkte und Lösungen gebündelt präsentieren können. Das kann bisher keine Motek oder SPS bieten. Und warum sollte die Hannover Messe ihr Serviceangebot nicht deutlich ausbauen und Unternehmen dabei unterstützen, erfolgreich den globalen Markt zu betreten – und umgekehrt auch ausländische Hersteller, die im europäischen und deutschen Markt aktiv sind oder sein wollen? Zudem: Der WM-Slogan „Die Welt zu Gast bei Freunden“ könnte so einer Zweitverwertung zugeführt werden.

Hajo Stotz

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