Editorial

Angst und Mut

„Wirklich excellent seien Präsenz und Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft auf dem Weltmarkt – sagte der Finanzwissenschaftler Bert Rürup kürzlich in einem Interview mit der Tagespresse. Der Professor muss es wissen, sitzt er doch im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Anlässlich der Übergabe des Jahresgutachtens der fünf Weisen an Kanzler Schröder formulierte der Darmstädter Ökonom noch weitere Statements von beachtlicher Klarheit. Zum Beispiel dieses: „Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ist sehr gut“. Oder jenes: „Ich bin ziemlich sicher, dass die Chancen Deutschlands, auf einen höheren Wachstumspfad zu kommen, gar nicht schlecht sind.“

Wer Rürup kennt, der weiß, dass der Mann nicht zu den Pessimisten im Lande gehört. Dennoch: Er kennt die Zahlen, vermag sie kompetent zu bewerten, kann vergleichen mit den Entwicklungen im Ausland und ist in der Lage, die deutsche Wirtschaft im internationalen Wettbewerb einzuordnen. Und gerade hier taugt die Vogelperspektive des Volkswirtschaftlers für ein recht objektives Urteil. A propos „objektiv“ – wer häufig im Ausland weilt, der teilt vielleicht auch diese Meinung Rürups: „Ich stelle fest, dass man im Ausland sehr viel zukunftsoptimistischer ist. (...) Auf Deutschland lastet eine gewisse Zukunftsängstlichkeit. Dies ist von den objektiven Daten her nicht gerechtfertigt (...).“

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Es geht uns also gut. Okay, die hohe Zahl an Arbeitslosen trübt die Stimmung, die Binnenkonjunktur kommt nur schleppend in Fahrt, der starke Euro macht Sorgen und dies und jenes. Dennoch: Es geht uns gut. Die deutschen Betriebe sind modern ausgestattet und organisiert, Exportzahlen und Auftragsentwicklung stimmen optimistisch, viele Firmen investieren wieder verstärkt und im Weihnachtsgeschäft zeigten sich die Deutschen kauflaunig wie lange nicht mehr. Außerdem winken in 2005 nochmal rund 6,5 Milliarden Euro Steuerentlastung. Gründe genug zum „Zukunftsmut“, finden Sie nicht?

Ihr

Michael Stöcker

Stellvertretender Chefredakteur

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