Editorial

Advent... nichts brennt

Kaum geht es wirtschaftlich wieder aufwärts, haben wir die nächsten Krisen: Lieferengpässe, Fachkräftemangel, Rohstoffengpässe.

„Die Rohstoffverknappung trifft uns hart. Bei Messing haben wir zum Beispiel größte Probleme, und die Preise steigen ins Unendliche. Die Engpässe schlagen sich unmittelbar auf unsere Lieferfähigkeit durch“, beschreibt Hans-Dieter Tenhaef, Geschäftsführer des Armaturenherstellers MIT die Situation in seinem Unternehmen. Auch Hans-Peter Keitel, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), spricht deutliche Worte: „Die Existenz von Unternehmen ist gefährdet.“ Der freie Zugang zu Rohstoffen sei unverzichtbar für die deutsche Wettbewerbsfähigkeit. Und selbst Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hat erkannt, dass mit dem Aufschwung die Rohstoffnachfrage der Unternehmen steigt. China und Indien seien wieselflink unterwegs und sicherten sich Vorkommen an seltenen Bodenschätzen.

Doch dass es bei den Engpässen längst nicht mehr nur um seltene Erden wie Magnesium oder Platin geht, sondern um Rohstoffe aller Art, bekommt vielleicht jeder bereits in Kürze zu spüren. Denn auch Paraffin wird – wie fast alle Rohstoffe – vom chinesischen Markt weltweit massenhaft aufgekauft. Die Folge: Zu Advent könnten die Kerzen knapp werden.
Die Wirtschaft, die jährlich Rohstoffe für 80 Milliarden Euro importiert, will nun nach Lösungen für den Engpass gemeinsam mit der Politik suchen. Doch die will sich aus dem Problem möglichst raushalten – oder besser: es breit-palavern. Nach Brüderle solle die Welthandelsorganisation WTO auf Standards im Rohstoffhandel achten und auf G20-Ebene müsse mehr über dieses Thema gesprochen werden. Vor allem aber, so betonte der Wirtschaftsminister, müsse sich die Wirtschaft selbst helfen. „Ein VEB (Volkseigener Betrieb) Rohstoffe passt nicht in unser Wirtschaftssystem und wird es mit mir nicht geben“, sagte er kürzlich.

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Entsprechend lautet in dem Ende Oktober veröffentlichten Papier zur „Rohstoffstrategie der Bundesregierung“ der Kernsatz: „Hier ist (...) die Eigenverantwortung der Industrie gefordert, Antworten auf mögliche Engpässe zu entwickeln.“ Dieser Meinung scheinen die Politiker aller Couleur zu sein. Die bei der FMB-Eröffnung anwesende EU-Abgeordnete Elisabeth Schroedter (Grüne) ging mit keinem Wort auf das von Tenhaef geschilderte Problem ein.

Die Industrie scheint bei dem Problem auf sich alleine gestellt. Hans-Dieter Tenhaef, der auch im Vorstand des OWL Maschinenbau e.V. ist, setzt daher auf Hilfestellungen innerhalb des OWL-Netzwerkes: „Wir müssen uns gegenseitig helfen.“ Und auch BDI-Präsident Keitel setzt auf Kooperationen – auch mit China: „Wir wollen keinen Handelskrieg.“

Wir nicht – aber die Chinesen auch nicht?

Hajo Stotz, Chefredakteur
stotz@hoppenstedt.de
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