Editorial

Kritische Begeisterung

1961 war ein aufregendes Jahr: John F. Kennedy wird Präsident der USA, Juri Gagarin der erste Mensch im All, die Antibabypille kommt auf den Markt, die DDR baut die Mauer und der Autokonzern Borgward meldet Konkurs an. Barack Obama, George Clooney, Lothar Matthäus, Guido Westerwelle (und Pumuckl) erblicken das Licht der Welt.

Und in Darmstadt erscheint im Hoppenstedt Verlag die Erstausgabe von SCOPE. Unsere Story dazu lesen Sie ab Seite 16.

Im Radio hört man statt von griechischen Milliardenschulden den Schlager „Weißen Rosen aus Athen“ von Nana Mouskouri, im Kino reitet Horst Buchholtz mit den „Glorreichen 7“ gegen die Bösewichter der Welt, der 1.FC Nürnberg wird Deutscher Fußballmeister und die Plattengesellschaft Decca lehnt einen Vertrag mit der britischen Musikgruppe „The Beatles“ mit den Worten ab: „Gitarrenmusik ist am Aussterben.“

Gute alte Zeiten? Mitnichten: Der Kalte Krieg strebte seinem Höhepunkt entgegen, Portugal und Frankreich versuchten die Unabhängigkeitsbestrebungen ihrer Kolonien blutig zu zerschlagen, und in den Schulen war den Paukern noch die Prügelstrafe erlaubt (wie ich ein Jahr später selbst erfahren durfte).

Der Autoritätsglaube war in der Gesellschaft noch fest verankert, Gleichberechtigung von Geschlechtern und Rassen nicht das bedruckte Papier Wert, und Homosexualität war „verboten“ und gesellschaftlich geächtet.
Auch IT-technisch gesehen befand sich die Welt 1961 noch in der Steinzeit. Fernsehen bestand aus einem einzigen Programm und Public-Viewing fand vor TV-Apparaten in den Schaufenstern statt. Nur jeder dritte Haushalt hatte ein Telefon (während sich heute drei Telefone einen Menschen teilen), Computer waren so selten wie heute Salamander-Schuhe und hatten die Größe von Kleiderschränken. Die ersten NC-Maschinen kosteten ein Vermögen, und Zeitschriften wurden mit Schreibmaschine und Bleisatz produziert.

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Heute schreibe ich diesen Text im Office in München, online wird er ins Seitenlayout platziert, von der Redaktion in Darmstadt am Bildschirm gegengelesen und als pdf-Datei zur Druckerei gemailt – von so einem Workflow konnten die SCOPE-Kollegen 1961 nicht mal träumen.

Ob allerdings alle technischen Fortschritte immer ein Segen für die Menschheit sind, muss man nicht erst seit der Entdeckung der Kernspaltung bezweifeln. Dennoch – ich wollte nicht mehr in 1961 leben, und viele technische Neuerungen versetzen mich heute als SCOPE-Redakteur in kritische Begeisterung.

Diese Art der Begeisterung über spannende, aktuelle und unterhaltsame Beiträge an Sie, liebe Leser, weiter zu geben, bleibt auch die nächsten 50 Jahre Anspruch und Bestreben von SCOPE.

In diesem Sinne: Viel Spass bei der Lektüre unserer Jubiläumsausgabe!

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