Hajo Stotz ruft

Aufwachen!

36 – 21 – 19. Die Gehälter der Autobosse in Millionen? Fast: Das ist der jeweilige prozentuale Anteil am Gesamtabsatz bei VW, BMW und Daimler in China. Doch während 2015 der chinesische Automarkt – inzwischen der größte weltweit – insgesamt um 9 Prozent wuchs, sank der Anteil der deutschen Autobauer um 2,3 auf 21,9 Prozent. 2016 sehen die Zahlen für die Deutschen wahrscheinlich noch schlechter aus, denn China fördert seit 2014 den Absatz von E-Autos massiv. Die haben VW & Co. aber bisher nur als Feigenblatt-Modelle im Programm.

Hajo Stotz, Chefredakteur SCOPE.

Kein Wunder also, dass die Manager in Wolfsburg, München und Stuttgart nun in Panik verfallen, nachdem die Volksrepublik ab 2018 eine Quote für E-Autos angekündigt hat: Sie fordert einen Mindestanteil von 8 Prozent. Bei Überschreitung erfolgt die Zuteilung von Kreditpunkten für jedes weitere E- oder Hybrid-Auto. Für ein Elektroauto gibt es vier, für einen Hybrid zwei Kreditpunkte (die dann wie vier bzw. zwei verkaufte Verbrenner gezählt werden). 2019 soll die Quote auf 9 Prozent, 2020 auf 10 Prozent steigen. Für VW würde das zum Beispiel bedeuten, dass von den 3 Millionen dort verkaufter Pkws mindestens 60.000 E-Autos sind. Das klingt erst mal nicht viel. Problem: Die deutschen Autobauer haben – anders als ihre Pressekonferenzen und PR suggerieren – zurzeit keine E-Autos in Großserie im Programm.

Dass der Bundesrat und die EU ab 2030 keine neuen Benzin- und Diesel-Autos mehr zulassen wollen, steckten die Hersteller – trotz der offiziellen Pflichtempörung ihrer Lobbyisten Wissmann und Dobrindt – noch locker weg. Denn in Europa fällt keine tiefgreifende politische Entscheidung in Sachen Auto, die nicht mit der einheimischen Autolobby abgestimmt ist. Doch auf die chinesische Politik hat diese kaum Einfluss – im Gegenteil: Deren Ziel ist es, die chinesische Industrie zu stärken. Und die kann bei Verbrennungsmotoren den Vorsprung der etablierten Hersteller nicht aufholen. Den E-Antrieb aber haben die deutschen Hersteller verschlafen – hier hat die chinesische Autoindustrie im eigenen Land bereits heute eine Spitzenposition. Besonders tricky der Chinesen: Die Kreditpunkte können anderen Herstellern auch abgekauft werden – so finanzieren ab 2018 die deutschen die chinesischen Hersteller.

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Wenn VW & Co. nicht endlich aus ihrem PS-Wahn heraus finden und auf emissionsarme Antriebe und neue Konzepte bei der Autoentwicklung und -nutzung setzen, wird es ihnen gehen wie den einstigen Handyriesen Nokia, Motorola, Siemens etc.: Ihre Modelle hatten eine tolle Power bei der Laufzeit – aber Smartphones bringen trotz täglichem Laden viel mehr Nutzen im Alltag. Eine solche Entwicklung kann in Deutschland der heimischen Autoindustrie niemand ernsthaft wünschen. Deshalb, liebe Autobosse in Wolfsburg, München und Stuttgart, tut was für Eure Millionen und: WACHT! ENDLICH! AUF!

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