Caterina Schröder stellt die

Beziehungsfrage

Die Cebit ist längst erwachsen geworden. Vor 31 Jahren wurde sie – vornehmlich aus Platzgründen – von der Hannover Messe verstoßen. Die Unsicherheit war damals groß: Es wurde befürchtet, dass die Cebit ohne das industrielle Umfeld an Relevanz und Interesse verlieren könnte. Heutzutage erscheinen diese Bedenken nahezu lächerlich. Vielmehr lässt sich der Spieß umdrehen: Es scheint, dass der Zögling das Mutterschiff überholt hat und zum Vorreiter wurde. Denn wir ständen heutzutage nicht zwischen vernetzten Maschinen und würden nicht die Autonomie auf die Straße bringen können, hätten Themen zur Datensicherheit, drahtlosen Kommunikation bis hin zu Cloud Computing nicht ihren Nährboden auf der Cebit gefunden. 

SCOPE-Redakteurin Caterina Schröder

Die Schnittmengen beider Messen werden – vor allem nach der Entscheidung vor drei Jahren, der Cebit deutlich mehr Fachmesse-Charakter zu verleihen – immer größer. Die industrielle Wertschöpfung braucht die Nerds aus der IT-Branche. So strecken einst klassische Zulieferer wie Schaeffler ihre strategischen Arme nach der digitalen Welt aus, kooperieren mit IT-Giganten wie IBM und folgen zielstrebig einer „Digitalen Agenda“.

Auch Automobilhersteller wie Daimler und BMW streben die Zusammenarbeit mit IBM an – dank Watson. Der Supercomputer denkt, lenkt und lernt selbstständig mithilfe neuronaler Netze. Das Kunsthirn soll beispielsweise den BMW i8 in die Lage versetzen, seinen Fahrer mit seinen Präferenzen und Gewohnheiten ganzheitlich zu erfassen. Hierfür erforschen der bayerische Autobauer und der US-amerikanische IT-Gigant gemeinsam im Münchner Watson-IoT-Zentrum, wie intelligente Assistenz-Funktionen für Fahrzeuge verbessert werden können.

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Doch Watson steht für noch viel mehr. Er kann immense Datenmengen verarbeiten und interpretieren und wird dabei stets intelligenter. Er zeigt, wie Maschinen lernfähig werden und ihre eigenen Schlüsse ziehen können. Und er ist einfach über die Cloud erreichbar. Er ist aber auch für seine Optimierung auf immer neue Daten angewiesen, weshalb das Internet of Things für ihn äußerst attraktiv ist. Die Künstliche Intelligenz greift nicht nach den Sternen, sondern nach der Industrie. Und die lässt sich mitziehen.

An diesem Punkt drängt sich die Frage auf: Könnte die HMI überhaupt noch ohne die Cebit eine Weltleitmesse sein? Beim Blick auf die Ähnlichkeit mancher Themen scheint es, dass sich die Messe für digitales Business von der einst Vertriebenen zum Treiber der HMI entwickelt hat. Das Verhältnis beider Messen zueinander hat sich damit gewandelt und entwickelt sich positiv. Sie brauchen einander als Ideenschmiede und Marktplatz. Denn ohne das von der realen Welt losgelöste Denken der ITler, das manchmal allzu visionär wirkt, hätte doch die vierte industrielle Revolution nicht ausgerufen werden können. Gleichermaßen hätten die Ideen kaum Reichweite, könnten sie sich nicht an echten Anwendungen festhalten. cs

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