Editorial

Andrea Gillhuber,

Wettbewerbsfaktor Daten

Die Automatica brachte viele neue Eindrücke unter anderem in den Bereichen Mensch-Roboter-Kollaboration, Servicerobotik und Greiftechnik. Sie brachte aber auch neue Abläufe beim Visitenkartentausch mit sich: Ich musste bei unterschiedlichsten Unternehmen, Verbänden und Vereinigungen unterschreiben, dass meine Daten in den Presseverteiler aufgenommen und verwendet werden dürfen.

Andrea Gillhuber, Chefredakteurin

Bei manchen konnte ich sogar auswählen, über welche Kanäle das Unternehmen beziehungsweise sogar welche Personen mich zu welchen Themen kontaktieren dürfen. Die Prozedur nahm nur wenige Minuten in Anspruch und lief im Prinzip häufig nebenbei während eines Gesprächs. Aber ich gebe es zu, es sorgte auch bei mir für Kopfschütteln, gebe ich meinem Verständnis nach doch meine Visitenkarte genau aus dem Grund her – in Zukunft in geschäftlichen Kontakt mit meinem Gegenüber zu treten.

Der Grund dafür ist natürlich die europäische Datenschutzgrundverordnung, kurz: DSGVO. Viel zitiert, viel diskutiert und nun live und in Farbe im Rahmen einer Messe zu erleben. Natürlich wurde das Thema nicht nur beim Visitenkartentausch heiß diskutiert. Viele Unternehmen sind auch nach dem Stichtag, dem 25. Mai 2018, noch dabei, die neue Verordnung umzusetzen. Welche Unsicherheiten bei dem Thema herrschen, zeigt auch die Angst vor Abmahnanwälten und damit einhergehenden Strafzahlungen.

Doch diese Angst zeigt auch etwas anderes, nämlich dass doch sehr viel Schindluder mit den Daten getrieben wurde und auch getrieben wird. Beste Beispiele sind dabei natürlich die verschiedenen Facebook-Skandale. Und diese wiederum zeigen, wie wichtig qualifizierte Daten für Politik, Wirtschaft und auch Forschung sind. Mit dem richtigen Datenpool und den passenden Analysewerkzeugen lassen sich Wahlergebnisse vorhersagen, das Kaufverhalten der Konsumenten beeinflussen und Produkte auf den Endverbraucher anpassen.

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Bleiben wir bei der Datenanalyse: Viele Zukunftsvisionen sind erst durch Daten möglich, beziehungsweise durch die Interpretation zur Verfügung gestellter Daten. Als Beispiel soll hier die Künstliche Intelligenz dienen. Im Moment stehen wir noch am Anfang dieser vielversprechenden Technologie. Hier werden beispielsweise Systeme mittels zigtausender Referenzbilder geschult, selbstständig Katzen auf Bildern zu identifizieren. Als Datenpool dient hierbei das Internet, denn dort sind Millionen Katzen in unterschiedlichsten Posen und Situationen auf Bildern verewigt.

Im Industriebereich wird das Internet nicht mehr als Datenpool dienen können, zu spezifisch und durch Datenschutzregelungen gesichert sind hier die Daten. Wie also soll ein Unternehmen oder ein Land eine Vorreiterrolle übernehmen, wenn die Gesetzgebung die Nutzung von Daten reguliert? Genau diese Thematik diskutierten Pressevertreter auch im Rahmen eines Expertentalks mit Kuka. David Fuller, Chief Technology Officer bei Kuka Robotics, brachte es auf den Punkt. Er sagte, nicht unbedingt das Land oder das Unternehmen mit den besten Fachkräften wird sich in Sachen Künstlicher Intelligenz einen Vorsprung erarbeiten, sondern derjenige mit dem besten Zugriff auf nutzbaren Daten. Im Moment hätten die USA noch den besten Zugang, da es hier kaum Bemühungen wie in Europa und teilweise auch in China gäbe, Daten zu schützen.

Überspitzt gesagt könnte der Datenschutz also einer Technologieführerschaft im Weg stehen. Auf der anderen Seite werden dadurch unter anderem unsere Persönlichkeitsrechte gewahrt. In der ganzen Diskussion gilt es aber eines nicht zu vergessen: Letztendlich liegt es auch an jeder einzelnen Person, verantwortungsbewusst mit den eigenen und mit den anvertrauten Daten umzugehen.



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