Digitalisierung

Alternativlos

Smart Phone – Smart Home – Smart Germany. Alles wird heutzutage smart. Klingt ja auch klug und clever, gewitzt und durchdacht. Bis man sich bewusst macht, dass die Bedeutung des englischen „to smart“ mit „schmerzen“ oder „brennen (einer Wunde)“ übersetzt wird. 

Caterina Schröder, Redakteurin SCOPE.

Doch zurück zu den einleitenden Schlagworten: „Smart Germany“ ist mir das erste Mal auf der diesjährigen Hannover Messe begegnet. Genau gesagt war es am Messemontag um kurz nach 11 Uhr. Unter dem Slogan „Smart Germany – Arbeit in der Digitalen Transformation“ erklärte VDI-Direktor Ralph Appel, welche Bedeutung die Digitalisierung für die Rückverlagerung von Produktionskapazitäten an den Standort Deutschland hat. Demnach bewege die Digitalisierung Unternehmen dazu, wieder vermehrt in deutsche Standorte zu investieren. Sie erhöht den Automatisierungsgrad und steigert damit die Arbeitsproduktivität. In Zahlen bedeutet das: Wenn alle Industrieunternehmen in Deutschland mindestens eine Digitalisierungstechnologie einsetzen würden, könne eine Produktivitätssteigerung in Höhe von etwa 8 Milliarden Euro erzielt werden, rechnet Appel vor.

Tut das weh? Manche sehen vor allem die Einsparung von Lohnkosten, die die Automatisierung ermöglicht, und sehen daher die digitalen Technologien als Jobkiller. Eine völlig falsche Sichtweise, glaubt man Appel. Vielmehr sichern sie Arbeitsplätze am Standort Deutschland, wenn sie richtig angepackt werden. Impliziert wird mit dem Aufruf zur richtigen Herangehensweise allerdings, dass sich einige Arbeitskonzepte massiv ändern werden. Und das nicht nur in der Produktion. Denn die digitale Transformation betrifft alle Wirtschaftsbereiche, verändert Wertschöpfungsketten und damit auch Geschäftsmodelle.

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So zum Beispiel in der Baubranche. In der Studie „Digitalisierung der Baubranche“ erklärt Roland Berger, dass 93 Prozent der Baufirmen davon ausgehen, dass die Digitalisierung die Gesamtheit ihrer Prozesse beeinflussen werde. Auch hier wird die Effizienzsteigerung als Vorteil angeführt. Es geht nicht mehr nur um das Mauern, Verlegen und Stromkabelziehen. Es geht um die Vernetzung der einzelnen Gewerke und Systeme und um das Abbilden dieser in der Planung. Hier tritt das Building Information Modeling (BIM) auf den Plan. Es bildet den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes ab – vom Entwerfen und Planen über den Bau bis hin zum Betrieb. Und zwar unabhängig davon, ob am Ende ein einfacher Industriebau oder ein zukunftsorientiertes Smart Building steht. Es erschafft einen virtuellen Zwilling und schafft einen Überblick über die Tätigkeiten und Verknüpfungen der einzelnen Beteiligten. Und es verändert grundlegend die Strukturen und Abläufe. Doch Veränderungen an etablierten Prozessen stoßen oft auf Widerstand.

So betrachtet kann die Versmartung unserer Welt auch als ein schmerzlicher Prozess empfunden werden, den wir durch den Wechsel des Blickwinkels in etwas Visionäres verwandeln müssen. Denn letztendlich gibt es keine Alternative zur Digitalisierung.

– Sent from my IPhone –

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