Hajo Stotz

Politische Messe

„Integrated Industry – Join the Network!“ lautet das diesjährige Leitthema der Hannover Messe und soll dafür stehen, dass die wesentlichen Herausforderungen von Industrie 4.0 nur im Netzwerk zu bewältigen sind.

SCOPE Chefredakteur Hajo Stotz

Zum dritten oder vierten Mal, so genau habe ich nicht mitgezählt, ist also das Thema Industrie 4.0 wieder Leitmotto der Hannover Messe – und weil man seine Bedeutung gar nicht genug betonen kann, warb es in ähnlicher Form auch für die vor vier Wochen zu Ende gegangene Cebit am gleichen Ort. Doch dass die Industriemesse und ihr Leitthema auch dieses Jahr nicht langweilig werden, dafür sorgen neben den vielen interessanten Produkten der Aussteller (siehe Berichte in diesem Heft) noch zwei weitere Faktoren.

Zum einen hat Bahnchef Rüdiger Grube offenbar etwas gegen Wiederholungen. Als oberster Lokführer auch eher der traditionellen Technik verbunden, will er ausgerechnet zur Hannover Messe die wichtigste Zubringerstrecke wegen dringender Gleisarbeiten sperren – die Züge müssen eine Stunde Umweg in Kauf nehmen. Diese dringenden Gleisarbeiten sind auch trotz massiven Drängens von Messechef Jochen Köckler und Niedersachsens Wirtschaftsminister Lies unaufschiebbar, da bereits seit 2009 so geplant. Die Bahn verspricht dennoch, man suche nach Lösungen. Doch als Enkel zweier Bahnbeamter verstehe ich den Code: Es kommt noch dicker, als ihr glaubt – vielleicht lassen wir den Messebahnhof Laatzen nur von S-Bahnen anfahren.

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Und Köckler dürfte noch ein weiteres Thema Schweißtropfen auf die Stirne treiben: Erstmals seit Bestehen der Messe sind die USA Partnerland, und Konzerne wie General Electric, Honeywell, Eaton, Molex, Microsoft, AT&T oder IBM wollen ihre Vorstellungen einer Integrated Industry präsentieren.

Zwar freut sich der Messechef, dass „US-Präsident Barack Obama die Messe gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet, ist ein starker Beleg für die internationale Bedeutung der Hannover Messe.“ Doch Obama will die Messe in erster Linie nutzen, um bei seinem letzten Deutschland-Besuch als Präsident einem seiner großen Amtsprojekte endlich zum Durchbruch zu verhelfen: dem Freihandelsabkommen TTIP.

Damit wird Hannover nicht nur zur Weltbühne für Industrie-Trends, sondern auch zur politischen Plattform, und neben den Messebesuchern haben sich dieses Jahr auch Zehntausende von TTIP-Gegnern angesagt. Deshalb wird der Sicherheitsaufwand noch größer sein als beim russischen Präsidenten Wladimir Putin, der 2013 beim Messe-Rundgang mit Merkel von halbnackten Femen-Aktivistinnen angegangen worden war. Ein Bild von Obama und Merkel, umringt von TTIP-Gegnern auf der weltgrößten Industrie-Messe, werden Politik und Messe auf jeden Fall zu verhindern suchen.

Es wird also diesmal eine ganz besonders spannende Messe – nicht nur in technischer Hinsicht.

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