Caterina Schröder

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Logistik ist der drittgrößte Wirtschaftsbereich nach Handel und der Automobilindustrie. In Kombination mit der Vorstellung, dass sie das tragende Gerüst der Produktion ist, besitzt sie folglich eine enorme Innovationskraft. Zumindest wenn die Macher es schaffen, Trends aufzunehmen und weiterzugeben, auch über Unternehmensgrenzen hinweg. Denn die moderne Logistik transportiert nicht nur Waren, sondern auch Daten und Ideen.

SCOPE-Redakteurin Caterina Schröder

Grundvoraussetzung 1 ist ein hoher Automatisierungs- und Digitalisierungsgrad. Das bedeutet, dass auch klassische Logistik-Experten eine digitale Transformation durchleben müssen. So positioniert SSI Schäfer beispielsweise mit der Bündelung der Software- und IT-Themen in eine eigene Gesellschaft (SSI Schäfer IT Solution) den Geschäftsbereich IT als Kernkompetenz. Damit wollen sie der zunehmenden Komplexität, die durch die Individualisierung der Produktion weiter wächst, mit Software-Know-how begegnen. Denn die Komplexität macht neue Tools, die das Cloud-Computing, Big Data oder das Internet der Dinge mit sich bringen, unabdingbar.

Grundvoraussetzung 2 ist ein Mobilfunkstandard, der hohe Datenraten in Echtzeit ermöglicht. Der VDE setzt diesen – in Form des 5G-Netzes – sogar als Must-have für den Abschluss der aktuellen „heißen Phase“ der digitalen Transformation in Deutschland voraus. Damit der Abschluss gelingt, fordern 43 Prozent der vom VDE befragten Unternehmen, dass 5G als wichtiger Schlüssel der digitalen Transformation beschleunigt eingeführt wird. Ob es 2025 sein wird, wie es der VDE prognostiziert, oder ein Roll-out schon 2020 erfolgen wird, wie manch ein Optimist glaubt, ist für das Ergebnis irrelevant. Ist 5G erst etabliert, bedeutet das eine 1.000-fach höhere Datenübertragungsrate als im LTE-Netz, mit bis zu zehn Gigabyte pro Sekunde, einer Ansprechzeit von unter einer Millisekunde und das bei einem geringeren Energieaufwand. Das schafft die technologische Basis für die engmaschige Verbindung von Mobilität, Logistik, Energie und Kommunikationsdiensten aller Art.

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Und damit zu Grundvoraussetzung 3: Eine offene Kommunikation unter allen an der Fertigung beteiligten Prozessen – unternehmensübergreifend – ist für die erfolgreiche Realisierung des Industrie-4.0-Gedankens entscheidend. Das Problem daran: Blindlings smart zu werden birgt die Gefahr, Angriffen schutz- oder machtlos ausgeliefert zu sein. In jedem smarten System verstecken sich Einfallstore für Hacker, die manche IT-Sicherheitsabteilung nicht im Blick hat. Dank Social Engineering oder Malware wie Exploits – Sicherheitsexperten bezeichnen diese derzeit mit als größte Gefahr für die Sicherheit von Daten und Computern – wird ein System völlig unbemerkt angegriffen. Die Schädlinge schleichen sich ein und schlummern im Verborgenen, bis der Zeitpunkt für die Attacke gekommen ist. Mitbekommen werden das meist nur die Beteiligten – Ausnahmen wie die Ransomware WannaCry mal außen vor gelassen – und werden tunlichst den Weg in die Öffentlichkeit meiden. Denn die Gefahr des Imageverlustes scheint dann doch bedrohlicher.

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