Editorial

Andrea Gillhuber,

Aufbruch trotz Volatilität

Im Jahr 2010 führte ich ein Gespräch mit Christian Wolf, Geschäftsführer von Turck, über das damals enorme Wachstum des Automatisierungsspezialisten.

Andrea Gillhuber, Chefredakteurin © Andrea Gillhuber

Kurz nach der Krise 2008/2009, in dem das Unternehmen einen Einbruch von 30 Prozent verkraften musste, wuchs der Umsatz überdurchschnittlich. Natürlich war das zu dieser Zeit kein Einzelfall, viele Unternehmen verzeichneten nach der abrupten Talfahrt ein enormes Wachstum, ein Satz von Herrn Wolf blieb mir in diesem Zusammenhang jedoch im Gedächtnis: „Willkommen in der Volatilität!“

Ein Jahr darauf präsentierte das Unternehmen wieder ein starkes Wachstum von damals 25 Prozent. Auf die Aktualität seiner Aussage vom vorangegangenen Jahr angesprochen, antwortete Wolf: „Volatilität ist keine Frage des Vorzeichens, sondern ist eine Nichtvorhersehbarkeit und eine Schwankungsbreite am Markt, die extrem hoch ist und bleibt. Das hat auch mit Rahmenbedingungen zu tun, die sich extrem verändert haben: Finanzmärkte, Unsicherheiten in der Währung, externe Geldgeber und so weiter. So gesehen, glaube ich, ist der Spruch ‚Willkommen in der Volatilität‘ noch aktuell.“

Und der Wahrheitsgehalt dieser Aussage bleibt auch heute bestehen – unabhängig von Branchen und Unternehmen. Das zeigte auch die AMB, welche am 18. September startete und einen Rekord nach dem anderen vermeldete (siehe Seite 6). Die Stimmung war gut in Stuttgart und die Aussteller freuen sich über gefüllte Auftragsbücher sowie einen steigenden Umsatz. Auffällig war jedoch, dass sich weder Unternehmen noch Verbände wirklich zu Voraussagen und Umsatzprognosen für das Jahr 2019 hinreißen ließen. Aufgrund der Märkte und der Nachfrage gehe man zwar von einem Wachstum aus, wie stark es jedoch ausfallen wird, könne man aber nicht sagen. Man weiß ja nicht, was einem am nächsten Morgen erwartet, wenn der „Mann über dem großen Teich schlecht geschlafen hat“.

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Und hier ist des Pudels Kern: Die Unternehmen haben gelernt, mit der Volatilität der Märkte umzugehen, da sie in den letzten Jahren nie wirklich verschwunden ist. Doch nun ist ein Unsicherheitsfaktor hinzugekommen, den niemand aus Wirtschaft, Industrie und Politik wirklich einzuschätzen weiß: der Mann in Amerika, Donald Trump.

Doch egal wie Trump geschlafen haben mag, er hat auch durchaus positiven Einfluss: Er sorgt für mehr Kreativität. Unternehmen, Politik und Wirtschaft suchen gemeinsam nach Wegen, von seinen unvorhersehbaren Entscheidungen unabhängig zu werden oder zumindest die Auswirkungen einzudämmen. Neue Märkte werden erschlossen und bereits bekannte weiterentwickelt. Deutsche Unternehmen besinnen sich wieder auf ihre Innovationskraft und treiben die Produktneu- und -weiterentwicklung voran. Das zeigt auch die Reaktion auf die Frage, wie man mit Strafzöllen auf Einfuhren aus Europa umzugehen gedenke, sollten sie Realität werden: Schulterzucken, breites Grinsen und „Dann werden wir halt unverzichtbar!“.

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