Smarte Behälter

Projekt SaSCh - Transport von Waren transparenter gestalten

Ein Auto besteht im Durchschnitt aus etwa 10.000 Einzelteilen. Ein hoher Prozentsatz dieser Bauteile wird extern beschafft. Die Produktion eines Fahrzeugs basiert also auf einer komplexen Supply Chain, an der eine Vielzahl von Lieferanten und Logistikdienstleistern beteiligt sind. Smarte Behälter sollen dabei helfen, den Transport transparenter zu gestalten – so die Idee. Wie sich diese in die Praxis umsetzen lässt, soll das Projekt SaSCh zeigen.

Mit einem digitalen Leuchtturmprojekt für die Automobilindustrie haben sich BLG Logistics, Bosch, das BIBA – Bremer Institut für Produktion und Logistik, GS1 Germany und Queo in einem Technologiewettbewerb des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie durchgesetzt: Das Projekt „SaSCh“ – ein Akronym für „Digitale Services zur Gestaltung agiler Supply Chains“ – ist seit dem 11. Oktober 2016 Teil des Förderprogramms „PAiCE“, das wichtige Impulse für die Digitalisierung der Wirtschaft setzen soll.

Jakub Piotrowski und Ina Welmert (BLG) testen im Logistikcenter Bremen einen Prototypen des smarten Behälters.

Im Mittelpunkt des Projektvorhabens steht die Entwicklung eines cyber-physischen Systems: „Es soll die durchgängige digitale Erfassung qualitäts- und zustandsrelevanter Daten von Autoteilen in der Lieferkette (Supply Chain) ermöglichen. Die Projektergebnisse lassen sich jedoch auch auf andere Branchen übertragen“, sagt BIBA-Wissenschaftler Dirk Werthmann und erläutert weiter: „In ihrer Gesamtheit führen die geplanten Maßnahmen dazu, dass qualitativ hochwertige Produkte termintreu, vollständig und wirtschaftlich am Verbrauchsort bereitgestellt werden können.“

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Um die 10.000 Einzelteile werden für ein Auto benötigt, die meist von extern in die Automobilwerke kommen. Das bedeutet: eine komplexe Supply Chain, an der eine Vielzahl von Lieferanten und Logistikdienstleistern beteiligt sind. „Diese hohe Komplexität stellt enorme Anforderungen an das Qualitätsmanagement“, erklärt Jakub Piotrowski, Director Business Development Contract bei BLG Logistics. Das Unternehmen hat langjährige Erfahrungen in der Autoteilelogistik und bietet seinen Kunden aus der Automobilbranche individuelle Lösungen: Von der Beschaffung von Packmitteln über die sequenzgenaue Produktionsversorgung bis zur Übernahme der Werkslogistik inklusive Modulmontagen.

Grenzenlos gedacht

Jakub Piotrowski betont: „Eine hohe Produktqualität ist nicht von einem Unternehmen allein, sondern von einem gelungenen Zusammenspiel aller Partner entlang der Supply Chain abhängig.“ Grundlage dafür ist zum einen ein unternehmensübergreifender Informationsaustausch. Zum anderen müssen die erhobenen Daten für die Nutzer verständlich aufbereitet werden. An diesen beiden Punkten setzt das Forschungsprojekt SaSCh an: Durch den konsequenten Einsatz von Sensoren sollen Qualität und Zustand der in der Supply Chain bewegten Bauteile besser abgesichert werden. Stationäre und mobile Sensorlösungen sollen dabei helfen, die qualitätsrelevanten Daten zu erfassen. „Ganz im Sinne des Internets der Dinge entwickeln wir smarte Behälter, die den Transport von Waren noch transparenter gestalten“, so Matthias Hülsmann, Vice President Bosch Connected Industry und Leiter Connected Logistics der Robert Bosch GmbH. Ziel ist es, für die Automobilindustrie eine schlanke und robuste Supply Chain ohne Sondertransporte, Nacharbeiten, Produktionsstillständen oder Rückrufaktionen zu schaffen.

Zum ersten Mal schafft ein Projektvorhaben die technischen und methodischen Voraussetzungen für einen unternehmensübergreifenden Austausch von Sensor- und Qualitätsdaten. Die erfassten Tracking- und Tracing-Daten werden validiert und mittels digitaler Services verarbeitet und ausgewertet. Ein wichtiger Aspekt ist, dass diese Daten auch unternehmensübergreifend verstanden werden und einen signifikanten Mehrwert für das Risiko- und Engpassmanagement bringen. SaSCh, das auf einen Zeitraum von 36 Monaten ausgelegt ist, umfasst fünf Teilprojekte, in denen sich auch die jeweiligen Kompetenzen der Partner im Projektkonsortium widerspiegeln.

Bosch verantwortet die Entwicklung der Track&Trace-Lösung, in der die Hard- und Softwareinfrastruktur als eine integrale Lösung entwickelt wird. Hardwareseitig dienen Sensoren zur Überwachung qualitätsrelevanter Parameter und der Identifikation transportierter Güter. Ein Gateway erfasst die Geolokation und überträgt die Sensordaten in die Supply-Chain-Plattform. Als Teil der Bosch-IoT-Cloud dient diese zur Speicherung und Analyse der Daten sowie der Bereitstellung datengetriebener Services. Hülsmann betont: „Durch das SaSCh-Projekt nutzen wir die Möglichkeit, eine Track-&-Trace-Lösung mit Qualitätsmanagement gemeinsam mit Partnern im Sinne eines Ecosystem-Ansatzes zu erproben und weiterzuentwickeln.“

BLG Logistics bearbeitet primär logistische Fragestellungen: Wie müssen digitale Services und Geschäftsmodelle aussehen, damit innerhalb der Logistik eine End-to-end-Überwachung von Quantitäten und Qualitäten möglich ist? Gemeinsam mit Bosch wird das Geschäftsfeld BLG Industrielogistik die Lösung auch im Rahmen eines vereinfachten Anwendungsfalls aus der Automobilindustrie testen.

GS1 Germany sichert die Standardisierung der Prozesse. „Damit Prozesse entlang der kompletten Wertschöpfungskette ausgewertet werden können, sind detaillierte Informationen notwendig“, sagt Roman Winter, Manager Identification/Data Carrier bei GS1 Germany. „Transparenz entsteht, wenn jederzeit und für jeden Beteiligten ersichtlich ist, welche Objekte, wo, wann und in welchem Kontext bewegt oder verändert wurden.“

Das BIBA übernimmt die wissenschaftliche Verwertung und unterstützt mit seinen Innovationen zur 3D-Zustandserfassung und zur autonomen Planung und Steuerung. Um die digitalen Services einfach und intuitiv für den Menschen nutzbar zu machen, bringt Queo seine Erfahrungen zur Gestaltung intuitiver Benutzerschnittstellen ein. Vor allem in komplexen Situationen sollen unterschiedliche Endgeräte eine einfache Entscheidungsfindung visuell unterstützen. Nicht zuletzt durch den Anwendungsfall aus der Automobilindustrie und durch die beteiligten renommierten Unternehmen hat das Projekt Leuchtturmcharakter. Die Partner im Konsortium haben nicht nur zentrale Kompetenzen und Marktanteile in den Bereichen Produktion, Logistik und IT, sondern verfügen auch über starke Kooperationsnetzwerke und haben bereits in anderen Projekten erfolgreich zusammengearbeitet.

Dieses Forschungs- und Entwicklungsprojekt wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) innerhalb des Technologieprogramms „PAiCE-Digitale Technologien für die Wirtschaft“ gefördert und vom Projektträger „Informationstechnologien / Elektromobilität“ im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Köln betreut. cs

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