Hochregallager

Rohre in großen Dimensionen

Der Stahlhandel ist ein knallhartes Geschäft: Ein hoher internationaler Wettbewerbsdruck und dementsprechend geringe Margen machen den Unternehmen deutlich zu schaffen. Gleichzeitig werden zunehmend kleinere Losgrößen und bereits angearbeitetes Material gefordert – und das bei zunehmend kürzeren Lieferzeiten. Um das zu schaffen, sind zeit- und kosteneffiziente Prozesse unabdingbar – gerade auch in der Intralogistik. Ein beeindruckendes Beispiel dafür liefert Benteler Distribution International mit ihrem neuen Zentrallager am Duisburger Hafen.

Mit 120 Metern Länge, 25 Metern Höhe und 10.000 Systemkassetten ist das neue Zentrallager von Benteler das größte Rohrlager in Europa.

Benteler Distribution, ein Unternehmen der Benteler-Group, ist ein international tätiger Anbieter von Stahlrohrprodukten. Mit 53 Standorten in 29 Ländern beliefert der Händler rund 15.000 Kunden in aller Welt, die meisten davon in Europa. Ein umfassendes Vertriebs- und Logistiknetzwerk, enge Beziehungen zu den Lieferanten, ein breites Produkt- und Dienstleistungsportfolio sowie hohe Verfügbarkeit und kurze Lieferzeiten sind die Eckpfeiler dieses Erfolgs. Mehr als 1.400 Mitarbeiter erwirtschaften einen Umsatz von über einer Milliarde Euro im Jahr.

„Der Wettbewerb ist so groß, so dass ein unzufriedener Kunde auch schnell mal den Anbieter wechselt.“ Christoph Datko, Geschäftsführer von Benteler Distribution Deutschland.

Deutschland ist für Benteler Distribution ein besonders wichtiger Markt. Hier besitzt das Unternehmen seine größte Tochtergesellschaft mit acht Vertriebs- und drei Lagerstandorten sowie einem Anarbeitungszentrum. Das Zentrallager in Duisburg ist dabei der wichtigste Knotenpunkt: Auf einer Fläche von 35.000 Quadratmetern bietet es Platz für rund 27.000 Tonnen Material – in sämtlichen Längen, Durchmessern und Beschaffenheiten. „Unsere Kunden stammen unter anderem aus dem Maschinenbau, der Hydraulikzylinderproduktion, der Automotive-Branche, dem Energiesektor, der Gesundheits- und Konsumgüterindustrie, der Baubranche oder dem Handel“, erzählt Christoph Datko, Geschäftsführer von Benteler Distribution Deutschland. „Entsprechend umfangreich ist auch unser Sortiment: von nahtlosen und geschweißten Präzisionsstahlrohren über Zylinderrohre und Kolbenprodukte, Dick- Normalwand- und Drehteilrohre, Hohlprofile, Kessel- und Wärmetauscherrohre bis hin zu Edelstahl- und Leitungsrohren.“

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Noch bis vor kurzem verfügte der Standort Duisburg lediglich über etwa die Hälfte der heutigen Lagerkapazität. Weitere Lager waren dezentral über mehrere Standorte in ganz Deutschland verteilt. Dies führte jedoch häufig zu Problemen: „Wenn ein Kunde eine Bestellung mit unterschiedlichen Artikeln bei uns aufgab, konnte es durchaus sein, dass wir diese erstmal aus verschiedenen Lagern zusammenführen mussten“, erinnert sich Datko. „Das kostete jedes Mal Zeit – und letztlich konnten wir uns das aufgrund der immer kürzeren geforderten Lieferzeiten nicht mehr leisten.“ Auch den Überblick über die Bestände zu behalten, fiel angesichts der zahlreichen Standorte schwer. Dadurch kam es teilweise zu Fehlern und Verzögerungen bei der Auslieferung – „und das kann dir in unserer Branche schnell das Genick brechen“, betont Datko.

Hoch hinaus für mehr Kapazität

Benteler entschied sich deshalb dazu, mehrere Standorte im Zentrallager Duisburg zu konsolidieren. Dazu war jedoch eine deutliche Kapazitätssteigerung erforderlich. „Wir hatten außerdem eine Lösung im Sinn, die eine hohe Lagerdichte, kurze Zugriffszeiten, maximale Bestandstransparenz sowie eine einfache und ergonomische Bedienung ermöglicht“, beschreibt Datko die Anforderungen. „Daher war uns schnell klar, dass ein automatisches Hochregallager für uns die beste Option ist.“ Die folgende Ausschreibung entschied das Unternehmen Kasto Maschinenbau für sich. „In unserem bestehenden Lager hatten wir schon eine kleinere Kasto-Anlage mit etwa 1.000 Lagerplätzen im Einsatz“, erläutert Datko. „Dadurch bestand bereits ein guter Kontakt.“ Für dieses Projekt musste der Lagertechnik-Anbieter jedoch in ganz anderen Dimensionen planen.

Das RBG transportiert die Kassette in ein passendes freies Lagerfach. Um die Korrosionsgefahr zu minimieren, ist das Lager in drei unterschiedliche Bereiche gegliedert.

Kasto realisierte für das neue Zentrallager von Benteler ein Wabenlagersystem vom Typ Unicompact 3.5. Mit 120 Metern Länge, 25 Metern Höhe, 15.000 Quadratmetern Lagerfläche und 10.000 Systemkassetten ist dieses das größte Rohrlager in ganz Europa – und damit für beide Seiten ein echtes Vorzeigeobjekt. 15.000 Tonnen Material mit bis zu acht Metern Länge finden darin Platz. Aufbewahrt werden die Rohre in Kassetten, die ein Gewicht von bis zu 3,5 Tonnen tragen. Herzstück des Lagers sind zwei Regalbediengeräte (RBG) in Portalbauweise, die jede Kassette auf Knopfdruck vollautomatisch ein- und auslagern. Mit diesem Ware-zum-Mann-Prinzip lassen sich Aufträge schnell und ergonomisch abwickeln.

Über eine von zehn Auslagerstationen gelangt das Material entweder zu den Bearbeitungsmaschinen oder wird gleich für den Versand kommissioniert.

Die Hochregalanlage ist perfekt in einen durchgängigen Materialfluss eingebunden: Auf der Längsseite befinden sich drei Einlagerstationen, die die Lieferanten direkt mit dem Lkw anfahren können. Zum Handling des angelieferten Materials stehen zwei Deckenkrane zur Verfügung. Damit befördern die Mitarbeiter die Rohre in die Systemkassetten, die anschließend von den RBG in ein passendes freies Lagerfach transportiert werden. „Unser Lager ist in drei unterschiedliche Bereiche gegliedert“, erklärt Datko. „Das liegt daran, dass Edelstähle und Kohlenstoffstähle wegen Korrosionsgefahr nicht direkt beieinander gelagert werden dürfen.“ Die intelligente Lagerverwaltungs-Software Kasto lvr sorgt dafür, dass jedes Material im dafür vorgesehenen Bereich landet. Zudem ermöglicht sie Benteler jederzeit den Überblick über Position und Inhalt jeder einzelnen Kassette.

Nahtloser Übergang

Auf der gegenüberliegenden Seite des Lagers schließt nahtlos die Produktionshalle an. Über eine von zehn Auslagerstationen gelangt das Material entweder zu den Bearbeitungsmaschinen oder wird gleich für den Versand kommissioniert. „Unser Maschinenpark umfasst Hochleistungs-, Kreis- und Bandsägemaschinen für alle Materialien und Dimensionen, Entgratungsmaschinen, Bündelungsanlagen sowie Horizontalwickler und Schrumpfhaubenanlagen“, zählt Datko auf. Von dort geht es ohne Umwege in den Warenausgang, die Lkws docken direkt an die Halle an. Dieser nahtlose Ablauf verringert die Durchlaufzeiten und die Fehleranfälligkeit deutlich. Auch auf IT-Ebene ist das Lager perfekt eingebunden: Die Kasto-Experten entwickelten dazu eine Schnittstelle zwischen dem Lagerverwaltungssystem und der unternehmensweit eingesetzten Software-Suite von SAP. Um die Einführung zu erleichtern, wurde diese zunächst an der kleineren, bereits bestehenden Anlage getestet.

Im Oktober 2015 ging die Anlage in Betrieb, mittlerweile läuft sie im Dreischichtbetrieb rund um die Uhr. Rund 50 Lkws docken jeden Tag an den Toren des Warenein- und -ausgangs an. Kasto-Mitarbeiter begleiteten den Stahlrohrhändler auch bei der Inbetriebnahme und Anlaufphase und schulten unter anderem die Bediener. Nicht nur deshalb ist man bei Benteler überzeugt, mit dem badischen Lagertechnik-Spezialisten die richtige Entscheidung getroffen zu haben: „Von allen Anbietern hatte Kasto das beste Gesamtpaket aus Qualität, Technologie, Beratung und Service“, betont Geschäftsführer Datko. Bei einer Störung können sich die Techniker per Fernwartung auf die Anlage schalten und für Abhilfe sorgen – und sollte das nicht ausreichen, sind sie auch in kurzer Zeit vor Ort.

Mit dem neuen Lagerzentrum ist Benteler Distribution für die hohen Anforderungen des Stahlmarktes bestens gerüstet: „Wir konnten damit unsere Lieferfähigkeit deutlich erhöhen und die Lieferzeiten verkürzen“, resümiert Christoph Datko. Europaweit liefert das Unternehmen Bestellungen in der Regel innerhalb von 48 Stunden aus, regional sogar in nur 24 Stunden – das schafft zufriedene Kunden. Zudem bietet das System auch für künftiges Wachstum noch Kapazitäten. cs

Logimat, Halle 1 Stand J11

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