Materialfluss-Lösungen

Fluss im Tunnel

Das ist eine Sache für echte Materialfluss-Spezialisten: Ein witterungsunabhängiger Warentransport zwischen weit vonein- ander entfernten Produktions- und Lagerhallen, dazu strengste Baurichtlinien und landschaftsarchitektonische Beschrän- kungen. Eine unterirdische Logistiklösung war die Antwort auf diese Herausforderungen. Realisiert hat sie das Rüthener Unter- nehmen Haro.

Unterirdisch: Die als Tunnellösung realisierte Förderanlage sichert den Warenfluss zwischen Produktions- und Lagerhalle (Foto: Jana Kwiatkowski)

Bekannt für außergewöhnliche Materialfluss-Leistungen ist die Haro-Gruppe. Im vergangenen Jahr führte der Automatisierer zwei Neuheiten in den Markt ein. Zudem werden beständig hauseigene Standardmodule zu kundenorientierten Maßanfertigungen spezifiziert. Ein Beispiel dafür ist eine angetriebene Förderanlage mit zwei Vertikalförderern als Tunnellösung. Herausforderung hierbei: ein witterungsunabhängiger Warentransport zwischen den mehr als hundert Meter voneinander entfernten Produktions- und Lagerhallen. Strengste Baurichtlinien, die von vornherein die Obergeschosshöhe einschränken, galt es ebenso zu berücksichtigen wie bauliche Gestaltungsvorgaben. Landschaftsarchitektonische Anforderungsprofile bestimmen die Freiraumnutzung, schränken Brückenbauten und Überquerungen ein. Die beste aller Optionen: Eine unterirdische Logistiklösung.

Das Unternehmen UMA Schreibgeräte Ullmann gilt als zweitgrößter Schreibgeräte-Hersteller auf dem europäischen Werbeartikelmarkt. Es hat 2009 damit begonnen, seinen gesamten Warenfluss zu automatisieren. Nach intensiven Planungsgesprächen haben die Ingenieure von Haro eine passgenaue Förderstrecke entwickelt, die verschiedene Ebenen und weit entfernte Auf- und Abgabepunkte miteinander verbindet und bis zu 500 Paletten täglich im Hauptfluss und Rücklauf transportiert.
Das Fördergut kann an allen drei Aufgabestationen multipel durch Handhubwagen, Ameise oder Stapler bestückt werden. Gesteuert wird der automatisierte Warenfluss durch Lichtschrankensensoren mit unterschiedlichen Reichweiten und Eigenschaften für eine sichere Verteilung auf den verschiedenen Ebenen. Installierte Pufferzonen im Auf- und Abgabebereich regulieren temporäre Stoßzeiten und optimieren damit den Arbeitsfluss. Die komplexe Anlage ist zunächst als Reversierstrecke konzipiert und kann jederzeit um eine zweite Linie (Doppelstrecke) erweitert werden.

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Gut geschleust

Die Lagerfläche von 3.200 m2 wird etagenweise in Hochregal- und Kommissionierlager unterteilt. Beide Ebenen verfügen über höhenangepasste gerade Aufgabepunkte, die von motorgetriebenen Flurförderzeugen mit Euro- und Düsseldorfer Paletten von bis zu 990 kg bestückt werden. Fördergüter werden über einen Drehtisch zum vollautomatischen Vertikalförderer transportiert. Da sich Ein- und Auslauf auf der gleichen Seite befinden, wird das Stückgut vom Vertikalförderer in U-Richtung aufgenommen und ins Untergeschoss auf die anschließende Förderstrecke gegeben. Eingebaute Höhenkontrollen mittels Lichtschranken sichern den gefahrlosen Transport der Fracht durch den nur zwei Meter hohen Tunnel. Einmal auf die Rollenbahn abgestellt, steuern zahlreiche Lichtschrankensensoren die verschiedenen Paletten reibungslos in Richtung Produktionshalle. Da sich der Abgabepunkt oberhalb des Tunnels befindet, ist eine Beförderung über zwei Ebenen nötig. Diese Aufgabe übernimmt ein zweiter Vertikalförderer des Unternehmens – hier in Z-Richtung – da Ein- und Auslauf entgegengesetzt angeordnet sind. Die zusätzlich erforderliche thermische und sicherheitstechnische Trennung erfolgt durch eine Umhausung der Anbindungsstelle.

Die Lösung erfüllt alle Anforderungen und bietet noch einen Zusatznutzen: So wurde die Steuerung der ganzen Strecke mit einem Reversierbetrieb ausgestattet, wodurch die Hauptstrecke zusätzlich als Pufferzone dient, aber auch Waren ins Lager zurück transportiert werden können. Die Pufferung der Paletten erfolgt dabei nach dem Blockstauprinzip. Die Tunnellösung zur Optimierung des innerbetrieblichen Warenflusses basiert auf der Implementierung der beiden Vertikalförderer in stabiler Stahlkonstruktion. Hierbei sind die vier Tragketten besonders hervorzuheben, die den Vertikalförderern des Unternehmens ihre besondere Note und die siebenfache Sicherheitsreserve verleihen.

Seit drei Jahren sind Vertikalförderer ein echtes Erfolgsprodukt. Auch deshalb, weil die Nutzlasten von bis zu 3000 kg um das Dreifache gesteigert werden können, wenn die Sicherheitsbremseinrichtung ebenso wie die Vier-Ständer-Bauweise in massiver Stahlbauweise gefertigt sind. Je nach Erfordernissen werden der richtige Nutzlast- und Transport-Typ ausgewählt, die spezifische Ausstattung mit Aufbauelementen konzipiert und gefertigt. Acht verschiedene Ausführungen stehen für unterschiedliche Gewichtsklassen zur Verfügung, können bis zu acht Gebäude-Etagen verbinden und bis zu 120 Euro-Paletten oder Gitterboxen pro Stunde befördern. Aber auch großvolumige Vertikalförderer können in Förderanlagen integriert sein, wodurch zum Beispiel auch schwere Schüttgut-Container nahezu grenzenlos in die Höhe transportiert werden können. Die integrierten Förderer auf den vollautomatisch angesteuerten Ebenen erledigen Transportaufträge und schaffen gleichzeitig wertvolle Pufferflächen, so dass der Bediener seinem Arbeitsrhythmus angepasst Ware abholen kann, während an der anderen Streckenseite weiter aufgegeben wird. ms

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