Industriekrane

Ohne Rucken und Zucken

Immer wenn schwere Lasten feinfühlig zu bewegen sind, schlägt die Stunde der Kranbauer. In Thüringen sind es mächtige Flugzeug-Triebwerke, die an Brücken- und Hängekranen von Stahl Crane Systems den Materialfluss des Überholzentrums von Lufthansa und Rolls Royce durchlaufen.

Power am Haken: Ein Triebwerk während der „Entkleidung“ nicht-modularer Teile.

Zwei Global Playern der Luftfahrt begegnen wir in diesem Beitrag: Da ist zum Einen die Lufthansa Technik AG. Sie gilt als Weltmarktführer in Sachen Wartung, Überholung und Reparatur von Flugzeugen, ihren Triebwerken und Komponenten. Dabei betreut das Unternehmen nicht nur die Jets der eigenen Flotte, sondern bedient auch viele andere Airline-Kunden. Zum Zweiten ist da Rolls-Royce, einer der weltweit führenden Anbieter von Antriebssystemen für Land-, Wasser- und Luftfahrzeuge. Die deutsche Tochter des Unternehmens ist hierzulande an den zwei Standorten Dahlewitz bei Berlin und Oberursel bei Frankfurt am Main anzutreffen.

Nun geschah es bereits im Februar 2003, dass diese beiden Global Player der Luftfahrttechnik ein Joint Venture gründeten und ihm den Namen N3 Engine Overhaul gaben. Ziel war es, im April 2007 im thüringischen Arnstadt die technische Betreuung der modernen Trent-Triebwerke für die Airbus-Langstreckenflugzeuge A330, A340 und A380 anzusiedeln. Und so kam es dann auch: Der erste Spatenstich erfolge im Februar 2006 und nach nur einem Jahr Bauzeit war ein hochmoderner Instandhaltungsbetrieb mit einer 25.000 Quadratmeter großen Halle und dem derzeit weltweit größten Triebwerksprüfstand bezugsfertig. Rund 100 Millionen Euro hatten die Unternehmen bis dahin investiert. Seit dem April letzten Jahres ist das N3-Werk in Aktion – und sprüht förmlich vor Kompetenz und Know-How. Das gilt nicht nur für die Mitarbeiter, sondern für das ganze Werk. Bei Bau und technischer Ausstattung orientierte man sich an bestehenden Werken in Singapur, Hongkong und Derby; Experten der Lufthansa Technik AG optimierten das Layout der Werkshalle. Die drei Werksgebäude – Verwaltung, Werkshalle und Prüfstand – wurden nach neusten architektonischen und produktionstechnischen Konzepten geplant und errichtet.

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Bei alledem und speziell im Rahmen der Materialfluss-Konzeption spielen moderne Krananlagen mit Traglasten von 500 bis 12.500 Kilogramm eine wichtige Rolle. Sie transportieren die wertvollen Triebwerke und deren Einzelteile an jeden gewünschten Ort. Die gesamte Kran-Grundausrüstung, die im Zusammenhang mit dem Bauwerk von der leitenden Baufirma Max Bögl ausgeschrieben worden war, stammt von Stahl Crane Systems.

Insgesamt installierten die Monteure 30 Krane des Künzelauer Kranbauers. Dabei handelt es sich um neun Einträger-Brückenkrane sowie 21 Einträger-Hängekrane. Alle Krane sind mit Frequenzumrichter gesteuerten Antrieben ausgestattet. So lassen sich die empfindlichen Triebwerksteile sehr langsam und relativ pendelfrei bewegen. Zum Einsatz kommen Seilzüge der Serien SHF 30 bis SHF 60. Einige der Hubwerke wurden speziell ohne Hakenlast-Wanderung ausgeführt. Ein kurzer Blick in den Materialfluss-Prozess verdeutlicht die praktischen Aufgaben der Krane: Nach der Anlieferung bei N3 wird das Triebwerk zunächst auf einem Demontagestand platziert. Vor Beginn der Arbeiten erfolgt eine gründliche Eingangsprüfung inklusive einer Endoskopie-Untersuchung, um mögliche verdeckte Beschädigungen festzustellen. Die Demontage beginnt mit der Entfernung nicht-modularer Teile. Das sind etwa Rohrleitungen oder das sogenannte Modul 31, bestehend aus Fan und Fancase. Anschließend wird das Triebwerk mit dem Kran in die vertikale Position gebracht und in seine weiteren fünf Module zerlegt wird.

Bei der vertikalen Positionierung der Triebwerke für die Montage und Demontage wird die Schwerkraft genutzt. Das ermöglicht eine maximale Effizienz bei der Triebwerksüberholung. Die einzelnen Module werden in die Modulzerlegungszellen transportiert und dort weiter demontiert. Besonders bei der Drehung der Triebwerke machen sich die Krane mit zwei Katzen und separaten Meisterschaltern für die einzelnen Hubwerke des Krans bezahlt. Sie ermöglichen eine ruckfreie und feinfühlige Drehung, sodass keine Beschädigungen der Triebwerke eintreten können. Auf Wunsch des Bauherrn verfügen alle der 30 Krane über solche Funkfernsteuerungen mit Meisterschalter.

Wie zu erfahren war, arbeiten alle 30 Krane seit der Inbetriebnahme der Anlage von nunmehr gut anderthalb Jahren problemlos und zur vollsten Zufriedenheit der N3-Techniker. ms

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