Flurförderzeuge, Robotersysteme

Es liegt was in der Luft

In Kaufhäusern und auf Skipisten haben funkende Etiketten ihren Siegeszug schon längst angetreten. In der Industrie fehlte es bislang an handfesten Anwendungen für die RFID-Technik (Radio Frequency Identification). Das soll sich nun nach dem Willen eines Industriekonsortiums ändern.

Auch wenn RFID für viele noch nach geheimnisvoller High-tech klingt, haben doch die Meisten die Radio Frequency Identification schon hautnah erlebt. Vielleicht beim Passieren von Türchen am Skilift, die sich wie von Zauberhand öffnen wenn der Skipass in die Nähe kommt oder per Warnsirene am Kaufhausausgang, wenn das Funketikett nicht entfernt wurde. Auch in vielen Logistikbereichen hat die Technik bereits Einzug gehalten. In der Industrie konnte sich RFID bislang nicht auf breiter Basis durchsetzen, obwohl Fachleute der Technik seit Jahren viel Potenzial bescheinigen. Bislang fehlten schlichtweg sinnvolle, funktionierende Anwendungen, die den Investitionsaufwand rechtfertigen sowie technische Standards.

Das soll sich nun mithilfe des Forschungsprojekt Identprolog ändern. Ein Konsortium, bestehend aus Logistikspezialisten, Flurförderzeug- und Elektronikherstellern sowie Instituten und ein Roboterhersteller, will die Praxisreife erkunden und branchenübergreifende Standards für den RFID-Einsatz in der Industrie setzen. Es geht vor allem um das Erarbeiten von Basistechnologien für die RFID-Kommunikation zwischen Gabelstapler und Ladungsträgern. Hier soll die Effizienz im industriellen Materialfluss steigen. Dafür sollen die bereits vorhandenen Standardladungsträger zu einer „intelligenten“ und kommunikationsfähigen Europalette weiterentwickelt und die zum Transport eingesetzten Flurförderzeuge wie Gabelstapler mit entsprechender Identifikationstechnik ausgestattet werden. Zukünftig transportieren Flurförderzeuge damit nicht mehr nur Material, sondern sind auch Informationsträger. Durch die geplante Standardisierung der wesentlichen Elemente sei eine universelle Einsetzbarkeit auch über Unternehmensgrenzen hinweg sichergestellt. Der RFID-Einsatz soll zu deutlich größerer Flexibilität, Zuverlässigkeit und Schnelligkeit führen.

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Das intelligente Flurförderzeug

Nun hat das Projekt die entscheidende Stufe – den Praxistest in einem Industrieunternehmen – erreicht. Der Staplerhersteller Still hat kürzlich das erste Fahrzeug zum Piloteinsatz an Kuka Roboter ausgeliefert. Dort soll die Alltagstauglichkeit unter Produktionsbedingungen nachgewiesen werden. Dieser Test mit einem Elektrogabelstapler vom Typ Still RX 20-20 läuft stufenweise bis 2009. Neben innovativer RFID-Technik ist dieser Stapler mit einem Zusatzsteuergerät ausgestattet, das durch Auswertung vorhandener Fahrzeugzustandsdaten den aktuellen Status des Fahrzeugs im Logistikprozess wie etwa Lastaufnahme oder Lagerplatzanfahrt erkennt. Mit dieser Zusatzintelligenz ist es möglich, Fehllesungen und die Interferenzen mehrerer RFID-Systeme in einer Logistik-Umgebung untereinander zu vermeiden und damit die Warenbuchungsvorgänge vollständig zu automatisieren. Der Stapler kann mit seiner RFID-Antenne zeitgleich mit dem Transport der Ware den an der Ladungseinheit befestigten Transponder lesen und auch beschreiben. Zusätzlich besteht über Transponder am Lagerplatz die Möglichkeit zur Identifikation von Aufnahme- oder Abgabeort. Auf diese Weise entfallen alle manuellen Eingaben des Fahrers zur Erfassung, Dokumentation sowie zur Bestätigung der Warenbewegung. Entsprechend steigt die Zuverlässigkeit der Informationsweitergabe sowie die Umschlagleistung.

Mithilfe dieses neuen Konzeptes wird das Transportmittel Flurförderzeug mittels RFID-Technologie vollständig in den Informationsfluss integriert. Zu jedem Zeitpunkt ist eine komplette Übersicht über alle Vorgänge im Lager gegeben.

Durch die Ausstattung des Flurförderzeugs mit RFID-Technologie wird ein mobiles RFID-Gate geschaffen, das bei jedem Umschlagsprozess die Information in Realzeit über die Veränderung der Lagersituation an das Lagerverwaltungssystem online weitergibt. So wird das Flurförderzeug zum direkten Koppelelement zwischen Waren- und Informationsfluss.

Grundsätzlich entsteht so ein neuer automatisierter und standardisierter Prozess in der Produktionslogistik. Er spart nicht nur Zeit und Kosten, sondern erhöht zudem die Prozesssicherheit und ermöglicht die Warenverfolgung firmenübergreifend über die gesamte Supply-Chain. In diesem Sinne ist der Testlauf bei Kuka von großem Interesse für die gesamte Branche.

Stefan Graf / graf@hoppenstedt.de

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