Hebetechnik, Krankomponenten

Wenn es eng wird

In vielen Produktionslandschaften sind Krane wichtige Kompo- nenten des innerbetrieblichen Materialflusses. In einigen Branchen geht es gar nicht ohne sie. Beispielsweise in Betrieben der galvanischen Industrie, wo sie die verschiedenen Prozess- stufen der Metallveredelung logistisch verknüpfen. So kürzlich geschehen in Fürth, wo das Problem der beengten Platzverhält- nisse mit einer Kran-Sonderkonstruktion gelöst wurde.

Sichert den Materialfluss in der Metallveredelung: Kranbau-Sonderlösung mit höhenreduziertem Hängekrankopf- träger, individuell angepasstem Doppelkettenzug und angeschrägter Kranbrücke.

Dampfschwaden steigen zur Hallendecke. Langsam hebt sich ein Korb aus der siedenden Flüssigkeit. Kurz verweilt er über Becken Nummer 14, bevor ihn der Kettenzug über Becken Nummer 15 wieder absenkt. „Das muss schnell gehen, sonst fängt das Material an zu oxidieren“, erklärt der Mann mit der Kransteuerung in der Hand. Mit einem Blick auf die roten Digitalziffern der Wanduhr eilt er einige Meter weiter, hebt auch dort einen dampfenden Korb voll metallisch glänzender Werkstücke hinüber in das nächste Becken. „Entfettungsspüle alkalisch“, steht auf einem Etikett am Beckenrand. „Schwefelsäure“, „Beizspüle“, „Brünierbad“ auf den anderen.

Burgfarrnbach ist ein Stadtteil von Fürth. Hier hat das Unternehmen Karl Kampka, ein Betrieb zur chemischen Oberflächenbehandlung, seinen Firmensitz. Das Unternehmen betreibt drei Anlagen zur Metallveredelung. Die neueste wurde im Mai 2011 installiert. Unter erschwerten Bedingungen: Das Kranportal der neuen Anlage musste unter das niedrige Tonnendach der kleinen Nebenhalle eingepasst werden – da war kaum Spielraum für den Stahl- und Kranbauer Oeder, der den Kran konstruierte. „Knifflige Projekte mit anspruchsvoller Statik wie dieses hier sind unsere Spezialität“, erklärt aber Rudolf Lang, Mitglied der Geschäftsleitung von Oeder. „Immer, wenn es eng wird, sind unsere Konstrukteure gefragt“, sagt er.
„Seit ich hier im Betrieb bin, hatten wir jedes Jahr Wachstumsraten von zehn bis zwanzig Prozent“, berichtet Michael Schmid, einer der Geschäftsleiter von Karl Kampka. Um die steigende Nachfrage nach veredelten Metallen befriedigen zu können, wurde die Produktion immer wieder erweitert; die letzte große Investition liegt gerade einmal vier Jahre zurück. 2008 baute die Firma ihre bislang größte und eine wohl bundesweit einzigartige Brünieranlage mit 22 Becken.

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Jeder Zentimeter zählt

In dem schmalen Gang neben der Anlage stehen Paletten mit Kundenteilen und Körbe voller Werkstücke. Die Streben des Kranportals reichen bis knapp unter die Decke – hier zählt jeder Zentimeter. Noch enger wurde es in der kleinen Nebenhalle, in der bis vor wenigen Monaten noch die alte Phosphatieranlage stand. „Die neue Anlage sollte so eng wie möglich an die Wand, damit wir später noch Platz für neue Projekte haben“, sagt Michael Schmid. Aufgrund des gewölbten Tonnendachs war das keine einfache Aufgabe, weil der Kran eine bestimmte Hubhöhe benötigt, um die Werkstückkörbe sicher von einem Becken in das nächste befördern zu können. „Die einzige Möglichkeit, den Kran nahe an die Wand zu bekommen und trotzdem die erforderliche Hubhöhe zu erreichen, bestand darin, das Kranportal anzuschrägen. Das ist zwar von der statischen Berechnung etwas kniffliger, doch mit solchen Projekten kennen wir uns aus“, sagt Rudolf Lang. Möglich wurde diese Sonderkonstruktion schließlich durch eigens entwickelte, höhenreduzierte Krankopfträger und den Einsatz der platzsparenden STD50 Doppelkettenzüge von Stahl Crane Systems. Der süddeutsche Spezialist für Hebetechnik und Krankomponenten lieferte zudem die Fahrantriebe sowie die zusätzlichen Hilfshubwerke, mit denen große Einzelstücke auch ohne Korb durch den Veredelungsprozess befördert werden können. „Die Hebezeuge von Stahl Crane Systems eignen sich perfekt für unsere Arbeit“, berichtet Rudolf Lang. „Wir haben hier ein hochwertiges Basisprodukt, das wir je nach Anforderung für unsere Zwecke anpassen können“, sagt er.

Michael Schmid erwartet, dass er mit der neuen Anlage seinen Durchsatz in der Phosphatierung verdoppeln wird. Doch die Modernisierung hatte noch andere Gründe: Auch Umwelt, Arbeitssicherheit und Qualität spielten eine Rolle. Vor einigen Wochen konnten die Rezertifizierung nach ISO 9001 und die Audits für die Umweltzertifizierung nach ISO 14001 erfolgreich durchgeführt werden, von der sich Schmid weitere Vorteile bei seinen Kunden verspricht. Zudem ist die Anlage für die Automatisierung vorbereitet, die von immer mehr Kunden gefordert wird und auf die Kampka in naher Zukunft umstellen will. „Durch die Modernisierung haben wir jetzt drei moderne Anlagen; das sollte für die nächsten zehn bis 15 Jahre reichen“, meint Schmid. Was ihn nicht davon abhält, sich bereits nach neuen Oberflächen-Beschichtungen und Veredelungen umzuschauen, die er in Zukunft anbieten will. „Neben der neuen Phosphatierung ist jetzt ja noch Platz für eine vierte Anlage, wenn auch nicht mehr viel“, sagt Schmid. Kranbauer Lang bleibt da gelassen. Mit Kranen in beengten Verhältnissen kennt er sich schließlich aus. ms

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