Märkte + Unternehmen

ZVEI: Elektroindustrie in gesunder Verfassung

Die deutsche Elektroindustrie sieht sich weiterhin auf einem soliden Wachstumspfad. In diesem Jahr ist er allerdings durch das sich verlangsamende Wachstum von Welthandel und Weltwirtschaft sowie insbesondere durch die Schuldenkrise in der Euro-Zone etwas holprig. "Der ZVEI rechnet in seiner jüngsten Prognose für 2012 mit einem preisbereinigten Produktionswachstum von ein bis zwei Prozent", sagte ZVEI-Chefvolkswirt Dr. Andreas Gontermann. "Der Branchenumsatz dürfte sich angesichts stabiler Preise bis Ende des Jahres auf rund 180 Milliarden Euro belaufen."

Die durch die Euro-Schuldenkrise eingetrübte Stimmung und hervorgerufene Verunsicherung und die damit verbundene Investitionszurückhaltung schlagen sich derzeit vor allem in den Exportzahlen nieder. Die Elektro-Ausfuhren sind im ersten Halbjahr 2012 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum zwar noch um vier Prozent auf 78,4 Milliarden Euro gestiegen. Allerdings zeigen sich große regionale Differenzen. Während die Exporte zwischen Januar und Juni dieses Jahres in die USA um neun Prozent auf 6,4 Milliarden Euro und nach Japan um 22 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro zugelegt haben, gingen die Ausfuhren in die Euro-Zone um drei Prozent auf 25,2 Milliarden Euro zurück. Die Branchenexporte nach Italien sanken um neun Prozent auf 4,3 Milliarden Euro, die nach Spanien um acht Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. "Auch unsere Ausfuhren nach China sind im ersten Halbjahr 2012 um drei Prozent auf 5,7 Milliarden Euro gesunken", so Gontermann.

Anzeige

Seit April 2010 hat die deutsche Elektroindustrie insgesamt 42.000 neue Stellen geschaffen. Die Zahl der Branchenbeschäftigten beträgt aktuell 842.000. Sowohl die Kapazitätsauslastung mit 83,5 Prozent der betriebsüblichen Vollauslastung als auch die Auftragsbestände mit einer Reichweite von 2,7 Monaten liegen weiter leicht über ihren langjährigen Durchschnittswerten. Die wichtigsten Stimmungsindikatoren wie Lagebeurteilung, allgemeine Geschäfts- und Exporterwartungen sowie Produktionspläne haben sich zwar in den vergangenen Monaten sukzessive abgeschwächt, mehrheitlich befinden sie sich aber noch im positiven Bereich.

"Unberührt von der aktuellen konjunkturellen Entwicklung bleiben die langfristigen Wachstumsaussichten der Branche aufgrund ihrer Innovationsstärke und betriebswirtschaftlich sehr gesunden Verfassung ungebrochen", sagte Gontermann. Zwischen 1995 und dem Vor-Krisen-Jahr 2008 ist die Elektroproduktion im Mittel um fünf Prozent pro Jahr gewachsen. "Auf diesen Pfad dürfte die Elektroindustrie mittelfristig zurückkommen." Die durchschnittliche Eigenkapitalquote der Elektrounternehmen beträgt fast 40 Prozent. Mit ihren Technologien bietet die Elektroindustrie Lösungen für zahlreiche nationale wie internationale gesellschaftliche Herausforderungen. Zu nennen sind hier Klimaschutz, Energie- und Ressourceneffizienz, die Bewältigung der Energiewende, neue (Elektro-)Mobilitätskonzepte, Sicherheit oder der weltweite Auf- und Ausbau von Infrastrukturen bei Energie, Gesundheit und Verkehr.

Die strategische Stellung der deutschen Elektroindustrie zeigt sich auch darin, dass sie eine Wertschöpfungsquote von 38 Prozent hat, die im Branchenvergleich höchste Quote. Ein Drittel aller Innovationen in der gesamten Industrie geht auf ihre Impulse zurück, so dass sie die industrielle Wertschöpfung insgesamt treibt. Die Elektroindustrie ist zudem die Schlüsselindustrie auf dem Weg zur - von eingebetteten Systemen und Internettechnologien getriebenen - "Vierten Industriellen Revolution". Hier wachsen technische Prozesse mit Geschäftsprozessen zur 'Industrie 4.0' zusammen. kf

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige