Verbindungstechnik

"Zu wenig genutzt"

Rein äußerlich haben sich Schrauben in den letzten Jahren kaum verändert – doch das täuscht. Bei Arnold Umformtechnik liegt der Anteil an kundenindividuellen Entwicklungen nahezu bei 100 Prozent. Geschäftsführer Dirk Döllner erläutert Chefredakteur Hajo Stotz im Interview die steigenden Anforderungen an die Verbindungstechnik.

SCOPE: Zur Überwachung der Verschmutzung auf Bauteiloberflächen hat Arnold Umformtechnik ein Projekt namens Cleancon gestartet, das Partikelgröße von

Döllner: In vielen Anwendungsbereichen von Verbindungselementen und Kaltumformteilen steht die Erhöhung der Leistungsdichte im Vordergrund der Entwicklungen. Ursachen hierfür liegen neben dem Wunsch nach höherer Leistung und mehr Komfort zu bieten auch in der ökologischen Notwendigkeit Gewicht zu reduzieren. Mit der Erhöhung der Leistungsdichte geht jedoch eine erhöhte Anfälligkeit von elektronischen, pneumatischen, hydraulischen und mechanischen Systemen hinsichtlich Verunreinigungen einher. Oftmals wird hierdurch sogar die Grenze des realisierbaren gesteckt. Partikel führen z.B. bei Elektronikkomponenten zu Kurzschlüssen und Blindströmen, bei hydraulischen Systemen zu Störungen in der Strömungsdynamik und Steuerungstechnik. Erhöhte Anforderungen in der Automobilindustrie ergeben sich somit in Elektronikbereich, im Kraftstoffsystem und Antriebsstrang. Somit wird klar, dass, wenn die Anforderungen der technischen Sauberkeit nicht gelöst werden können, einer weiteren Miniaturisierung und Erhöhung der Leistungsdichte Grenzen gesetzt werden.

Anzeige

SCOPE: Wie kann Technische Sauberkeit als Produktmerkmal klassifiziert und damit vergleichbar gemacht werden?

Döllner: Mit Cleancon bieten wir unseren Kunden einen ganzheitlichen Ansatz zur Thematik ¿Technischer Sauberkeit¿. Dies fängt damit an, dass die Anforderungen anwendungs-, teile- und montagespezifisch definiert werden und in Konstruktions-, Montage- und Prüfspezifikationen umgesetzt werden. Zur Überprüfung stehen gravimetrische und granologische Verfahren zur Verfügung.

SCOPE: Mit der VDA 19 gibt es doch bereits seit 2005 eine Richtlinie, die die Quantifizierung von fertigungsbedingten Partikelverunreinigungen wie Späne und Staub beschreibt. Warum reicht die Ihrer Meinung nach nicht aus?

Döllner: Sicherlich bietet die VDA 19 einen guten allgemeinen Rahmen hinsichtlich Fragen der ¿Technischen Sauberkeit¿, eine Antwort für die Umsetzung in unterschiedlichen Anwendungsgebieten und Komponenten bleibt jedoch offen. Diese Lücke wollen wir für unser Produktportfolio entsprechend den Anforderungen unserer Kunden schließen. Hierzu wurde bereits eine geeignete Prüfspezifikation erstellt und Herstellungs- und Logistikprozesse erarbeitet.

SCOPE: Ein Problem bei der Schraubenthematik ist die Anforderung nach Chrom-VI-freien Schrauben. Reicht es aus, wenn man in der Schrauben-Produktion diese Anforderungen erfüllt? Oder ist hier nicht die gesamte Logistik- und Prozesskette zu betrachten?

Döllner: Ich sehe in den Anforderungen nach Chrom-VI freien Schrauben kein Problem. Viel mehr ist es die Aufgabe der Industrie sich mit wandelnden Anforderungen und neuen technischen Lösungsansätzen auseinander zu setzen. Richtig ist hierbei das generell die Auswirkungen von Veränderungen in der Gesamten Prozesskette betrachtet werden müssen. Im Übrigen bietet uns jede technische wie auch rechtliche Veränderung die Chancen etwas besser zu machen.

SCOPE: Welche weiteren Trends gibt es in der Verbindungstechnik, mit denen sich Arnold derzeit beschäftigt? Sind Sensorschrauben zum Beispiel ein Thema?

Döllner: Schrauben mit integrierten Sensoren sind derzeitig kein vorrangiges Thema für uns. Ich bin der Auffassung, dass es hier effizienter ist sich mit den Möglichkeiten der Verarbeitungstechnik auseinanderzusetzen. Unsere Kunden sind verstärkt an Themen der rationellen Verarbeitung, Gewichtsreduzierung und Prozessstabilität interessiert. So können wir z.B. mit Tripress einem neuartigen Verbindungssystem ein hohes Interesse feststellen.

SCOPE: Wie hoch ist der Umsatz-Anteil bei Arnold von speziellen, kundenindividuell entwickelten und gefertigten Schrauben?

Döllner: Unser Anteil an kundenindividuellen Entwicklungen liegt nahezu bei 100 %, da auch unsere Markenprodukte sich von Normteilen abheben und speziell auf die Kundenbedürfnisse weiterentwickelt wurden. Sprechen wir von Funktions- und Zeichnungsteilen die nur an einen Kunden geliefert werden, so liegt der Anteil der kundenindividuellen Teile bei ca. 60 %.

SCOPE: Schrauben gibt es seit tausenden von Jahren, und das Angebot an Lösungen ist riesig. Dennoch basiert ein Teil Ihres Geschäftsmodells darauf, kundenindividuelle Schaub- oder Verbindungslösungen zu entwickeln. Warum reichen den Kunden die existierenden Typen nicht oder sogar immer weniger aus?

Döllner: Heutzutage übernehmen die von uns gelieferten Teile mehr und mehr Aufgaben, dass Verbinden und Übertagen von Kräften deckt nur einen Teil dieser Aufgaben ab. Aufgaben wie Lager, Fixieren, Dichten, Kontaktieren, Verstellen usw. sind dazugekommen. Aufgrund dieser vielfältigen Aufgaben können auch nur noch selten Standard und Normprodukte eingesetzt werden. Nur durch individuellen Entwicklung und Anpassungen ist es dann möglich den unterschiedlichsten Aufgaben und Anforderungen gerecht zu werden. Dieses geht soweit, dass bei speziellen Funktionsteilen nur noch die Herstellungsverfahren der Kaltmassivumformung eine gewisse Verwandtheit zur Schraubenproduktion erahnen lässt. Gerade hier drin sehen wir auch die Chance für unsere Zukunft, da unseres Erachtens die europäische Automobilindustrie im Vergleich mit der japanischen Automobilindustrie die Möglichkeit der Kaltmassivumformung noch zu wenig nutzt.

SCOPE: Mit dem Fastener Express liefert Arnold Einzelteile gebrauchsfertige Funktionsteile für den Prototypenbau oder Klein- und Kleinstserien für die Erstbemusterung innerhalb von 24 Stunden. Wie realisieren Sie das und wie kommt dieses Angebot an?

Döllner: Der Arnold Fastener Express ist mehr als ein Instrument mit dem man kurzfristig Sonderteile herstellen kann. Vielmehr handelt es sich dabei um ein Engineering Tool mit dessen Hilfe wir für den Kunden bereits in der Prototypenphase das wirtschaftlich sinnvollste Produktionsverfahren für die später folgende Großserie ermitteln. D.h. wir ermitteln durch einen sogenannten Großseriencheck erst einmal, ob das Teil welches der Konstrukteur gezeichnet hat, in dieser Form kostengünstig als Pressteil herstellbar ist. Gerade in dieser Entwicklungsphase eines Neuteils sind viele Prozesse und Produkte noch im Fluss und können angepasst werden. In der darauf folgenden Phase wird dann das optimierte Neuteil unter seriennahen Bedingungen bereits mit dem Serienwerkstoff hergestellt so dass unser Kunde einbaufertige Teile bekommt mit welche er seine Tests komplett durchführen kann und von denen er weiß, dass er diese später auch in der Großserie mit denselben Features von uns erhalten kann. Der Fastener Express ist ein Service der am Markt gut ankommt, was die steigenden Auftragszahlen beweisen.

SCOPE: Wie hat sich Arnold Umformtechnik in 2007 wirtschaftlich entwickelt und wie sind Ihre Erwartungen für 2008?

Döllner: In den vergangenen Jahren konnten wir unseren Umsatz jährlich im Schnitt um 10% steigern, was sicherlich ein gesundes Wachstum ermöglichte. 2007 stellte da mit 13,7% Umsatzwachstum sicherlich ein überdurchschnittliches Jahr da. Wobei unsere Mittelfristige Planung weiter auf 10 % ausgerichtet ist. Da macht mir in einem einzelnen Jahr ein konjunkturbedingtes etwas geringeres Wachstum wenig Sorge. Ich bin davon überzeugt dass unsere Ausrichtung und unser Handeln auch in den kommenden Jahren ein zweistelliges Wachstum ermöglicht.

SCOPE: Wie sieht Ihre Wachstumsstrategie für die nächsten Jahre aus?

Döllner: Unsere Wachstumsstrategie beruht darauf das Erfolgreiche konsequent weiter zu verfolgen aber auch neue Dinge anzupacken. So wollen wir dass Produktprogramm an Markenprodukten für anspruchsvolle und effektive Verbindungen weiter ausbauen, aber auch die Herstellung von kundespezifischen Teilen beibehalten. Ein überproportionales Wachstum sehen wir in der Entwicklung und Fertigung von Funktionsteilen und kleinen Baugruppen. Neue Dinge werden wir in angrenzenden Prozessfeldern mit Produkten und Dienstleistungen angehen.

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

70 Jahre Hummel

Zum Jubiläum einen Umsatzrekord

Pünktlich zum 70-jährigen Firmenjubiläum verzeichnet Hummel aus Denzlingen einen neuen Umsatzrekord. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Unternehmen 71,5 Millionen Euro Umsatz, eine Steigerung um 12,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

mehr...
Anzeige

Automationslösungen von item

Erweitern Sie Ihr Wissen innerhalb der Automation und erfahren Sie alles rund um Motoren, Getriebe und Steuerungen im Leitfaden von item Industrietechnik.

mehr...
Anzeige
Anzeige

Highlight der Woche

Interessenten können ab sofort auf der Homepage der ACE Stoßdämpfer GmbH die für Ihre Anwendung maßgeschneiderte Gasfeder berechnen und auslegen. Unter ‚Berechnungen' ist das Gasfeder-Berechnungstool auf der Website ace-ace.de zu finden.

Zum Highlight der Woche...
Anzeige
Anzeige

Highlight der Woche

MES macht Schluss mit Stillstand
Die MES-Software von PROXIA unterstützt die Kieselmann GmbH bei der Herstellung von umfangreichen Leitungs- und Ventilsystemen, den Überblick über eine äußerst komplexe Produktion zu behalten. Das MES ermöglicht, die Fertigung wirtschaftlich zu planen und zu organisieren sowie mit sicheren Kennzahlen Effizienzpotentiale aufzudecken und zu nutzen.
Bericht lesen

Zum Highlight der Woche...

Druckschrauben

Druckschrauben von Halder

Maschinen- und Vorrichtungsteile, Spannelemente, Bedienteile und Maschinenelemente – bereits über 10.000 Normalien umfasst das Sortiment des Unternehmens Erwin Halder und es wächst stetig weiter.

mehr...