Verbindungs- und Automatisierungstechnik

Die Liebe gleichmäßig verteilen

Phoenix Contact wird nächstes Jahr 85 Jahre alt. Aus dem 1923 gegründeten 1-Mann-Betrieb ist ein global agierender Konzern mit mehr als 8.400 Mitarbeitern geworden, der noch dieses Jahr den Milliarden-Umsatz überschreiten wird - und dabei den Produktionsstandort Deutschland hochhält. Wie er das macht, erfährt Chefredakteur Hajo Stotz von Geschäftsführer Roland Bent.

Roland Bent, Geschäftsführer Phoenix Contact

„Die kabellose Maschine wird ebenso wenig Realität werden wie das papierlose Büro.“

SCOPE: Herr Bent, in der momentanen Boomphase zu wachsen, gelingt fast jedem Unternehmen. Doch dies seit Jahren auch im Inland und mit starkem Anteil inländischer Produktion gelingt nur wenigen Herstellern. Geben Sie uns ein wenig Einblick in die Hard Facts?

Bent: Mit der Umsatzsteigerung auf über 940 Mio. Euro in 2006 hat sich der Gruppenumsatz in den letzten vier Jahren aus rein organischem Wachstum heraus um rund 60 Prozent erhöht. Zugleich wuchs die Mitarbeiterzahl weltweit um 50 Prozent. Der Anstieg in Deutschland lag bei mehr als 500 Mitarbeitern. Auch für dieses Jahr erwarten wir - neben einer zweistelligen Steigerung in Deutschland - wieder ein stark von den internationalen Märkten getragenes Umsatzwachstum.

SCOPE: Phoenix Contact hat - im Vergleich auch zum Wettbewerb - eine sehr hohe Fertigungstiefe. Was ist der Grund?

Bent: Dieser Punkt ist sehr wichtig für uns. Wir setzen stark auf eine hohe Prozessintegration und Produktionstiefe an unseren Standorten. Wir wollen die Dinge selbst gestalten, beherrschen und verbessern können, die letztendlich unsere Produkte, die Funktionalität, die Qualität und die Kosten bestimmen. Das halten wir für wesentlich. Hier am Standort Blomberg haben wir alle Elemente, um aus Kunststoffgranulat und Metallteilen Klemmen herzustellen und zu liefern: Wir konstruieren unsere eigenen Werkzeuge, produzieren die Spritzgusswerkzeuge hier am Standort, und mit den Werkzeugen dann die Kunststoffteile. Wir haben einen eigenen Maschinenbau für die Gruppe, in dem alle Montagemaschinen hergestellt werden. Wir produzieren Metallteile und haben eine eigene Schraubenproduktion, wo sechs Millionen Schrauben am Tag hergestellt werden. Damit besitzt Phoenix Contact eine sehr enge Verzahnung zwischen Entwicklung, Konstruktion und der Montage. Im Konstruktionsprozess fließt bereits das Montage-Know-How mit ein - Simultanous Engeneering ist bei uns Bestandteil des Entwicklungsprozesses.

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SCOPE: Gilt das auch im Bereich der Elektronikfertigung?

Bent: In der Elektronik ist die Tiefe etwas geringer, wir produzieren abgesehen von Asics keine eigenen Halbleiterelemente und keine Leiterplatten. Aber auch da gilt: Wir haben alle Kompetenzen in der eigenen Hand: die Elektronik-Entwicklung, das notwendige Know-How und die Labore. Zudem verfügen wir über das Know-How zur Kunststoff- und Metallverarbeitung, um aus einer Elektronik-Schaltung ein komplettes Produkt zu machen. Das ist eine unserer Kernkompetenzen. Nicht nur zu wissen, wie man eine Schaltung aufbaut, sondern auch, wie man das ganze ergonomisch und passend für den Kunden macht. Aufgrund dieser Breite gehen wir auch in den Bereich Anwendungen. Wir haben, speziell im Bereich Automatisierung, eine sehr hohe Lösungskompetenz. Das heisst, wir erarbeiten mit unserem Kunden die Lösung für seine Automatisierungsaufgabe. Damit wissen wir aber auch, was der Markt braucht, und das fließt wieder zurück bis in die Verbindungstechnik. Diese sehr enge Verzahnung wirkt sich auf alle Bereiche positiv aus.

SCOPE: Der Ursprung von Phoenix liegt in der Reihenklemme. Bietet dieser Bereich noch Wachstumspotenzial?

Bent: Die Reihenklemme ist heute noch ein gefragtes Produkt. Noch immer gibt es in einigen Weltmärkten andere Techniken, wie etwa in USA und Japan. Da sind also durchaus noch große Felder zur Expansion. Rund 60 Prozent des Umsatzes machen wir heute mit unserer klassischen Verbindungstechnik und 40 Prozent machen wir mit elektronisch orientierten Produkten.

SCOPE: Wie kommt ein Klemmenhersteller dazu, auch Software und Automatisierungskomponenten anzubieten?

Bent: Das macht sehr viel Sinn. Weil es sehr viel Synergie zwischen diesen Bereichen gibt. Es sind die gleichen Kundenkreise, die man anspricht, und das gleiche Umfeld, nämlich die Automatisierung einer Maschine oder Anlage. Die braucht eine Klemme, aber auch eine dezentrale Steuerung oder Software um das Ganze zu managen. Und das Know-How, das wir aus dem Lösungsgeschäft ziehen, befruchtet sehr stark das Komponentengeschäft.

SCOPE: Und wie sieht die Struktur dazu aus, um die verschiedenen Bereiche unter einen Hut zu bringen?

Bent: Die Grundlagen für die heutige Struktur von Phoenix Contact wurden 2002 gelegt und sind auf die Zukunft ausgerichtet. Im Kern gibt es seitdem fünf Geschäftsbereiche, die entsprechend dem Produktprogramm strukturiert sind. Durch die Bildung dieser Geschäftsbereiche haben wir wieder klare Fokussierungen in das Unternehmen bekommen: Marktfokussierung, Produktions- und Kompetenzfokussierung. Die breite Aufstellung ist eine gute Sache zum Markt hin, aber das ganze muss man natürlich auch intern mit den Kompetenzen abdecken. Wenn Sie einen Entwicklungsverantwortlichen haben, der für eine Klemme und für eine Automatisierungssoftware verantwortlich ist, dann ist es nicht immer ganz einfach, die Liebe gleichmäßig zu verteilen. Heute haben wir das hervorragend im Griff.

SCOPE: Sind die Geschäftsbereiche Profitcenter?

Bent: Ja. Das sind Profitcenter innerhalb der Gruppe, die für den Ertrag verantwortlich sind. Die Geschäftsbereiche werden jeweils von einem Geschäftsbereichsleiter geführt, der wie ein selbstständiger Unternehmer agiert. Er ist verantwortlich für die Produktgestaltung, die Entwicklung, die Produktion und die Promotion der Produkte. Das heißt, die Verantwortung für die gesamte Produktverantwortung liegt in dem Geschäftsbereich. Die Geschäftsbereiche liefern ihre Produkte an das Vertriebsnetzwerk, dort findet die entsprechende Bündelung des Angebots statt sowie die Generierung des Angebots an den Kunden.

SCOPE: Und welche Geschäftsbereiche gibt es?

Bent: Wir haben fünf Business-Units. Es gibt je einen Geschäftsbereich für die Reihenklemmen, die Geräteanschlusstechnik und den Überspannungsschutz. In der Interface-Technik haben wir alles zusammengefasst, was rund um die Steuerung benötigt wird, um Signale anzupassen, zu trennen, zu verstärken, mit Energie zu versorgen, Signalkonverter, bis zur Funktechnologie. Und es gibt den Geschäftsbereich Automation-Systems.

SCOPE: Das ist der ehemalige Interbus-Bereich?

Bent: Automation-Systems ist mit dem ersten Feldbus- bzw. Interbus-System Anfang der 80er Jahre entstanden. Daraus haben wir sukzessive ein komplettes, automatisierungstechnisches Produkt-Portfolio aufgebaut. Im Kern steht immer noch die Kommunikation, der Feldbus, aber immer stärker Netzwerktechnik und Ethernet-basierende Systeme. Profinet ist dabei das System auf das wir setzen. Das ist ein sehr starker technologischer Trend. Und er geht auch deutlich in Richtung Integration, einem Thema, bei dem wir ebenfalls sehr aktiv sind. Die Steuerungstechnik rückt immer mehr in das Feld des Interface-Anbieters der wir sind. Deswegen bieten wir heute auch Embedded- und PC-basierende Steuerungen an.

SCOPE: Sie haben aber doch nicht nur Business Units, sondern auch Unternehmen innerhalb der Gruppe, die unter eigener Marke auftreten?

Bent: Ja, das sind Coninvers als Hersteller von Industrie-Rundsteckverbindern und auf der anderen Seite der Automatisierung unsere Tochter KW Software. Beide Firmen waren ursprünglich Zulieferer von Phoenix Contact, die wir übernommen haben. Vor allem bei KW Software spielt dabei eine große Rolle, dass das Unternehmen ein breites Kundenspektrum abdeckt und sehr eigenständig am Markt operiert.

SCOPE: Neben Übernahmen gehen Sie, so unser Eindruck, auch verstärkt Kooperationen ein?

Bent: Wir müssen heute mit den Innovationen immer schneller werden, und manchmal muss man auf vorhandenes Know-How zurückgreifen, damit der Markt nicht davonläuft. Deshalb gehen wir einerseits Beteiligungen ein, um unsere Strategie abzusichern, wie mit der Firma Sütron im Bereich Bedienen und beobachten, oder Ads-Tec im Bereich Industrie-PCs, oder KW-Software als heute 100-prozentige Tochter. Die andere Möglichkeit sind eben strategische Partnerschaften wie wir sie etwa im April mit Inominate, einem Berliner Security-Spezialisten, vereinbart haben. Ziel ist hier, dem industriellen Anwender eine gesicherte Kommunikationslösung zur Verfügung zu stellen.

SCOPE: Phoenix Contact scheut aber auch nicht vor Kooperationen mit Wettbewerbern wie Harting oder Siemens zurück?

Bent: Wenn beide Seiten davon profitieren können, warum nicht? Mit Harting entwickeln wir eine Erweiterung der Steckverbinder-Technologie für Profinet-Netzwerke gemeinsam. Aber jeder Partner wird das Produktprogramm in eigener Verantwortung vermarkten. Mit Siemens hat Phoenix Contact im Bereich Reihenklemmen bereits seit 2005 eine strategische Partnerschaft, in der wir die Produktion und die Weiterentwicklung des Reihenklemmenprogramms für Siemens übernommen haben. Die Fertigungskapazitäten von Siemens für Reihenklemmen in Griechenland wurden in diesem Zuge von uns übernommen. Siemens bezieht heute Reihenklemmen- und Überspannungsschutzprodukte, die unter Siemens-Label vertrieben werden, exklusiv bei Phoenix Contact.

SCOPE: Phoenix Contact unternahm Anfang der 80er Jahre die ersten Schritte ins Ausland. Wie sind Sie heute weltweit präsent?

Bent: Die ersten Tochterunternehmen gründeten wir in der Schweiz, Schweden und den USA. Inzwischen sind es weltweit mehr als 40 eigene Vertriebstochterunternehmen und rund 25 Repräsentanten. Und wir gehen weiter in neue Märkte, vor allem in Asien und Osteuropa. In den vergangenen fünf Jahren wurden 15 neue internationale Vertriebsgesellschaften gegründet. Das größte Wachstumspotenzial bietet Südostasien, wir sehen aber auch sehr gute Möglichkeiten im osteuropäischen Markt.

SCOPE: Und wie schlägt sich das aktuell in der Umsatzverteilung und ¿wachstum nieder?

Bent: Signifikante Wachstumsbeiträge kommen aus etablierten Märkten wie USA und China, zugleich aber immer stärker aus aufstrebenden Märkten wie Indien und Russland. 65 Prozent unseres Umsatzes sind heute internationales Geschäft, mit weiter steigender Tendenz. Davon hat der asiatische Markt heute mit rund 15 Prozent einen steigenden Anteil.

SCOPE: Wurde die Internationalisierung durch eine gezielte Strategie begleitet?

Bent: Seit Mitte 2004 hat das Unternehmen durch entsprechende Prozesse damit begonnen, die Erfolgsfaktoren konsequent zu internationalisieren. Das Ziel ist eine transnationale Unternehmensstruktur, in der wesentliche Kern- und Supportprozesse nicht nur in der Zentrale, sondern auch an dezentralen Standorten weltweit etabliert sind. Phoenix Contact setzt außerdem auf eine hohe Eigenkompetenz in allen wichtigen Kernprozessen sowie auf eine hohe Integration dieser Prozesse, aus der sich Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit schöpfen lassen.

SCOPE: Der größte Teil Ihrer Produktion findet in Deutschland statt. Wie sieht hier die Strategie aus? Investieren Sie weiterhin in den Standort Deutschland?

Bent: Wir investieren nicht nur, aber auch in Deutschland sehr kräftig. Nehmen wir als Beispiel unseren Standort in Bad Pyrmont, der 1994 gegründet wurde. Seitdem wurde die Produktionsfläche fast verdreifacht, derzeit sind wir gerade in der letzten Bauphase für unser "Innovationszentrum Elektronik". Das ist ein fünfgeschossiges Bauwerk mit einer Gesamtfläche von 15.000 qm, in den ab Oktober 2007 die Abteilungen Entwicklung, Marketing und Vertrieb der Elektronik-Geschäftsbereiche vom Stammsitz in Blomberg umziehen. Das Gebäude bietet darüber hinaus Platz für Schulungsräume, ein Auditorium sowie eine Kantine. Die Investitionen haben einen Umfang von mehr als 16 Mio. Euro.

SCOPE: Wie viele Mitarbeiter sind in Bad Pyrmont beschäftigt?

Bent: Das sind ab Oktober dann rund 900. Wir haben dort derzeit die Produktion aller Elektronikbaugruppen und inzwischen auch die Entwicklung des Geschäftsbereichs Automatisierungstechnik mit rund 100 Mitarbeitern angesiedelt. Hintergrund ist auch hier der Gedanke, die Prozesskette zwischen Entwicklung und Produktion stärker zu integrieren.

SCOPE: Welche Bedeutung hat heute die internationale Produktion?

Bent: Neben der Technologie und der Internationalisierung war die internationale Produktion für Phoenix Contact eine wichtige Zäsur. Einer der Schwerpunkte ist nach wie vor USA, wo wir seit Anfang der 80er präsent sind und auch seit vielen Jahren produzieren, aber nur Produkte für die nordamerikanischen Märkte. Die USA sind ja nicht gerade ein Niedriglohn-Standort. Dort geht es darum, mit der Produktion nahe beim Kunden zu sein, um flexibel auf seine Bedürfnisse reagieren zu können. Der Schwerpunkt liegt auf kundenspezifischer Elektronik, Interface-Technologien, Anpassungs-Bausteinen.

SCOPE: Und welche Bedeutung hat der chinesische Produktionsstandort?

Bent: In China sind wir seit 1994 mit einem Joint-Venture aktiv, an dem wir heute einen Anteil von 95 Prozent haben. Von Beginn an haben wir in China neben der vertrieblichen Präsenz auch die Produktion aufgebaut. Inzwischen haben wir in China rund 700 Mitarbeiter, wovon etwa 500 in der Produktion und der Rest im Vertrieb tätig sind. 60 Prozent der Produkte, die wir in China verkaufen, werden dort produziert. Wir sind mit unserem gesamten Programm am Markt, der Schwerpunkt orientiert sich aber natürlich nach dem Bedarf. Reihenklemmen sind dort beispielsweise sehr gefragt. Wir beliefern aus China heraus auch andere südostasiatische Märkte. Aktuell verstärken wir zudem das internationale Produktions-Netzwerk durch den Ausbau der Kapazitäten in Indien und Brasilien.

SCOPE: Zuhause ist Phoenix Contact in Blomberg in Ost-Westfalen-Lippe, nahe dem Teutoburger Wald. Das klingt für Außenstehende eher nach Landwirtschaft, Natur und Pferden als nach Stecker, Software und Elektronik. Doch Insider sprechen von der Region auch als Klemmen-Valley. Woher kommt diese Konzentration?

Bent: Ostwestfalen-Lippe ist sicher auf den ersten Blick sehr landwirtschaftlich orientiert, manche unserer ausländischen Besucher sagen auch ¿Somewhere in the middle of Nowhere¿. Doch OWL ist auch einer der wachstumsstärksten Wirtschaftsräume in Deutschland. Hier gibt es zahlreiche Weltmarktführer, darunter viele Hidden Champions, die man in der Öffentlichkeit gar nicht wahrnimmt. Dazu gehört sicher auch Phoenix Contact, als Marktführer der elektrischen Verbindungstechnik....

SCOPE: .....aber auch das direkte Wettbewerbsumfeld ist im Umkreis zuhause: Wago in Minden, Weidmüller in Detmold, Conta Clip in Hövelhof und Harting in Minden. Gibt es da einen Zusammenhang?

Bent: Wenn man die klassische Reihenklemme nimmt, kann man sagen, dass über 60 Prozent des Weltmarktes aus dieser Region generiert werden. Doch diese Konzentration ist eher zufällig, es gibt keine Verbindung zwischen den Unternehmen. Phoenix Contact kam während des Krieges aus Essen, nachdem der Firmensitz in der Nähe des Essener Hauptbahnhofs bei einem Bombenangriff gefährdet war. Das Team suchte deshalb nach einem ruhigen Ort und fand ihn in der hiesigen Abgeschiedenheit. Nach dem Krieg wollte Phoenix eigentlich wieder nach Essen zurück, erhielt jedoch von der Stadt Blomberg ein günstiges Angebot. 1966 wechselte dann der komplette Firmensitz ins Lipperland. Heute ist Phoenix Contact der größte Arbeitgeber und Ausbilder der Region.

SCOPE: Herr Bent, sie selbst kamen 1984 von der Fachhochschule Lippe zu Phoenix Contact - wie sieht es heute mit der Zusammenarbeit mit den Hochschulen in der Region aus? Gibt es genügend Nachwuchs?

Bent: Wir haben ein sehr gutes Hochschulumfeld hier in Ostwestfalen: Sechs Hochschulen mit insgesamt über 50.000 Studienplätzen. Eine sehr enge Beziehung hat Phoenix Contact mit der Fachhochschule Lippe in Lemgo. Das Unternehmen finanziert beispielsweise einen Lehrstuhl Feinsystemtechnik mit, und wir haben gemeinsam das Modell der so genannten Kooperativen Ingeneurausbildung entwickelt. Das heißt, die jungen Leute machen hier eine Berufsausbildung und zeitgleich mit der Facharbeiterausbildung schließen sie ein technisches Studium an der Hochschule ab. Das ist eine für uns sehr gute Situation. Der größte Teil unserer Mitarbeiter, auch im Ingenieurumfeld, kommt aus der Region. Mejr als 500 Mitarbeiter sind Absolventen der FH Lippe. Im Grunde haben wir hier eine Campus-Atmosphäre, wobei der Großteil der Mitarbeiter in der Region verwurzelt ist. Das führt zu einer sehr hohen Bindung und Loyalität. Und das Unternehmen tut auch viel, um Mitarbeiter zu binden und zu gewinnen.

SCOPE: Die Hochschulkooperationen klingen sehr regional. Wie sieht es denn auf der internationalen Ebene aus?

Bent: Vor wenigen Wochen haben wir das internationale Hochschulnetzwerk Edunet gegründet. Mitglieder dieser Initiative sind neben uns bisher sieben internationale Hochschulen aus China, Südafrika, Türkei, Belgien, Ungarn, Österreich sowie drei deutsche Hochschulen. Edunet dient dem Wissenstransfer zwischen den Hochschulen untereinander und mit Phoenix Contact. Ziel ist es, gemeinsame Labore zu betreiben sowie den Professoren- und Studentenaustausch zu vereinfachen und zu fördern. Hochschulen der ganzen Welt können sich als Partner bewerben. Mit der aktiven Teilnahme bei Edunet gewinnen die Hochschulen an fachlicher Ausstattung und Qualifikation. Studierende können während ihrer Auslandaufenthalte in den Partnerhochschulen gemeinsame Projekte bearbeiten. Und Phoenix Contact gewinnt neue Partner in den Hochschulen und letztendlich auch in den Firmen.

SCOPE: Noch einmal zurück zur Mitarbeiterbindung - Was bietet Phoenix Contact denn an, was andere nicht haben?

Bent: Wir bieten den Mitarbeitern ein umfangreiches Programm zur fachlichen und persönlichen Entwicklung, das vier Bausteine umfasst: interne Seminare, externe Seminare, maßgeschneiderte Sonderseminare sowie teamorientierte Angebote. Die Aktivitäten in der Aus- und Weiterbildung werden im hauseigenen Bildungswerk »Phoenix Contact College« gebündelt, das andere Firmen der Region ebenfalls nutzen. Dieses Weiterbildungssystem wird sehr gut angenommen. Auch bei den Arbeitszeiten sind wir sehr flexibel. Nach Absprache dürfen Mitarbeiter selbst im Drei-Schichtbetrieb bei Dringlichkeit schon mal zwei Stunden freinehmen. Und seit drei Jahren können die Mitarbeiter im firmeneigenen Gesundheitszentrum für zehn Euro im Monat ihre Fitness verbessern.

SCOPE: Fit machen für zukünftige Anforderungen wollen Sie auch Ihr Produktspektrum - Neben dem klassischen Bereich der kabelbasierenden Verbindungstechnik ist Phoenix Contact ist auch sehr aktiv beim Thema Wireless. Welche Chancen sehen Sie hier?

Bent: Drahtlose Verbindungstechnik ist neben Ethernet das zweite große Trend-Thema in der Automatisierungstechnik, das wir auch noch stärker angehen werden. Wir haben bei Funktechnik bereits seit 2000 Erfahrungen aus einer Partnerschaft mit dem kanadischen Unternehmen Omnex. Das ist ein proprietäres Protokoll, das aber auf den Standardtechnologien aufbaut; in USA mit 900 MHz, in Europa im lizenzfreien 2,4 GHz-Bereich: Sehr zuverlässig, in der Übertragung relativ langsam, aber auch für große Distanzen geeignet. Das geht in den Bereich Überwachung von Prozessanlagen. Die Technologie wird Trusted Wireless bezeichnet, weil sie sich wirklich durch die hohe Zuverlässigkeit auszeichnet.

SCOPE: Wie sind die Erfahrungen der Anwender mit Trusted Wireless?

Bent: Phoenix Contact hat bereits mehrere tausend Applikationen damit umgesetzt, und die Erfahrungen sind durchweg sehr positiv. Das sind echte Kostenvorteile, die die Kunden damit gewinnen. Weil eben, sagen wir bei einer Tanklagerüberwachung, der Verkabelungsaufwand einfach enorm ist.

SCOPE: Wenn man kein Tanklager betreibt ¿ wo liegen konkrete Vorteile für den Anwender?

Bent: Ziel ist stets, Informationen preiswert zur Verfügung zu stellen. Phoenix Contact bewegt sich dabei in drei großen Anwendungsfeldern. Eines davon ist das Thema Mobilität, mobiles Bedienen und Beobachten, also dort wo Informationen zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort flexibel benötigt werden. Etwa in der Produktion, wo der Arbeitsvorbereiter über sein Terminal an jeder Stelle die Informationen erhält, die er gerade benötigt. Diese Aufgaben lösen drahtlose Techniken ideal. Das zweite Anwendungsgebiet sind Teile in Maschinen, die rotieren oder sich in der Längsbewegung verändern. Für solche Aufgaben kommen heute noch aufwändige und störanfällige mechanische oder elektromechanische Komponenten wie Schleifringüberträger zum Einsatz. Hier hat der Anwender sofort einen Nutzen von drahtlosen Techniken. Das dritte Anwendungsgebiet ist dort, wo die Installation von drahtgebunden Medien oder von Kupfer Leitungen zu aufwändig ist, etwa wegen erforderlichen Baumaßnahmen oder weil die Distanzen zu groß sind.

SCOPE: Rotierende Teile überwachen - das heißt, Sie bieten Wireless-Technologie auch im Echtzeit-Bereich an?

Bent: Wir decken mit Bluetooth auch die maschinenahe Kommunikation innerhalb geringerer Distanzen, aber mit höheren Echtzeitanforderungen, ab. Das geht in den unteren Millisekundenbereich der Update-Zeiten, also für die typische Sensor-/Aktor-Kommunikation in der Maschine. Wir bieten eine IP-67-Box, die über Bluetooth mit einem Feldbus-Netzwerk kommuniziert. Dabei wird das Signal zum Feldbus übertragen, nicht der Bus selbst. Das ist heute noch immer nicht ganz einfach zu machen, weil man eben diese Zeitanforderungen, etwa bei Überwachungsmechanismen, nicht ohne weiteres über Funk realisieren kann.

SCOPE: Ein Blick in die Zukunft: Wird Wireless das Kabel irgendwann ablösen?

Bent: Klare Prognose: Nein. Die kabellose Maschine wird ebenso wenig Realität werden wie das papierlose Büro.

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