Textil-Service

„Auf den Punkt bringen“

Eine Marke kann man sich nicht einfach aus dem Ärmel schütteln. Das weiß Oliver Gerrits, Leiter Marketing und Produktentwicklung bei Mewa, dem Spezialisten für Betriebs- textilien. Im Gespräch mit SCOPE-Chefredakteur Hajo Stotz beschreibt er, was nötig ist, um die Auszeichnung „Marke des Jahrhunderts“ zu erhalten.

Oliver Gerrits

SCOPE: Herr Gerrits, ob Adidas, Ed Hardy oder Diesel - bei Modebekleidung haben Marken eine enorme Bedeutung - aber welche Rolle spielen Marken bei Arbeits- und Schutzkleidung?

Gerrits: Markenbildung ist auch in diesem Segment extrem wichtig, denn mittlerweile gelten für B2B-Anbieter Regeln, die B2C-Anbieter schon seit langem beherzigen. Unabhängig davon, in welcher Branche ein Unternehmen tätig ist, welche Produkte es anbietet oder welche Zielgruppen im Fokus stehen: Wer sich in der Öffentlichkeit mit einem positiv geschärften Profil Bekanntheit verschafft, erhöht seinen Marktwert. Betriebsleitern und Einkäufern fehlt es oft an Transparenz, warum das eine oder das andere Produkt für sie geeigneter sein könnte. Und an Zeit, um die Leistungen einzelner Wettbewerber detailliert miteinander zu vergleichen. Daher erscheinen ihnen die Angebote zunehmend austauschbarer, auch wenn man selbst als Anbieter sehr wohl weiß, was das eigene Unternehmen von den Konkurrenten unterscheidet. Wer es schafft, seine Einzigartigkeit auf den Punkt zu bringen, sich also als Marke zu etablieren, bietet seinen Kunden und solchen, die es werden können, Orientierung. Die Marke unterscheidet ein Produkt von anderen vergleichbaren. Sie schafft Identität und eine starke emotional gelenkte Loyalität. Eine starke Marke wirkt nachhaltig und ist somit ein strategisches Instrument für den Geschäftserfolg.

SCOPE: Mewa hat 2009 die Auszeichnung "Marke des Jahrhunderts" für das Segment "Textil-Management" verliehen bekommen. Wie legt man eine solche Markenidentität fest?

Gerrits: Wie die Identität einer Person durch seine Charaktereigenschaften geprägt wird, entsteht die Identität einer Marke aus den Leitlinien, nach denen ein Unternehmen handelt. Was treibt ein Unternehmen zu Bestleistungen an? Welche Werte bilden die Basis des eigenen unternehmerischen Handelns? Woher kommt die Energie, dem Kunden hochwertige Produkte anzubieten? Wie hebt sich das eigene Angebot vor den anderen positiv ab? Das sind die wichtigen Fragen der Markenbildung, die es zu beantworten gilt. Für Mewa haben wir die Antworten in einem Markenbuch festgeschrieben und unsere Markeneigenschaften in einem stimmigen Außenauftritt umgesetzt. Von der Anzeige bis zu unseren Fahrzeugen gilt: Sie können auf den ersten Blick uns zugeordnet werden, denn eine Marke braucht eine hohe Wiedererkennbarkeit. Das wurde fortgeführt in unseren Texten, zum Beispiel in Broschüren. Und nicht zuletzt tragen unsere Mitarbeiter das Markenprofil nach außen: Durch ihr Verhalten prägen sie ganz entscheidend unser Bild in der Öffentlichkeit.

SCOPE: Eine Marke kreieren heißt auch, ihr eigene Eigenschaften zu verleihen - worin unterscheidet sich Ihr Unternehmen von den Markbegleitern?

Gerrits: Mewa ist ein inhabergeführtes Unternehmen, das seit über einem Jahrhundert ebenso erfolgreich wie innovativ geblieben ist. Heute steht die Enkelin des Firmengründers an der Spitze des Unternehmens, unterstützt durch ein hoch motiviertes und qualifiziertes Führungsteam. Diese Verbindung von familiären Strukturen mit einem modernen Management, macht unsere Stärke aus. Wir bieten unseren Kunden einen persönlichen Service, der auf den Qualitätsstandards und dem Potenzial eines international tätigen Unternehmens beruht. Wir legen Wert auf Erfahrung, Tradition und Verlässlichkeit. Gleichzeitig sind wir neuen Entwicklungen am Markt aufgeschlossen und beziehen sie in unser Angebot mit ein.

SCOPE: Welcher Maßnahmen bedarf es, um eine Marke aufzubauen?

Gerrits: Es ist definitiv ein längerfristiger Prozess, bis eine Marke erfolgreich aufgebaut und dann auch noch etabliert ist. Das wichtigste ist hier: Stringent in der Kommunikation bleiben! Am Anfang steht wie immer ein Konzept, das die Zielgruppe emotional anspricht. Es definiert, wie die eigene Marke extern wahrgenommen werden soll. Diese Botschaft muss sich in allen Maßnahmen der Kommunikation wiederfinden, im Internetauftritt, in den Anzeigen, in den Broschüren, in Anschreiben bis hin zum Verhalten des Kundenbetreuers am Telefon. Und niemals sollte man hier die interne Kommunikation vergessen. Es ist sehr, sehr wichtig, das Markenbewusstsein bei den eigenen Mitarbeitern zu verankern. Sie müssen hinter "ihrer" Marke stehen, wenn sie diese glaubhaft nach außen tragen sollen.

SCOPE: Welche Rolle spielt bei der Markenbildung die eigene Forschung und Entwicklung?

Gerrits: Eine große. Einer Marke schenkt man Vertrauen. Und das kann man nur, wenn sie sich, wie eine Persönlichkeit es auch tut, weiterentwickelt und zeitgemäß bleibt.

SCOPE: Die Historie des Unternehmens begann vor 102 Jahren mit "weben, waschen und ersetzen" von Putztüchern. Heute bieten Sie zudem Berufs- und Schutzkleidung, Waschraum- und Fußmatten im Full-Service und den Vertrieb von Artikeln für Arbeitsschutz und technischen Bedarf. Welcher Bereich ist heute Ihr wichtigster Umsatzträger?

Gerrits: Unser Putztuchservice ist nie aus der Mode gekommen. Das hat sich auch nach mehr als einem Jahrhundert nicht geändert. Wir sind in diesem Bereich branchenführend und wurden zu Beginn des Jahres von einer Jury unter der Leitung des Berliner Wirtschaftsprofessor Bernd Venohr sogar in die Riege der deutschen Weltmarktführer gewählt. Doch aus dem Angebot "Weben, waschen und ersetzen" von 1908 hat sich inzwischen das Textil-Management entwickelt. Wir organisieren für unsere Kunden ihre Versorgung mit Betriebstextilien. Der Service für Berufskleidung, mit dem wir in den sechziger Jahren starteten, ist längst ein ebenso wichtiger Unternehmensbereich für uns geworden. Besonders, da wir über ein marktführendes Know-how bei Schutzkleidung verfügen. Optimal ergänzt wird dieser Service durch unsere Artikel für den Arbeitsschutz und technischem Bedarf. Wir sind in der Lage, Unternehmen europaweit einheitlich auszustatten und zu beliefern. Damit sind wir insbesondere für die Unternehmen interessant, die mehrere Niederlassungen haben. Sie müssen nur eine Bestellung abschicken und erhalten von uns an all ihren Standorten europaweit die gleiche Ware.

SCOPE: Welchen Anteil hat beim Berufs- und Schutzkleidungsleasing die Industrie?

Gerrits: In der produzierenden Industrie wird die Anschaffung und Pflege der Kleidung kaum noch intern organisiert. Die meisten Unternehmen arbeiten mit einem Dienstleister zusammen.

SCOPE: Lohnt sich Textil-Service denn auch für kleinere Betriebe?

Gerrits: Ja, auf jeden Fall lohnt sich die Einkleidung im Full-Service auch für ein kleines Team. Ein Full-Service entlastet einen Betrieb von allem was mit der Ausstattung zu tun hat. Textilien müssen nicht nur angeschafft, sondern auch gepflegt werden. Das kostet Zeit und Aufwand, wenn man es selbst macht. Wir bieten einem Unternehmen den Service an, der zu seinem Bedarf passt. Das macht unser Angebot rentabel.

SCOPE: Bemerken Sie ebenfalls, wie in anderen Branchen, den steigenden Importdruck aus China?

Gerrits: Nein, für einen Textildienstleister ist es wichtig, vor Ort präsent zu sein: Die Textilien werden von uns sauber gebracht, die verschmutzten wieder abgeholt, gewaschen, auf Qualität geprüft, bei Bedarf ersetzt und wieder angeliefert. Dazu ist regionale Nähe notwendig.

SCOPE: Wie entwickelt sich bei Ihnen die Nachfrage nach Textil-Service nach dem Krisenjahr 2009 und welche Erwartungen haben Sie an 2011?

Gerrits: Das Marktsegment "Textile Dienstleistungen" birgt nach wie vor Potenzial. Das bestätigen uns sowohl Marktanalysen, als auch unsere Umsätze. Selbst 2009 konnten wir unsere Umsatzzahlen halten, 2010 war definitiv ein Wachstumsjahr und 2011 hat sich bereits sehr gut entwickelt.

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