Produktionsoptimierung

Die SAP der Produktion

Mit Totally Integrated Automation erreichen Anwender eine Produktionsoptimierung entlang des gesamten Lebenszyklus einer Anlage. Vom Engineering, über den Betrieb, bis zur Erweiterung und Modernisierung. SCOPE-Chefredakteur Hajo Stotz sprach mit Ralf-Michael Franke, CEO der Siemens Division Drive Technologies / Industry Sektor über die Unterschiede der Lösung zu den Produkten der Wettbewerber.

SCOPE: Daimler hat Ende letzen Jahres überraschend den Wechsel von Dassault Systèmes und Catia zu der PLM-Lösung von Siemens bekanntgegeben. Welche Rolle spielte dabei die datendurchgängige Digitale Fabrik, die Siemens mit dem neuen Engineering Framework Totally Integrated Automation Portal und dem Baustein PLM anstrebt?

Franke: Eine sehr große. Wir haben in der Automobilindustrie, der Leitbranche Deutschlands, einen erheblichen Marktanteil in der Automatisierung und sind damit bei Kunden wie Daimler sehr intensiv in die Produktionsprozesse eingebunden. Von der Automatisierung kommend, entwickeln wir uns seit Jahren immer stärker in Richtung Digitale Fabrik. Der Automobilhersteller hat als einer der Ersten verstanden, wohin wir gehen und gestaltet das teilweise auch mit. Um diese Durchgängigkeit zu realisieren wird er nun auch unsere datendurchgängigen Software-Produkte einsetzen.

SCOPE: Das klingt nach einem leichten Sieg für Siemens PLM?

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Franke: Keineswegs. Das waren sehr harte Verhandlungen und ein sehr intensives Benchmarking, bei dem aber der Aspekt der Datendurchgängigkeit eine sehr große Rolle gespielt hat. Eine UGS hätte das allein nicht geschafft - aber Siemens PLM konnte mit diesem Argument überzeugen.

SCOPE: Die Digitale Fabrik wird ja nun meist nicht auf der „grünen Wiese“ realisiert, sondern Sie treffen auf eine existierende Produktionsumgebung mit unterschiedlichsten Steuerungen, Antrieben und IT-Lösungen – wie stellt sich denn da die Situation mit TIA dar?

Franke: TIA ist offen mit Schnittstellen zu allen Wettbewerbssystemen, das wird auch in Zukunft so bleiben. Das A und O ist dabei ein einheitliches Datenmodell, nur dann kann man objektorientiert arbeiten, und nur dann wird dieser Nutzen generiert. Aber wenn es dem Kunden natürlich wichtiger ist, eine „Best of breed solution“ einzusetzen, sich die einzelnen Elemente zusammen zu bauen und ein eigenes Engineering darüber zu setzen, dann ist uns das ebenfalls recht. Im Übrigen gibt es mehr „Green Fields“ als man denkt: In den wachstumsstarken BRIC-Ländern werden die Fabriken alle erst gebaut.

SCOPE: Für eine durchgängige Digitale Fabrik benötigt der Anwender ja die Daten von der Konstruktion bis hin zur Maschine. Fehlt Ihnen da nicht im MES-System ein Baustein für die diskrete Fertigung?

Franke: Nein. Simatic-IT kommt als Produkt zwar aus der Prozessautomatisierung – die Historie liegt ja in Food and Beverage und Pharma-Chemie – aber wir haben das Produkt ja in den letzten Jahren bewusst für die Anforderungen der diskreten Fertigung weiter entwickelt. Konkretes Beispiel ist wiederum Daimler. Dort haben wir jetzt mit viel Aufwand Simatic-IT als MES-Lösung vollständig in den Power-Train-Werken installiert. Wenn Sie mich fragen: Fehlen Ihnen noch Bausteine in der digitalen Welt? Dann muss ich die Frage mit ja beantworten.

SCOPE: Würden Sie da auch ERP dazuzählen?

Franke: Nein, mit Sicherheit nicht. Wir haben da eine ganz klare Philosophie für uns: Unsere Welt sind die Ebenen unterhalb von ERP. SAP ist ein hochprofessionelles Unternehmen, das im ERP-Level tätig ist, da wünschen wir ihm auch weiterhin viel Erfolg. Wir sind in dem Bereich darunter aktiv und verfügen dort über die entsprechend hohe Professionalität. Wir kennen die Prozesse genau, die in den Fabriken ablaufen. Aber unser Focus ist ganz klar, in diesem Bereich quasi zum SAP zu werden.

SCOPE: Dass sich SAP eines Tages weiterhin mit S, aber dann mit „-iemens“ folgend schreibt, das sehen Sie nicht?

Franke: Prognosen sind immer schwierig, wenn sie in der Zukunft liegen. Doch solch eine Art der Akquise würde bei uns auf Platz 500 oder niedriger rangieren. Da haben wir ganz andere Dinge, die uns wichtig sind.

SCOPE: Welche sind denn die dringenden Bausteine?

Franke: Alle Bausteine, die uns in der Beschleunigung der Datendurchgängigkeit der Digitalen Fabrik weiterhelfen. Das wird sehr stark geprägt von den Kunden, die mit uns den Weg zuerst beschreiten…

SCOPE: …und welche sind das?

Franke: Da kann ich derzeit keine Namen, Zahlen oder konkreten Fakten nennen.

SCOPE: Sie nennen beim TIA Portal Einsparungspotenziale von 20 Prozent in einem ersten Schritt der Automatisierung der Konstruktion, sowie Potenziale in ähnlicher Höhe in nachfolgenden Schritten. Wo sehen Sie diese Einsparungsmöglichkeiten?

Franke: Die ersten zwanzig Prozent kommen aufgrund der Durchgängigkeit im Engineering, der Zusammenarbeit mit einer PLC, einem HMI (Human Machine Interface) und ihrer intuitiven Handhabung. Diese Einsparungen sind keine ferne Zukunft, sondern konkret erreichbar. Und das Potenzial werden wir weiter ausschöpfen durch die Einbindung von Antrieben, Sinumerik und Simotion in diese Plattform. Das haben wir alles bereits in den Händen.

SCOPE: Im Mobile-Bereich haben Apps zu völlig neuen Ansätzen und Lösungen geführt. Auch PTC verfolgt diesen Ansatz bei seiner neuen PLM-Lösung. Spielen Apps in Ihrer zukünftigen Planung ebenfalls eine Rolle?

Franke: Was in der Consumer-Welt geschehen ist, wird auch in der Industrie passieren. Und natürlich wird auch der Gedanke eines Social Networks – wenn man es mal so nennen will – in der Engineering-Welt eine immer größere Rolle spielen. Auch weil die nächste Generation von Ingenieuren in dieser Apps-Welt, in der Cloud und in diesem permanenten Online-Sein aufwächst. Diese Generation wird das auch in ihrer professionellen Umgebung in Zukunft erwarten, um arbeiten zu können. Insofern werden wir diese Dinge nachempfinden und auf die Industriewelt übertragen.

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