Normalien für den Druckguss

,,Der Markt tut sich mit Neuem schwer"

Normalien sind eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Der Werkzeug- und Formenbau kann nicht auf sie verzichten. Doch bisher gab es eine Versorgungslücke: Niemand bot spezielle Normalien für den Druckguss an. SCOPE-Chefredakteur Dieter Capelle sprach mit Rainer Ade, Produktmanager, der mit DayCast-Produkten diese Lücke im deutschen Markt schließen möchte. 

SCOPE: Wenn Druckguss-Normalien in Deutschland neu sind, wie arbeiten dann die Druckgießer zur Zeit?

Ade: Im Grunde wird mit viel Zusatzaufwand improvisiert. Deutsche Druckgießer und ihre Formenbauer kaufen die gleichen Normalien, wie sie für die Kunststoffverarbeitung üblich sind. Doch da beim Druckgießen höhere Temperaturen und größere Drücke herrschen, werden die ,,sensiblen" Formteile nachgerüstet: Vieles wird komplett neu gefertigt, anderes umgebaut und mit Zusatzfunktionen versehen. Oft werden mit nachträglichen Beschichtungen, vor allem die bewegten Formteile, für die hohen Temperaturbelastungen fit gemacht. Denn die Gefahr des ,,Fressens" von Führungen steigt nun mal mit der Temperatur.

SCOPE: Dann müssen Sie ja ein glücklicher Mann sein – mit neuen Produkten auf neuen Märkten...

Ade: Ein glücklicher Mann bin ich schon, doch nicht, weil mir die Druckgießer und Formenbauer diese in Europa noch neuen Normalien nur so aus den Händen reißen. Der Markt tut sich mit Neuem schwer. Zum Einen hat man sich daran gewöhnt, mit Nacharbeit und hauseigenen Lösungen zu funktionstüchtigen Formen zu kommen. Jetzt, wo diese eingefahren Lösungen funktionieren, geht man nicht gern davon ab – auch wenn kräftige Kosteneinsparungen bei Umstellung auf Standards winken. Und zum Anderen ist da die Sache mit dem ,,normenlosen Zustand"...

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SCOPE: Ein Leben im normenfreien Raum? Das kann doch nicht für Deutschland gelten?

Ade: Ja, es ist kaum zu glauben: Normalien für den Formen- und Werkzeugbau sind nicht national und schon gar nicht international genormt. Das ist immer noch das große Feld der Hersteller- und Haus-Normen. Unsere Produkte haben wir an die Standards der Spritzgießnormalien angepasst, um Austauschbarkeit zu sichern. Aber die Hausnormen der Druckgießereien, an die wir uns natürlich im Einzelfall auch anpassen können, die bereiten doch Probleme. Wir halten eine DIN- und ISO-Normung für absolut notwendig und arbeiten deshalb sehr intensiv auf diesem Gebiet. Dieter Capelle

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