Messe Motek

„Die Grenzen werden fließend“

Vom 13.09 bis 16.09.2010 öffnet die Motek in Stuttgart wieder die Tore. Im Gespräch mit SCOPE-Chefredakteur Hajo Stotz positioniert Messemacher Paul Eberhard Schall die Fachmesse für Montage- und Handhabung mit dem Anspruch, die „weltweit führende Veranstaltung in den Bereichen Produktions- und Montageautomatisierung, Zuführtechnik und Materialfluss, Rationalisierung durch Handhabungstechnik und Industrial Handling“ zu sein.

SCOPE: Von Ausstellerseite war dieses Jahr auf der Automatica immer wieder der Wunsch zu hören, Motek und Automatica in jährlichem Wechsel stattfinden zu lassen. Haben Sie mit den Münchnern darüber schon einmal gesprochen?

Schall: Roboterhersteller legen ihr Hauptaugenmerk vielleicht auf die Automatica. Trotzdem sind diese meist über Partner auf beiden Messen präsent. Solange es eine Nachfrage gibt, haben alle Messen ihre Berechtigung. Letztlich muss das der Markt regeln. Die Aussteller werden der Messe treu bleiben, die am meisten Erfolg - also Aufträge und Neukundenkontakte - einspielt. Für die Roboterhersteller ist die Automatica die führende Messe für Robotik. Der zweijährige Turnus entspricht dem Innovationszyklus dieser Branche. Die Motek ist als die Weltleitmesse für die Montage-, Handhabungs- und Automatisierungstechnik seit Jahren ein wichtiger Bestandteil in der jährlichen Messeplanung der Unternehmen aus dieser Branche. Und das wird auch so bleiben.

Anzeige

SCOPE: Täuscht der Eindruck, oder finden auf der Motek immer mehr Roboter- und -Peripherie-Themen statt - und umgekehrt nähert sich die Automatica thematisch immer stärker der Motek?

Schall: Dass auf der Motek immer mehr Roboter zu sehen sind, hat seine Gründe: Die Anzahl der Roboter die weltweit in Betrieb sind, wächst ständig. Im kommenden Jahr sollen es nach Angaben des IFR Statistical Department rund 18 Millionen sein. Folgerichtig steigt auch der Bedarf an Greifer-, Handling- und Materialfluss-Peripherie entsprechend an, weshalb sich die Motek mit weltweit einzigartigem Portfolio nach wie vor auf dem richtigen Weg sieht. Ohne Greifer-, Bildverarbeitungs- sowie Handling- und Materialflussperipherie um die Roboter herum sind diese nicht aktionsfähig. Die Motek konzentriert sich auf alle für die Rationalisierung durch Automatisierung relevanten Bereiche und nicht nur auf das Segment Robotik.

SCOPE: Im Zuge der Verschmelzung von Mechanik und Elektronik tauchen auch auf der SPS zunehmend klassische Motek-Aussteller auf. Sehen Sie in der SPS einen kommenden Wettbewerber?

Schall: Das kann man so oder auch umgekehrt sehen. Denn bei der Automatisierung durch Antriebstechnik in Gestalt von Mechatronik werden die Grenzen immer fließender. Da wir uns jedoch auf die Anwendungslösungen in der Montage- und Handhabungstechnik konzentrieren, stehen bei uns weniger die antriebs- und steuerungstechnischen Komponenten im Vordergrund, sondern die jeweiligen handhabungstechnischen Detail-, Subsystem- oder Komplettlösungen. Diese suchen die Konstrukteure und Maschinenbauer bei uns unter dem Aspekt der wirtschaftlichen Automatisierung. Unsere Zielgruppen- und Fachbesucherstruktur stellt sich bis auf das wichtige Segment Konstrukteure durchaus anders dar, weshalb die Motek und die SPS gut aneinander vorbeikommen.

SCOPE: Und die Motek baut die Themenbereiche in Richtung mechatronische Automatisierungstechnik, etwa durch den Themenpark Mechatronik, weiter aus?

Schall: Das Kompetenznetzwerk Mechatronik Baden-Württemberg bringt sich auch in diesem Jahr stark auf der Motek ein. Beim Themenpark Mechatronik präsentieren Unternehmen mechatronische Lösungen für die Produktions- und Montage-Automatisierung. Der Themenpark Bildung & Forschung setzt sich für die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften in der Mechatronik ein. Hochschulen und Institute wie die Bundesagentur für Arbeit engagieren sich hier gemeinsam.

SCOPE: Die Motek macht auch in Stuttgart immer einen, ich sage mal, etwas unsortierten Eindruck. Wann werden Sie die Hallen nach Themen sortieren?

Schall: Was Sie unsortiert nennen, ist eine von uns beabsichtigte Durchmischung der Messe-Aussteller. Denn dadurch kommen auch die Fachbesucher und Spezialisten der verschiedenen Branchen zusammen, die sich unter geordneten Umständen nicht über den Weg laufen würden. Durch eine klare Trennung der Ausstellungsbereiche wird dieser Mix verhindert.

SCOPE: Das Verhältnis zwischen Schall und den Stuttgartern war bis zum Umzug 2007 nicht das Engste. Wie konstruktiv arbeiten Sie heute mit der Stuttgarter Messegesellschaft zusammen?

Schall: Die Zusammenarbeit ist innerhalb der vergangenen drei Jahre immer besser geworden. Man kann sagen, wir haben die Abläufe gemeinschaftlich optimiert. Mittlerweile laufen unsere Veranstaltungen, die Durchführung an sich als auch der Auf- und Abbau der Messen, reibungslos ab.

SCOPE: Sie beleben die Microsys wieder, die 2007 zugunsten der Minat der Stuttgarter Messe aufgegeben wurde. Die Minat wurde nun wegen Erfolglosigkeit eingestellt ¿ was macht Sie hoffen, dass die Microsys besser läuft?

Schall: Der Themenpark Mikrosystemtechnik, der im vergangenen Jahr auf der Motek stattfand, hatte einen enormen Zuspruch. Daraus hat sich für 2010 die Microsys als eigenständige Messe entwickelt. Durch die branchenbezogenen Rahmenveranstaltungen wie Themenparks oder ein umfangreiches Kongressprogramm profitieren Aussteller, Besucher und Presse von diesem Messetrio. Hersteller aller relevanten Komponenten, Baugruppen und Systeme stellen auf der Microsys aus. Zudem passt die Microsys einfach thematisch sehr gut zur Motek. Ebenso präsentieren Kleinst-Werkzeug- und -Formenbauer ihre Exponate. Aussteller von Rapid-Prototyping-Verfahren sind genauso vertreten wie Dienstleistungsunternehmen. Abgerundet wird das Ausstellungsprogramm durch die Stände von Kompetenzzentren, Hochschulen, Clusterorganisationen, Forschungszentren und dem Fachverband für Mikrotechnik IVAM.

SCOPE: Thema Internationalisierung: Eine Control China gibt es ja bereits - wann kommt die Motek China?

Schall: Der Motek in Deutschland folgten die Motek France und die Motek Italy. Wir haben immer den Blick auf neue Märkte, wenn sich vielversprechende Entwicklungen abzeichnen. Das ist bezüglich Montage- und Produktions-Automatisierung in China im Augenblick noch nicht der Fall, weil dort nach wie vor auf billige Arbeitskräfte gesetzt wird. Allerdings verlegen selbst chinesische Massenproduzenten aktuell ihre Fertigungsstätten von Ost- und Südchina nach Zentralchina, weil dort die Löhne noch deutlich niedriger sind als in den etablierten Industriezonen. Schreitet diese eigentlich auch zu erwartende Entwicklung fort, steigen der Rationalisierungs- und damit der Automatisierungsdruck. Und dann wird es Zeit, die Motek China auf die Schiene zu setzen.

SCOPE: Ihre Abneigung, mit Verbänden eng zusammenzuarbeiten, haben Sie schon mehrfach geäußert - aber ist eine solche Philosophie bei zunehmendem Messen-Wettbewerb und -Internationalisierung noch durchzuhalten?

Schall: Von Abneigung würde ich in dem Zusammenhang nicht sprechen. Eher davon, zugunsten der Fachbesucher wie der Aussteller ein Höchstmaß an Unabhängigkeit zu wahren. Abgesehen davon, ob es Zweck eines Verbandes sein kann, eine Fachmesse zu veranstalten, die zuvorderst alle Mitglieder in ein Korsett zu zwängen versucht, bleibt die Frage zu stellen, ob dem Markt dadurch nicht einseitig Beschränkungen auferlegt werden, die in der globalisierten Industriewelt eigentlich total überholt sind. In Deutschland und in Europa gibt es beispielsweise bei den Metaller- und bei den Automationstechnik-Fachmessen genügend Beispiele, wohin zu viel Einfluss von Verbänden führen kann. Als gleichberechtigte Partner arbeiten wir bezüglich ideeller Trägerschaften und Konzepten für den schnellen Technologietransfer mit vielen Verbänden und Institutionen zusammen, in das Geschäft mit Fachmessen lassen wir uns jedoch nicht hineinreden, davon verstehen wir eindeutig mehr.

SCOPE: Traditionell findet die Motek auch dieses Jahr im September statt - ab 2011 verlegen Sie den Termin auf Mitte Oktober. Welchen Grund gibt es dafür?

Schall: Die Motek findet ab dem nächsten Jahr im Oktober statt, um eine Terminüberschneidung mit der EMO zu vermeiden, die vom 19. bis 24. September 2011 in Hannover ausgerichtet wird.

SCOPE: Herr Schall, zum Abschluss die Frage, die kein Messemacher liebt: Wie viele Besucher - und Aussteller - erwarten Sie zur Motek?

Schall: Die Motek hat ihre Position als Weltleitmesse auch in diesem Jahr behauptet. Sie wissen ja, dass uns die Qualität mehr am Herzen liegt als die Quantität. Aber wenn Sie Zahlen wissen möchten: Aktuell haben mehr als 1000 Aussteller aus dem In- und Ausland fest gebucht. Wie im Vorjahr sind fünf Messehallen mit einer Brutto-Ausstellungsfläche von 60.000 Quadratmetern nahezu komplett gefüllt. Damit kann man sehr zufrieden sein. Wir erwarten in diesem Jahr, dass wir mindesten so viele Besucher haben werden, wie im vergangenen Jahr, und das waren mehr als 30.000.

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Automatisierungsmesse

Motek 2018 zeigt digitale Montage

Am 8. Oktober startet die Motek. Auf der Fachmesse für Produktions- und Montageautomatisierung sind die aktuellen Trends der Branche zu sehen – von smarten Lösungen für die manuelle Montage bis hin zu vollautomatisierten Montagesystemen, begleitet...

mehr...
Anzeige
Anzeige

Highlight der Woche

Schneller und kostensicher bauen mit HP3
Mit dem HP3 Stufenmodell bietet die Hinterschwepfinger Projekt GmbH einen bewährten und ganzheitlichen Lösungsweg für den Neubau, die Erweiterung oder die Modernisierung von Produktionsstandorten an. Bauvorhaben lassen sich damit nicht nur kostensicher realisieren, sondern auch schneller und zukunftsrobuster, was spätere Anpassungen oder Erweiterungen angeht.  

Zum Highlight der Woche...