Erodiermaschinen

„Einmal Vollmer, immer Vollmer“

Vollmer hat den Umsatz in den letzten fünf Jahren fast verdoppelt und sich in 99 Jahren vom Sägewerkstechnik- Hersteller zum High-Tech-Maschinenbauer entwickelt. Geschäftsführer Stefan Brand erläutert Chefredakteur Hajo Stotz die Unternehmensstrategie.

SCOPE: Herr Brand, in welchen Feldern ist Vollmer tätig?

Brand: Vollmer ist in drei Produkt-Geschäftsbereichen tätig. Unsere Wurzeln liegen in der Sägewerkstechnik. Seit Mitte der 50er Jahre bauen wir zudem Schleifmaschinen für hartmetallbestückte Kreissägen, diese sind unserer größtes Geschäftsfeld. Mit den Produkten, die auf diesen Maschinen hergestellt werden sind wir im Baumarkt und in der professionellen Anwendung vertreten. Der dritte Bereich, in dem wir seit Ende der 80er Jahre aktiv sind, sind die Erodiermaschinen für Diamant-Werkzeuge. Hier beliefern wir die Hersteller für Holz bearbeitende wie auch die Metall bearbeitender Werkzeuge. Wir gehen bewusst in beide Richtungen. Unser Fokus liegt im Moment sehr stark im Bereich der Metallanwendung und hier bei neuen Anwendungen, wie Flugzeugbau, Automobilindustrie, Sandwich-Werkstoffe. Dazu haben wir gerade eine neue Maschinengeneration vorgestellt.

SCOPE: Wie sehen jeweils Ihre Marktanteile aus?

Anzeige

Brand: Wir haben sehr starke Marktpositionen. Bei den Schleifmaschinen für hartmetallbestückte Kreissägen erreicht Vollmer 80 Prozent Weltmarktanteil. Bei den Erodiermaschinen sind es 75, und bei der Sägewerkstechnik leicht unter 50 Prozent.

SCOPE: Wenn man eine so starke Marktdurchdringung hat, ist es doch schwierig, weitere Potenziale zu erschließen. Oder wie will man 80 Prozent noch toppen?

Brand: Wir entwickeln gerade eine Wachstumsstrategie für neue Märkte, wie die Luftfahrt- und Automobilindustrie. Hier geht es insbesondere um die Bearbeitung von neuen Werkstoffen. Dazu arbeiten wir an neuen Verfahren.

SCOPE: Können Sie die Strategie noch etwas präzisieren?

Brand: Wir arbeiten beispielsweise an der Kombination des Lasers mit dem Erodieren oder dem Schleifen, um die komplette Prozesskette zur Bearbeitung der Diamant-Werkzeuge abzudecken. Da sehen wir auf der technischen Seite unser Potenzial. Auf der anderen Seite sehen wir ganz klar die Dienstleistung. Früher verstand man darunter, dass man einen Monteur mit Ersatzteilen schickt. Das ist viel zu wenig. Man muss den gesamten Produktlebenszyklus abdecken. Wir haben da ein schönes Bild. Es gibt zwei Arten von Menschen: Die mit, und die ohne Ohren. Die ohne Ohren hören nicht zu und sind immer am Schimpfen. Die mit Ohren hören zu und tun etwas. Wir hören genau zu, was unsere Kunden brauchen und versuchen ihnen das Bestmögliche anzubieten. Meine Überzeugung ist es, dass technische Produkte ohne Dienstleistung zukünftig nicht mehr verkauft werden können. Der Kunde muss genau das bekommen, was er braucht. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Dann passt auch das Preis-/Leistungsverhältnis.

SCOPE: Dazu bedarf es auch entsprechender Erfahrungen des Teams?

Brand: Wir sind fast 100 Jahre alt und haben viel Erfahrung im Haus. Das hängt natürlich eng mit unserer Personalpolitik zusammen. Der durchschnittliche Mitarbeiter hat ein Alter von 41 Jahren und 18 Jahre Betriebszugehörigkeit ¿ ohne unsere Auszubildenden dazu zu zählen. Das heißt einmal Vollmer, immer Vollmer. Da können Sie sich vorstellen, wieviel Know-how unsere Mitarbeiter haben. Unsere Ausbildungsquote liegt übrigens bei 12 Prozent, und das schon seit 20 Jahren und mit 100 Prozent Übernahmegarantie. Die Mitarbeiter sind unser Kapital.

SCOPE: Das sagen alle Unternehmen von sich¿

Brand: Aber wir leben es auch. Wir haben eine offene Kommunikation, in jeder Abteilung gibt es Cafeterias, wo offen diskutiert wird, wo Besprechungen durchgeführt werden. In meinem Büro steht die Türe immer offen. Wer mit unseren Mitarbeitern spricht, der bemerkt das auch schnell. Wir sind eine Mannschaft. Und das ist unsere Stärke. Und deshalb haben wir auch das Know-how im Unternehmen, weil wir eine Fluktuation gleich Null haben.

SCOPE: Das ist aber auch notwendig, da sie in einer Region mit dem geringsten Arbeitslosenanteil in Deutschland zuhause sind, in Biberach.

Brand: Das ist richtig. Hier sind mehrere Weltmarktführer in einer Kleinstadt mit 30.000 Einwohnern zuhause. Vollmer ist davon der kleinste. Deshalb legen wir soviel Wert auf Aus- und Weiterbildung. Bei uns kann jeder jede Position erreichen. Wir haben eine Facharbeiterquote größer 80 Prozent.

SCOPE: Vollmer wird im nächsten Jahr 100 Jahre alt und noch von der Tochter des Firmengründers in der zweiten Generation geführt. Ist die Nachfolge geregelt?

Brand: Vollmer ist ein familiengeprägtes Unternehmen. Wir sind zu 70 Prozent in Familienhand und in der zweiten Generation führt unsere Firmenchefin, Fräulein Vollmer, mit 83 Jahren. Aber im operativen Geschäft ist die Familie nicht vertreten. Doch es sind alle Vorkehrungen getroffen, dass die Firma auch zukünftig ein familiengeprägtes Unternehmen bleibt.

SCOPE: Sie sind einer von zwei angestellten Geschäftsführern?

Brand: Wir sind zwar angestellt, aber wir leben es, als ob es unser Unternehmen ist. Und das fördern wir auch. Jeder Mitarbeiter soll Unternehmer sein und darf entscheiden, was Vollmer nach vorne treibt. Denn die Geschäftsführung schafft nur die Rahmenbedingungen. Wenn Sie bei anderen Unternehmen das Organigramm anschauen, so gibt es da die Geschäftsleitung, die Abteilungsleitung, irgendwann die Mitarbeiter. Aber da fehlt immer einer ¿ der Kunde. Der ist aber der Einzige, der unsere Gehälter bezahlt. Er muss im Mittelpunkt stehen, dann kommen die kundennahen Bereiche, wie der Service, der Vertrieb. Die werden unterstützt von Entwicklung, Produktion, Finanzen, die wiederum von IT-Systemen, und außenherum gibt es die Geschäftsführer und die Gesellschafter, die die Rahmenbedingungen für alle schaffen. Wir verstehen uns alle als Dienstleister für den maximalen Nutzen des Kunden. Und dass wir das nicht so schlecht gemacht haben, sieht man an der Entwicklung des Unternehmens. Natürlich hat die Konjunktur angezogen; aber im Vergleich zu unseren Marktbegleitern haben wir größere Wachstumsraten erreicht.

SCOPE: Wie hat sich der Umsatz bei Vollmer in den letzen Jahren denn entwickelt?

Brand: Im letzten Jahr haben wir 110 Mio. Umsatz gemacht. 2003 lagen wir bei 67 Mio. Euro, das heißt, wir haben uns in fünf Jahren fast verdoppelt. Weltweit beschäftigen wir 750 Mitarbeiter und haben zehn Auslandsniederlassungen. Unsere neueste Niederlassung ist Vollmer Austria. Sie deckt die neuen Märkte in Osteuropa ab. Alle unsere Niederlassungen sind 100%-Niederlassungen. Wir legen sehr viel Wert darauf, mit eigenen Mitarbeitern zu arbeiten. Weltweit beschäftigen wir im Vertrieb und Service über 200 Mitarbeiter.

SCOPE: Wie sieht Ihre Innovationsstrategie aus?

Brand: Wir haben in den letzten sechs Jahren 26 neue Produkte auf den Markt gebracht. Unser F+E-Anteil beträgt circa acht Prozent. Absolut liegen wir bei ca. 9 Mio. In Biberach haben wir 410 Mitarbeiter, ohne Azubis. Davon sind 80 in der Entwicklung. Aber da kommt ein Wermutstropfen dazu: Wir suchen Entwicklungsingenieure, bekommen sie aber nicht. Wir haben acht freie Stellen. Deshalb gehen wir noch stärker in die eigene Ausbildung.

SCOPE: Und an welchen Neuheiten entwickeln Sie derzeit?

Brand: Wir arbeiten an der Integration des Lasers, wir sind an diesem Thema schon acht Jahre dran. Die Strahlquelle selbst ist aber noch nicht soweit, dass sie ein Diamant-Werkzeug komplett bearbeiten kann. Aber wir stehen kurz vor dem Durchbruch. Diese Technologie muss von Vollmer kommen, das sind wir unseren Kunden schuldig.

SCOPE: Des ganzen Werkzeuges?

Brand: Nein. Wir arbeiten immer nur vorne an der Schneide. Wenn das Diamantplättchen auf dem Einsatz aufgelötet ist, dann kommt Vollmer zum Einsatz und wir machen das Werkzeug fertig, In der Genauigkeit von 2µ.

SCOPE: Diese Genauigkeit erreichen Sie bereits?

Brand: Ja. Unsere neue Maschine QXD 200 vereint unterschiedliche Verfahren in einer Aufspannung: Erodieren, Schleifen, Polieren. Um das PKD-Werkzeug auf 2µ genau bearbeiten zu können, muss es in einer Aufspannung bearbeitet werden. Wenn es einmal aus der Aufspannung herausgenommen wurde, kann man diese Genauigkeit nicht mehr erreichen.

SCOPE: Sie adressieren mit den Erodiermaschinen nur Werkzeughersteller?

Brand: Nein. Wir bedienen auf der einen Seite die Werkzeughersteller, aber auch den Dienstleistungsbereich. Ein Werkzeug muss ja auch nachgeschärft werden. Und das kann bis zu 15-mal erfolgen, Das machen neben den Werkzeugherstellern auch lokale Schärfdienste. Für die bieten wir Maschinen, damit sie die Genauigkeiten der Hersteller ebenfalls erzielen können. hs

hs
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige

So einfach kann Automation sein

Die item item linear motion units® bieten Lineareinheit, Motor, Getriebe und Steuerung plus Software für Konfiguration & Inbetriebnahme. Jetzt im Factsheet informieren!

mehr...

Erodiermaschine

Diamantwerkzeuge schärfen

Schweizer Uhren sind für ihre Präzision weltberühmt, und um sie herzustellen, sind Präzisionswerkzeuge unabdingbar. Das Schweizer Unternehmen Wirz Diamant ist seit fast 100 Jahren Partner der Uhrenindustrie und fertigt unter anderem diamantbestückte...

mehr...
Anzeige

Erodieren

Erodier- und Schleifmaschinen

Auf der EMO 2013 zeigte Vollmer sein aktuelles Technologie- und Dienstleistungsportfolio für die Metallindustrie. Der Spezialist für Schleif- und Erodiermaschinen legte in diesem Jahr den Schwerpunkt auf die Bearbeitung von PKD-Rotationswerkzeugen...

mehr...
Anzeige

Formenbau

Doch wie am Schnürchen

Schnurlostelefone für den weltweiten Markt entwickelt Gigaset - und das in Deutschland, als einziger. Der Formenbau hat es geschafft, im Wettbewerb mit Fernost zu bestehen. Grund dafür waren und sind die Investitionen des Bocholter Unternehmens in...

mehr...

Draht-Erodiermaschine

Mächtig auf Draht

ist die neue Generation von Hochpräzisions-Drahterodiermaschinen von Mitsubishi Electric. Bei ihr kommen optische Direktantriebssysteme zum Einsatz, gepaart mit Tubular-Direktantrieben. Dieses einzigartige Konzept vereint die Vorteile von...

mehr...