Elektromotoren

„Made in Germany“

Oswald Elektromotoren entwickelt, fertigt und vertreibt Aggregate bis 1.000 kW und 170.000 Nm. Darüber hinaus befasst sich das Unternehmen mit Spezialentwicklungen wie etwa Kombinationen aus rotierenden und linearen Motoren sowie Prototypen für die Elektromobilität und Motormustern mit Hochtemperatursupraleitern. Johannes Oswald, seit 1998 geschäftsführender Gesellschafter des Traditionsunternehmens, sprach mit SCOPE-Redakteur Dr. Peter Stipp über nachhaltige Produkte und den Standort Deutschland.

SCOPE: Herr Oswald, können Sie es sich unter dem Druck der Globalisierung überhaupt leisten ausschließlich in Deutschland zu produzieren?

Oswald: Es ist gerade 10 Jahre her, auf dem Gipfel der Verlagerungswelle im Maschinenbau, als immer wieder erstaunte Besucher hier bei uns in Miltenberg zum Ausdruck brachten: "ach so, ich wusste gar nicht, dass man in Deutschland noch produzieren kann." Das hat mich damals erschreckt und ich besuchte viele Fertigungsstandorte und Endkunden, auch in China. Dort konnte ich zum Beispiel sehen, wie Großkonzerne für kurzfristige Erfolge ihr Know-how langfristig verlagern. Mittlerweile sind die kritischen Fragen, ob man hier in Bayern, beziehungsweise in Deutschland überhaupt noch produzieren kann, mehr und mehr verstummt. Deutsche Qualität, Zuverlässigkeit und Innovationsbereitschaft haben einen neuen Stellenwert erhalten. Wir werben gerne mit "Made in Germany" und überzeugen unsere Kunden am einfachsten, indem wir sie zu uns einladen und unser Unternehmen präsentieren.

SCOPE: Aber der Preis muss doch stimmen. Ist eine Standortverlagerung langfristig gesehen nicht sinnvoller?

Oswald: Als mittelständisches Unternehmen mit etwa 140 Mitarbeitern haben wir uns bewusst gegen eine Produktions- oder Standortverlagerung entschieden. Stattdessen konzentrieren wir uns darauf, unser Know-how in Bayern weiter zu entwickeln. Mit Blick auf meine Kunden gibt es zwei typische Extreme, um zu einem erfolgreichen Produkt zu kommen: Den kaufmännisch oder den technisch optimierten Weg. Das Ziel ist entweder, so billig wie irgend möglich einzukaufen, um das eigene Produkt über den Preis attraktiv zu machen oder mit technisch innovativen Lösungen zu punkten, z.B. durch Produktivitätsvorteile oder Energieoptimierung. Wir bedienen Kunden beider Extreme. Dabei erleben wir immer wieder, dass die Kunden, die innovative Lösungen anbieten, ganz klar die Nase vorne haben und langfristig erfolgreicher sind.

SCOPE: Das heißt, Ihre Motoren und Generatoren werden weniger in Standard-Lösungen eingesetzt sondern eher in innovativen Entwicklungen?

Oswald: Ein uneingeschränktes "Ja". Wir bedienen Marktführer und Spezialfirmen aus dem Bereich Maschinenbau, Automotive und Energie, vor allem die, die innovativ genug sind, neueste Antriebstechniken einzusetzen. Fast alle unsere Kunden produzieren erfolgreich in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Das heißt aber auch, dass modernste, individuell angepasste Oswald Motoren weltweit, zum Beispiel in Kunststoffmaschinen, Großpressen, Mischern, Schreddern, Sägemaschinen, Walzwerken, Nutzfahrzeugen oder Wasserkraftanlagen arbeiten. Für Antriebs- und Belastungsaufgaben in Getriebe- und Motorenprüfständen haben wir eine spezielle Motorreihe entwickelt. Diese Prüfstandmotoren sind aktuell bei allen namhaften Automobilherstellern der Welt und deren Zulieferern im Einsatz.

SCOPE: Welche Vorteile bieten Ihre Motoren dem Anwender im Vergleich zu anderen Entwicklungen?

Oswald: Wir reden typischerweise von Produktivitätssteigerungen und Energieeinsparung im Bereich von 20 bis 50%, bei dynamischen Anforderungen auch mal bis zu 100%, wenn es um die Optimierung bisheriger Antriebslösungen geht. Solche Verbesserungen sind auch bei kleinen Stückzahlen mit Engagement und vertrauensvoller Kooperation durch individuelle, kundenspezifische Entwicklungen erreichbar. Unsere Kunden schätzen unsere Loyalität. Sie verlassen sich darauf, dass wir die für sie entwickelten Motoren nicht 1:1 an ihre Mitbewerber verkaufen.

SCOPE: Was bedeuten Forschung und Entwicklung für Ihr Unternehmen?

Oswald: Wir befassen uns jenseits der eigenen Baureihen und kundenspezifischer Antriebe auch mit Spezialentwicklungen. Unter Leitung des Seniorchefs Bernhard Oswald, und in Zusammenarbeit mit Institutionen wie IHPT, Jena - IEMA, Stuttgart, IFW Dresden und MAI, Moskau, entwickeln wir supraleitende elektrische Maschinen. Ein weiteres Forschungs- und Entwicklungsgebiet ist die Magnetfeldtechnik. Wassergekühlte Magnetfeldspulen aus Miltenberg dienen Forschungsaufgaben in Plasmaphysik und Festkörperphysik. Derartige Spulen sind auch im Einsatz für die Laser- und Medizintechnik. Forschung und Entwicklung hat für alle unsere Produkte einen enorm hohen Stellenwert, und dies seit Gründung des Unternehmens vor mehr als 100 Jahren. Dies lässt sich an einem Beispiel der Elektromobilität verdeutlichen: Schon 1955 wurde das erste dieselelektrische Hybridfahrzeug, ein Lastenkran, mit unseren Antrieben gebaut.

SCOPE: Diese Technologien gehören ja schon fast zum Bereich Sonderentwicklung oder der Einzelfertigung. Sehen Sie sich überhaupt noch als Anbieter "normaler" Elektromotoren?

Oswald: Als permanentmagneterregte Synchronmaschinen sind unsere Torquemotoren spezialisiert auf hohe Momente bei mittleren Drehzahlen. In immer neuen Anwendungen verdrängen Direktantriebe Hydraulik- und Getriebemotoren. Die entscheidenden Vorteile für den Kunden sind dabei: Produktivitätssteigerung durch erhöhte Dynamik, massive Geräusch- und Wartungsreduzierung oder die fast unschlagbare Energieeffizienz der modernen Technik. Große Hohlwellen bieten Konstrukteuren darüber hinaus platzsparende und servicefreundliche Integrations- und Anbaumöglichkeiten. Wir entwickeln und fertigen aktuell Torquemotoren mit bis zu 170 000 Nm und 1000 kW Leistung, Tendenz steigend. Gemeinsam ist diesen Motoren, dass sie in Kleinserie von bis zu etwa 1000 Stück pro Typ und Jahr gefertigt werden. Das Unternehmen Oswald ist "Maßschneider" und kein Anbieter von "Stangenware".

SCOPE: Wo liegt die besondere Stärke des mittelständischen Familienunternehmens und wie schaffen Sie es, diese immer wieder neu zu entfalten?

Oswald: Neben innovativen Produkten dank exzellenter Entwicklungsarbeit sind, wie in vielen mittelständischen Unternehmen die Mitarbeiter, ihre Ideen, ihr Fleiß und ihr Engagement die Grundlage unseres Erfolgs. Damit ist es eine der primären Aufgaben der Geschäftsleitung für ein gutes und freundliches Betriebsklima zu sorgen, in dem Mitarbeiter kreativ, teamorientiert und mit Freude arbeiten können. In der Fertigung liegt der Schwerpunkt auf dem Einsatz modernster Maschinen und Einrichtungen, vernetzter Computertechnik und nachvollziehbaren Zuständigkeiten. Helle, freundliche, möglichst geräusch- und staubarme sowie umweltgerechte Arbeitsplätze mit großen Fenstern, geeignete Hub- und Schutzeinrichtungen und angepasster Gesundheitsvorsorge runden das Bild ab. Hinzu kommt eine fundierte berufliche Ausbildung. Mehr als 10% unserer Mitarbeiter sind Auszubildende. Jährlich absolvieren bei uns bis zu 40 Schüler und Studenten Schnupperlehren, Praktika oder Studiensemester. Immer wieder entstehen anspruchsvolle Abschlussarbeiten. Wir sind unseren Mitarbeitern verpflichtet und erfahren im Gegenzug ein großes Zugehörigkeitsgefühl, Engagement und Loyalität. Ein wertschätzendes Miteinander ist im deutschen Mittelstand weit verbreitet, wir sind nur ein Beispiel unter vielen. Unsere Mitarbeiter kommen fast ausschließlich aus der unmittelbaren Umgebung. Die Treue zu den Mitarbeitern ist so direkt verbunden mit der Treue zum Standort Miltenberg. Es gibt keine Alternative zu diesem Standort und seinen Menschen und wir sind stolz darauf. Darüber hinaus sind wir verbunden mit der Stadt, manchem Verein und unterstützen kontinuierlich kulturelle Veranstaltungen vor Ort. Mittelständler, die ihre traditionellen Werte leben, nämlich Ehrlichkeit, Verantwortung, Offenheit, Wertschätzung und Vertrauen in die eigene Stärke sind - so meine Erfahrung - besser beraten als mit sogenannten Trends und Erfolgsrezepten, die zu Investitionen in fernen Ländern drängen. Die Firma Oswald wird aktuell in dritter und vierter Generation als Familienunternehmen geführt. Im Vergleich liegen unsere Kennzahlen, wie Produktivität, Eigenkapitalanteil, Umsatzerlöse etc. gemäß einer aktuellen Studie deutlich über dem Branchendurchschnitt - auch wenn wir "nur" in Bayern produzieren...

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