Elektrische Antriebe und Steuerungen, Hydraulik und Pneumatik, Linear- und Montagetechnik

Innovation ohne Grenzen

SCOPE: Die Hannoversche Allgemeine schrieb am 2. Tag der Hannover Messe: „Der Export tröstet die Industrie“. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema ?

Grundke: Diese Aussage kann ich für Bosch Rexroth nicht so stehen lassen. Tatsache ist, dass sich der Binnenmarkt weiterhin sehr verhalten zeigt. Wir konnten zwar im vergangenen Jahr schneller als der Markt wachsen, im Maschinenbau ist aber weiterhin die Belebung der Inlandsnachfrage verhalten und viele Branchen halten ihre Investitionsprogramme auf Sparflamme. Und was den genannten Export angeht, so ist die Problematik des hohen Eurokurses gegenüber dem Dollar zu betrachten. Diese Tatsache zwingt uns, den erschwerten Wettbewerbsbedingungen für den deutschen Maschinenbau, und damit auch für Bosch Rexroth in Amerika und in Asien durch Erhöhung der Wertschöpfung im Dollarraum Rechnung zu tragen.

SCOPE: Gerade dies sind sensible Themen. Wie hat sich Bosch Rexroth positioniert ?

Grundke: Wir unterscheiden zwischen den Leitwerken, in denen wir komplexe Lösungen entwickeln und den Fertigungswerken, in denen unsere Produkte in Serie gehen – und das können wir natürlich im Ausland zu deutlich günstigeren Konditionen. Was beispielsweise die Hydraulik in unserem Hause angeht, so haben wir circa zwei Drittel unseres Volumens im Komponentengeschäft. Ein Bereich, der prädestiniert ist für die Auslagerung. Die Produkte sind austauschbar und die Kosten daher von zentraler Bedeutung. Das Gleiche gilt beispielsweise für die Produktion der Pneumatik, die nach Ungarn verlagert wurde. Wir können nur über diese Mischkalkulation von Leitwerken und Fertigungswerken wettbewerbsfähigere Kosten erreichen, und das wirkt sich letztendlich auch positiv auf die Beschäftigung im Inland aus. In den letzten drei Jahren haben wir trotz schwieriger wirtschaftlicher Lage circa 600 Stellen geschaffen, und den Großteil der Investitionen in Deutschland getätigt.

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SCOPE: Was müsste Ihrer Meinung nach denn getan werden, um Deutschland voranzubringen ?

Grundke: Ich möchte mich bei dieser Frage auf Aussagen zu Bosch Rrexroth beschränken. Wenn wir heute Mitarbeiter einstellen, müssen wir damit rechnen, dass wir die Beschäftigung nur zeitlich begrenzt für vielleicht fünf Jahre haben – also schon jetzt darüber nachdenken, welche Aufgaben wir dem neuen Mitarbeiter übertragen können, beziehungsweise wie viel uns die Trennung von dem Mitarbeiter unter Berücksichtigung der Sozialauswahl kosten könnte wenn wir keine Beschäftigung für Ihn hätten. Bevor man aber solche heute nicht kalkulierbaren Risiken eingeht, ist es nahe liegend dort zu investieren, wo diese Risiken geringer sind oder vielleicht nicht vorliegen. In Verbindung mit niedrigeren Standortkosten, höherem Wirtschaftswachstum und Wechselkurs- und Steuervorteilen findet als Folge von Investitionsentscheidungen dann zwangsläufig eher Personalaufbau im Ausland statt. Rahmenbedingungen die bei Investitionsentscheidungen wichtig sind werden leider wenig diskutiert.

SCOPE: Gibt es für Sie eigentlich noch ein „Made in Germany“ als Qualitätsprodukt ?

Grundke: Es darf bei Bosch Rexroth keine Unterschiede geben, ob unsere Produkte im Inland, in China oder Brasilien oder sonst wo produziert wurde. Für uns ist das Qualität stiftende Merkmal eher „Made by Rexroth“.

SCOPE: Sie haben die Anteilsmehrheit an der Oil Control Group erworben, einem führenden Hersteller der Kompakthydraulik. Warum ist dieser Markt für Sie so wichtig ?

Grundke: Mit unserer eigenen Kompakthydraulik konnten wir bislang kein marktgängiges Portfolio anbieten und waren daher immer unterrepräsentiert. Jetzt schließen wir eine Produktlücke und verbinden das enorme Potenzial von Oilcontrol mit der internationalen Vertriebsstruktur von Bosch Rexroth. Das Produktprogramm von Oilcontrol ist eine hervorragende Ergänzung zur unserem modular aufgebauten Ventilprogramm. In der Summe also eine weitere Verbesserung unseres Angebotes von Komponenten für die Platz sparende und elegante Realisierung von Schaltsystemen.

SCOPE: Wie ist die aktuelle Situation der Bosch Rexroth AG, und in welchen Segmente soll das Wachstum bevorzugt gesteigert werden ?

Grundke: Wir haben in 2004 einen Umsatz von rund 4,1 Milliarden erzielt, konnten uns also im Vergleich zu 2003 um 10,2 Prozent steigern. Dies ist im Wesentlichen auf die Märkte USA und Asien zurückzuführen und, sektoral betrachtet, auf die Mobilhydraulik und die Lineartechnik. Speziell in Asien verzeichnen wir eine deutliche Zunahme, und das zeigt, dass sich unsere bisherige Strategie in dieser Region, die mittlerweile 30 Jahre zurückreicht, bewährt hat. Bezüglich des weiteren Wachstums einzelner Segmente, werden wir unsere Position in der Hydraulik weiter ausbauen. In der elektrischen Antriebs- und Steuerungstechnik, wollen wir mit Hilfe unserer neuen völlig überarbeiteten Produktpalette deutlich wachsen.

SCOPE: Sie investieren über 80 Millionen Euro in China. Wird dieses Land schon in den kommenden Jahren zum größten Auslandsmarkt von Bosch Rexroth ?

Grundke: Das hängt vom dortigen Marktwachstum und unserer Leistung in China ab. China ist für uns der viertgrößte Auslandsmarkt nach den USA, Frankreich und Italien. Ich gehe davon aus, dass China in absehbarer Zeit Platz drei erreichen kann. Wir sind dort im vergangenen Jahr mit 15,7 Prozent enorm gewachsen und das ist auch der Grund dafür, in diesem Zukunftsmarkt weitere Kapazitäten aufzubauen und vermehrt Produkte für den chinesischen Markt zu entwickeln. Dieses „Design-to-Region“ erfüllt nicht nur die Anforderungen des dortigen Marktes, sondern wir sind damit auch näher am Kunden und damit wettbewerbsfähiger.

SCOPE: Schätzungen gehen davon aus, dass fast 10 Prozent der weltweit gehandelten Produkte Fälschungen sind. Was unternehmen Sie dagegen ?

Grundke: Zunächst versuchen wir auf der Innovationsseite so weit vorne zu liegen, dass nur „alte“ Produkte kopiert werden. Wachstum kann man nur über innovative Produkte und Lösungen erzielen. Eine technische Differenzierung hält jedoch nur etwas mehr als drei Jahre. Wir haben festgestellt, dass in immer größerem Stil Einzelteile kopiert werden, um verstärkt in das Ersatzteilgeschäft einzusteigen – das geht sogar bis hin zur Kopie der Artikelnummer. Dies ist besonders ärgerlich, da es im Störfall aufgrund minderer Qualität natürlich auf unsere Marke zurückfällt. Bisher wurden jedoch noch keine Komplettsysteme kopiert, hier gibt es offensichtlich eine technologische Hürde. Und wir werden weiterhin anstreben, über einen technologischen Vorsprung den Kopierern voraus zu sein.

SCOPE: Welche technischen Weiterentwicklungen sind für Sie vorrangig ?

Grundke: Eine Herausforderung ist meiner Meinung nach die konsequente Umsetzung der offenen Steuerungsarchitektur, um Produkte unterschiedlicher Hersteller einbinden und in ihrer vollen Leistungsbreite betreiben zu können, ungefähr so wie in der Office-Welt. Dort funktioniert beispielsweise auch jeder Drucker problemlos mit jedem PC. ­Rexroth hat auf der Hannover Messe erstmals eine solche offene Steuerungs- und Engineering-Plattform vorgestellt, die in der Lage ist, die Rexroth-Basistechnologien miteinander zu verknüpfen, und mit der der Kunde – wenn er es möchte – auch Produkte anderer Hersteller problemlos einbinden kann.

Ein weiterer Punkt ist sind Sicherheitsfunktionen. Über integrierte Sicherheitsfunktionen und ausfallsichere Software hinaus sehe ich Bedarf für technische Weiterentwicklungen für die Sicherheit beim Austausch von Betriebsdaten und dem Verhindern unberechtigter Zugriffe bei drahtloser Datenübertragung. Es besteht die Gefahr, dass durch unerlaubten Zugriff von außen Störungen auftreten. Hier besteht weiterhin Innovationsbedarf.

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