Clinchen

"Strategie wie Toyota"

Tox Pressotechnik bietet von der Blechverbindung bis zur Fügezange über die Steuerung und das Qualitätssicherungs- system bis zur kompletten Anlage die gesamte Prozesskette an. SCOPE-Chefredakteur Hajo Stotz befragt Geschäftsführer Dr. Wolfgang Pfeiffer zur Produkt- und Marktstrategie.

SCOPE: Herr Dr. Pfeiffer, Tox Pressotechnik hat vor 29 Jahren mit Lösungen zur hitzefreien Verbindung von Blechen begonnen. Heute bieten Sie von der Blechverbindung bis zur Fügezange über die Steuerung und das Qualitätssicherungssystem bis zur kompletten Anlage die gesamte Prozesskette an. Für ein Unternehmen mit weltweit 640 Mitarbeitern ein sehr breites Spektrum. Da wird wohl das meiste zugekauft?

Dr. Pfeiffer: Keineswegs. Das Gegenteil ist der Fall. In all den Jahren hat Tox Pressotechnik stets die Strategie verfolgt, Kernprozesse und damit –kenntnisse im Hause zu belassen und weiterzuentwickeln. Wir haben uns damit ganz bewusst vom allgemeinen Trend abgesetzt. Übrigens, wie wir mittlerweile alle wissen, hat Toyota genau die gleiche Strategie angewandt.

SCOPE: Wieviele Entwickler beschäftigen Sie, und wie viel Prozent des Umsatzes re-investieren Sie in R&D?

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Dr. Pfeiffer: Dies ist keine einfache Frage, weil bei Tox, als überschaubare Firmengruppe, Entwicklungs- und Projektarbeit in einer sehr effektiven und damit synergieschöpfenden Weise miteinander verwoben sind. Ich möchte mit etwa 10 bis 20 Prozent der Mitarbeiter wie auch des Umsatzes antworten.

SCOPE: Wo liegen die Vorteile dieser breiten Palette für den Anwender?

Dr. Pfeiffer: Unser Portfolio hat sich maßgeblich aus den Anforderungen unserer Kunden und unserer eigenen Vorstellungen der Marktentwicklung ergeben. Wir haben uns auf diesem Weg in einer ganz natürlichen Weise vom Komponentenlieferanten zum Systemlieferanten ausbauen können. Reaktionsfähigkeit, wegen unserer hohen Wertschöpfungstiefe und internationaler Präsenz, Problemlösungskompetenz, wegen unseres breiten Portfolios sind die Vorteile für unsere Kunden.

SCOPE: Tox bezeichnet sich als Marktführer für Antriebssysteme und Verbindungstechnik. Können Sie das näher definieren? Bezieht sich die Bezeichnung auf die Kombination der zwei Bereiche?

Dr. Pfeiffer: Wir beziehen uns dabei auf linear agierende Antriebssysteme aller Art für Blechverbindungen, präzise Einpressaktionen und Stanzungen sowie auf den Tox Rundpunkt, unsere Version der Verbindung mehrerer Bleche, die man als Clinchen definiert. Unsere Marktstellung können Sie auch daran erkennen, dass Clinchen in den Produktionshallen dieser Welt oft als Toxen bezeichnetet wird.

SCOPE: Im Bereich Rundpunkt-Blechverbindungsverfahren sind Sie Weltmarktführer. Wo liegen die Vorteile gegenüber dem Schweißen?

Dr. Pfeiffer: An erster Stelle sind hier niedrigste Kosten bei höchster Qualität, Verlässlichkeit und Verfügbarkeit zu nennen. Dies möchte ich gerne näher ausführen: Bei ungefähr vergleichbaren Investitionskosten liegen die Aufwendungen für die laufende Produktion sehr viel niederer. Dabei wird aufgrund einfacher physikalischer Zusammenhänge eine außergewöhnlich verlässliche Produktionssicherheit erreicht. Kein Lärm, Rauch oder Abfall wird erzeugt. Weil beim Clinchen die Antriebsenergie fast vollständig in das Fügeverfahren umgesetzt wird, ist keine aufwändige Kühlung nötig. Der Tox Rundpunkt ermüdet bei der in den meisten Anwendungen unvermeidbaren dynamischen Belastung deutlich geringer als der vergleichbare Schweißpunkt.

SCOPE: Allerdings ist das Schweiß-Verfahren in jedem Betrieb bekannt, zu dem Tox-Verfahren liegen meist keine Erfahrungen vor. Bieten Sie den Firmen hier Unterstützung an?

Dr. Pfeiffer: Wir schauen uns gemeinsam mit den potenziellen Kunden seine Aufgabenstellung an. Dabei betrachten wir natürlich sowohl die Investitions- als auch die laufenden Kosten, geben ganz konkreten Garantieaussagen und überlassen den Firmen die abschließende Beurteilung. Diese objektivierende Vorgehensweise hat uns bisher in ganz hervorragender Weise weltweit viele Projektrealisierungen und neue Stammkunden eingebracht.

SCOPE:Auch die Antriebstechnik steht in Ihrem Programm. Was bieten Sie hier an?

Dr. Pfeiffer: Unser Tox-Kraftpaket ist ein pneumatisch angetriebener Zylinder, der aufgrund interner Ölhydraulik in Kraftbereiche bis zu 2.000 kN vorstößt. Jahrelange Erfahrung und ständige, intensive Weiterentwicklung ergaben bisher 180.000 Einsätze weltweit. Dazu gesellen sich seit bereits einigen Jahren erfolgreich unsere sehr kompakten elektrischen Servoantriebe mit integrierter SPS auf Basis der IEC 61131, die mit großer Sensibilität und Flexibilität präzise und kraftvoll zur Sache gehen. Die beiden sich ergänzenden Antriebsfamilien eignen sich damit perfekt für unsere Blechfügeverfahren, wie z.B. den Tox Rundpunkt. Abgerundet werden unsere Gesamtsysteme durch die offene, netzwerkbasierte und produktübergreifende Softwareplattform ToxsoftWare für die Konfiguration, Parametrierung und Bedienung.

SCOPE: Zur Prozessüberwachung bieten Sie die eigene Lösung CEP 400, ebenso eigene elektrische oder pneumatische Steuerungen bis zur SPS. Können Ihre Systeme in ein bestehendes Steuerungsnetz integriert werden?

Dr. Pfeiffer: Die neue CEP 400 wie auch all unsere Elektroantriebe sind standardmäßig mit Profibus, Can Open und Ethernet ausgerüstet und können darüber hinaus durch Gateways mit allen derzeitigen und künftigen Kundenstandards kommunizieren. Applikative Integrationen und Umsetzungen von Standard- wie auch Kundenschnittstellen auf der Prozess- und Leitebene ist eine unserer großen Stärken.

SCOPE: Sie fertigen in China mit über 240 Mitarbeitern mechanische, elektromechanische und elektronische Teile und Baugruppen. Wird auch am Standort Deutschland produziert? Und wo findet das Engineering statt?

Dr. Pfeiffer: Der Produktionsstandort China, wie übrigens auch in Zukunft Indien, gibt uns die Möglichkeit geringster Herstellungskosten vor allem für Standardprodukte. Unsere vollumfänglich kompetente Produktion in Deutschland ermöglicht schnellste Reaktionszeiten. Das Engineering erfolgt in Form der Entwicklung von Produkten und Festlegen von Standards in Deutschland, die Konstruktion von Kundenmaschinen erfolgt auch weltweit vor Ort.

SCOPE: Sie haben sich als Mittelständler bereits früh auf ausländische Märkte begeben, sind im Ausland mit 14 Niederlassungen vertreten, seit über 20 Jahren bereits in USA und fertigen auch in China seit 14 Jahren. Welche Märkte sehen Sie daneben heute als vielversprechende Herausforderung?

Dr. Pfeiffer: Wir haben im letzten Jahr Tox Indien gegründet. Unsere Erwartungen in diesen Markt wurden bisher in vielversprechender Weise erfüllt.

SCOPE: Noch ein Wort zum wirtschaftlichen: Wie hat sich das letzte Geschäftsjahr entwickelt und welche Erwartungen haben Sie an 2007?

Dr. Pfeiffer: Wegen unserer breiten Produktpalette und internationale Präsenz ergibt sich seit Jahren ein gesundes und gleichmäßiges Umsatzwachstum.

SCOPE: Wie sieht Ihre weitere Strategie im Hinblick auf technologische Entwicklungen aus? Und was stellen Sie auf der Blechexpo in Stuttgart neu vor?

Dr. Pfeiffer: Auf der Blechexpo werden wir die Stärke der mechanischen Fügetechnik im Vergleich zu wärmegebunden Verfahren deutlich erweitern, nämlich die Überwachung und Sicherung der Produktion. Wir präsentieren ein einfaches und robustes System zur Werkzeugbruchüberwachung. Stellen Sie sich bitte vor, was es bedeutet, wenn bei dem ohnehin kostengünstigsten Fügeverfahren Clinchen die hoch spezialisierten Werkzeuge bis zum Bruch genutzt werden können, ohne die stabile Produktion zu gefährden.

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