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„IT-Kosten senken für mehr Innovation“

Als Lösungsanbieter im IT-Bereich ist Dell Services – früher Perot Systems –, eine eigenständige Business-Unit von Dell, unter anderem stark auf die Fertigungsindustrie fokussiert. Welche Lösungen das sind und welche Ansätze das Unternehmen verfolgt, erläutert Deutschland-Geschäftsführer Andreas Stein im Interview mit dem CAD-CAM-Report.
"Wir glauben, dass wir als Fertigungsunternehmen besser mit unseren Kunden in der Fertigungsindustrie über die Anforderungen an die IT diskutieren können als ein reiner IT-Dienstleister", sagt Andreas Stein, Geschäftsführer Deutschland bei Dell Services. (Bild: Dell Services)

CCR: Herr Stein, warum kann Dell Services insbesondere Lösungen für die Fertigungsindustrie bieten?

Stein: Zukünftig werden anstelle von Hardware oder IT-Dienstleistungen vor allem Lösungen gefragt sein. Das war auch der Grund für Dell, eine eigenständige Business-Unit Dell Services aufzubauen, die sich als Lösungsanbieter am Markt positioniert. Mit der Akquisition von Perot Systems im November 2009 sind wir hier einen großen Schritt weitergekommen. Aus der Perot-Historie stammt auch der Fokus auf die Fertigungsindustrie, der aber durch die Zugehörigkeit zu Dell noch verstärkt wird. Denn Dell selbst ist ebenfalls ein Fertigungsunternehmen. Das bedeutet, dass wir Unternehmen der Fertigungsindustrie besonders gut beraten können, weil wir selbst über die entsprechende Erfahrung verfügen. Auch wir arbeiten innerhalb der Lieferkette mit Zulieferern zusammen und managen verteilte Standorte. Ein weiterer wichtiger Punkt dabei ist: Wir setzen unsere Lösungen auch selbst ein, haben sie also bereits an uns selbst getestet.

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CCR: Können Sie uns kurz beschreiben, was sie unter einer Lösung verstehen?

Stein: Das sind vor allem Wege, die Effizienz der IT zu erhöhen und die Kosten zu senken. Wobei es unser Ziel ist, den Erfolg unserer Kunden nachhaltig zu stärken. Dazu sehen wir drei große Ansatzpunkte. Erstens geht es darum, Geschäftsprozesse zu optimieren, indem wir innovative Lösungen entwickeln oder einsetzen – etwa solche für das PLM, das Product Lifecycle Management. Zweitens wollen wir über klassische IT-Tools die Kosten senken. So gibt es beispielsweise viele Möglichkeiten, im Bereich der Desktop-, Server- und Speicher-Hardware günstigere Lösungen zu finden – hier können wir natürlich auf das breite Dell-Angebot verweisen, allerdings positionieren wir uns bewusst Hardware-unabhängig. Will der Kunde andere Geräte und erfüllen diese die Aufgabe genauso, realisieren wir auch damit eine Lösung. Ziel ist es, die Kosten für den Betrieb auf 50 Prozent zu begrenzen.

CCR: Könnten Sie das näher erläutern?

Stein: In den meisten Fällen geben heute die Anwender-Unternehmen rund 80 Prozent ihres IT-Budgets dafür aus, die Systeme in Betrieb zu halten. Um Innovationen voranzutreiben, stehen damit nur die restlichen 20 Prozent zur Verfügung. Das wollen wir ändern, die Grenze muss bei 50 Prozent liegen. Oder, um es anders zu formulieren: Wir wollen die Kosten des Betriebs der IT-Systeme senken, um Gelder für die Finanzierung innovativer Projekte freizubekommen. Etwa das Ausrollen einer SAP- oder PLM-Lösung sowie die Installation von Frühwarnsystemen und intelligenten Konfiguratoren. Denn nur damit können die Unternehmen langfristig am Markt erfolgreich sein. Erfreulicherweise stellen wir fest, dass die Bereitschaft steigt, hier größere Investitionen anzugehen.

CCR: Wie sieht der dritte Ansatzpunkt aus, mit dem Dell Services den Erfolg der Kunden stärken will?

Stein: Das betrifft die Anwendungs-Entwicklung. Vielfach finden sich in den Unternehmen zahlreiche verschiedene Software-Lösungen, deren Instandhaltung und Wartung zu hohen Kosten und Abhängigkeiten führt. Durch unsere Präsenz an mehreren Niedriglohnstandorten für die Software-Entwicklung sind wir hier in der Lage, mehrere Aufgaben in einer Anwendung zu bündeln, so dass sich diese einfacher und damit kostengünstiger warten lässt. Das funktioniert gut – wenn man es richtig macht! Das war vor drei Jahren eher noch eine spannende Idee, wird aber heute immer mehr zu einem betriebswirtschaftlichen Muss.

CCR: Lassen Sie uns noch einmal kurz auf den ersten Punkt zurückkommen. Welche innovativen Lösungen sehen Sie derzeit, mit denen sich Geschäftsprozesse verbessern lassen?

Stein: Ein hochinteressantes Thema sind beispielsweise MES – Manufacturing Execution Systems –, mit denen sich ERP- und Fertigungsebene koppeln lassen. Bezogen auf das Engineering gehören dazu vor allem Varianten-Konfiguratoren, die bei fast allen unserer SAP-Projekte enthalten sind – da bietet sich aus unserer Sicht noch ein erhebliches Potenzial. Konkret kann es dabei etwa um die Fragestellung gehen, was für Folgen sich aus bestimmten Entscheidungen ergeben. Soll beispielsweise in der Automobilindustrie ein Außenspiegel etwas kleiner werden und ein Stück versetzt angebracht werden, hört sich das zunächst nach einer marginalen Änderung an. Kann man allerdings schnell erkennen, dass dies die ganze Türkonstruktion beeinflusst und enorme Zusatzkosten mit sich bringt, überdenkt man die Entscheidung vielleicht. Solche Fragestellungen sind zwar noch schwer zu beantworten, aber genau dafür wollen wir durch Senkung der IT-Kosten ja Gelder frei machen.

CCR: Sie sprechen Konfiguratoren vor allem im Zusammenhang mit SAP-Projekten an. Welche Rolle spielt SAP für Dell Services?

Stein: Die ERP-Lösungen von SAP sind für uns ein sehr wichtiges Thema; nicht zuletzt haben wir deswegen – noch als Perot Systems – die auf die Automotive-Branche spezialisierte Fertigungs-Sparte des SAP-Beratungshauses HighQ IT übernommen. Speziell bei Standardlösungen verfügte das Unternehmen über ausgeprägte Kompetenzen und war daher eine gute Ergänzung für uns. Das ist vor allem deshalb von Bedeutung, weil wir nicht die große Anzahl reiner PLM-Projekte sehen, wohl aber PLM-Komponenten in unseren SAP-ERP-Projekten. Speziell hier stoßen wir immer wieder auf das Thema der Konfiguratoren, wenn etwa Verkäufer sehr schnell herausfinden müssen, was eine bestimmte Variante kostet und wie schnell diese geliefert werden kann.

CCR: Welche Rolle spielen dann Anbieter von PLM-Lösungen im Engineering-Umfeld?

Wenn etwa bei den Konfiguratoren sehr viel Engineering-Know-how erforderlich ist, arbeiten wir auch mit den entsprechenden Anbietern in diesem Bereich zusammen, beispielsweise mit PTC bezüglich der Windchill-Umgebung. Im Übrigen verfügt Dell Services auch über eine kleinere Einheit für Ingenieur-Dienstleistungen, über die wir in Kontakt mit fast jedem PLM- und CAD/CAM-System kommen.

CCR: Könnten Sie uns abschließend noch ein Beispiel nennen, wie sich etwa ein Rechenzentrum effektiver betreiben lässt?

Stein: Das fängt bei einfachen Dingen wie dem Energieverbrauch an. Neue Server rechnen sich auf diese Weise gegebenenfalls sehr schnell. Weitere Beispiele liefert die Virtualisierung. Lief früher jede Applikation auf ihrem eigenen Server, selbst wenn dieser dadurch nur zu 30 Prozent ausgelastet war, lassen sich heute virtuell mehrere Server – und damit mehrere Anwendungen – auf einem Hardware-Server unterbringen. Folglich brauche ich weniger Server und spare Platz, Kosten und Betreuungsaufwand. Interessant ist dieses Konzept auch im End-User-Computing, klassisch etwa in Call-Centern. Damit hier jeder Anwender mit seinen individuellen Einstellungen an jedem beliebigen Platz arbeiten kann, lassen sich diese als Image auf dem Server halten – was wiederum die Wartung deutlich vereinfacht. Allerdings wird man das nicht mit einem CAD/CAM-Arbeitsplatz machen können, angesichts der großen Datenmengen lohnt sich das hier verständlicherweise nicht. Zusammenfassend kann man sagen: Lassen sich Aufgaben automatisieren, sinken Wartungsaufwand und -kosten, vor allem aber können sich die IT-Mitarbeiter mit den genannten innovativen Projekten beschäftigen. In dieser Hinsicht wird sich sicher auch das Cloud-Computing durchsetzen. -co-

Dell Services, Frankfurt am Main Tel. 069/66446-400, http://www.dell.de

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