Wasserbasierte Schmierstoffe

Zurück zu den Wurzeln

Vor über 175 Jahren belieferte Bechem Drahtzugbetriebe mit pflanzlichen Ölen und Fetten. An Mineralöl war damals noch nicht zu denken. Heute, wo sehr viel über Mineralöl nachgedacht und diskutiert wird, tut Deutschlands ältester Hersteller von Hochleistungsschmierstoffen etwas: Vor dem Hintergrund der Ressourcenproblematik findet er seinen Weg zurück zu einer biologischen Rohstoffbasis und gleichzeitig nach mit neuen mineralölfreien Hochleistungsschmier- und Verfahrensstoffen.

Auslieferungsgespann auf dem Bechem Firmengelände im Jahr 1922

Napoleons Truppen befanden sich nach der Völkerschlacht bei Leipzig auf dem Rückzug durch das Arrondissement Hagen des Ruhrdepartements. Vierzehn Jahre nach dem Ende der französischen Herrschaft zog ein weitsichtiger junger Carl Bechem aus der nahen Textilstadt Elberfeld nach Hagen und gründete im Jahr 1834 ein Unternehmen, dass sich in der Gründungsphase neben Schmierölen auch noch mit dem Import von Arzneipflanzen befasste. Die industrielle Revolution hatte begonnen. Schon bald versorgte das Unternehmen die wachsende Industrie mit Schmierölen und -fetten. Neben der Montanindustrie im Ruhrgebiet und dem aufkeimenden Eisenbahnwesen bildeten die vielen Drahtziehereien im Raum Altena die wichtigste Kundengruppe. Carl Bechems „erste deutsche Ölfabrik“ belieferte die damaligen Drahtzugbetriebe mit Rapsöl, dessen Gesamtproduktionsmenge von der Ölmühle in Rathenow bezogen wurde. Pflanzliche Öle und tierische Fette waren bis zur Einführung der Mineralöle aus Amerika noch der Industriestandard. Carl Bechem stand dem neuen Rohstoff anfangs sehr skeptisch gegenüber, vermutete eher minderwertige Qualität und hatte den ersten Vertreter für Mineralöle beinahe „als Betrüger“ aus dem Haus befördert. Dennoch hatten die Mineralöle Ende der 1880er Jahre pflanzliche Schmiermittel verdrängt, wenngleich diese weiterhin Legierungsbestandteil der neuen Mineralölprodukte blieben. Die jahrelangen Erfahrungen mit pflanzlichen Schmierstoffen hatte das Unternehmen schnell in die Lage versetzt, mit den neuen mineralölbasierten Produkten Erfolge zu erzielen.

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Die ersten drei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts waren durch einen enormen technologischen Fortschritt geprägt. Modernere Maschinen mit höheren Belastungen, Geschwindigkeiten und Temperaturen stellte immer höhere Anforderungen an Industrieschmierstoffe. Bei Bechem erkannte man sehr früh Schmierstoffe als integralen Bestandteil von Produkt- und Maschinenkonstruktionen. In den 1930er Jahren arbeitete man bereits mit einem Stab von Chemikern und Ingenieuren in enger Zusammenarbeit mit den Kunden. Große Unternehmen wie zum Beispiel die Kugellagerfabriken in Schweinfurt, die Automobilindustrie mit vielen vor- und nachgelagerten Industrien gehörten neben der Schwerindustrie mittlerweile zum Kundenstamm.

Heute ist der Schmierstoffhersteller mit 400 Mitarbeitern und über 60 Tochter- und Partnerunternehmen weltweit aktiv. Neben dem Stammwerk in Hagen verfügt das Unternehmen in Deutschland über weitere Produktionsstätten in Mieste und Kierspe sowie in China, Indien und in den USA. Es verkauft über 800 verschiedene Schmierstoffe und zahlreiche Exklusiv-Produkte für verschiedene Anwendungsfelder. Der Markt wird durch die Business Units Metallbearbeitung, Umformtechnik, Schwerindustrie, Sonderschmierstoffe, die unter anderem die Automotive und Lebensmittelindustrie umfasst, und Bio-Schmierstoffe unterstützt. Bio weist hierbei auf eine stets aktuelle Herausforderung hin: Nachhaltiges und energieeffizientes Wirtschaften.

Nachhaltiges Wirtschaften

Die erste Ölkrise in den 1970iger Jahren, die die Abhängigkeit der Industriestaaten vom Mineralöl deutlich machte, rückte alternative Energieträger und Rohstoffe in das öffentliche Interesse. Viele Schmierstoffentwicklungen beinhalteten deshalb wieder verstärkt pflanzliche Grundöle und führten zu einer neuen Generation teil- und vollsynthetischer Bioschmierstoffe. Die drohende Ressourcenknappheit, insbesondere die von Mineralöl hat mittlerweile eine dramatische Dimension erreicht. Zurückgehende Ölfördermengen, politische und wirtschaftliche Unwägbarkeiten weisen auf hohe Risiken hinsichtlich Verfügbarkeit, Preisentwicklung und möglicherweise schwankende Produkteigenschaften dieses wertvollen Roh-, Betriebs,- und Schmierstoffs hin.

Bechem arbeitet vor diesem Hintergrund konsequent an der Weiterentwicklung und Neuentwicklung mineralölfreier Hochleistungsschmier- und Verfahrensstoffe und ist Pionier und führender Anbieter wasserbasierter mineralölfreier Kühlschmierstoffe, die in der spanenden und spanlosen Metallbearbeitung eingesetzt werden. Der mineralölfreie und vollständig wasserlösliche Kühlschmierstoff Berufluid wird für Zerspanungsoperationen mit definierter und undefinierter Schneide sowie für Umformprozesse eingesetzt. Bei Hochleistungsschleifoperationen können gute Zeitspanvolumina erreicht werden. Gute Bearbeitungsparameter werden bei Zerspanungsoperationen mit definierter Schneide erreicht. Für den nicht brennbaren Kühlschmierstoff sind Brand- und Explosionsschutzeinrichtungen nicht erforderlich.

„Die Viskosität des neuen Mediums kann im Gegensatz zu herkömmlichen Emulsionen optimal auf den Bearbeitungsprozess eingestellt werden, so dass es zum Beispiel bei anspruchsvollen Schleifanwendungen durch erzielbare höhere Zeitspanvolumina und eine Verlängerung der Werkzeugstandzeit zu einer Optimierung der Prozesswirtschaftlichkeit kommt“, so Leiter Labor und Entwicklung Metallbearbeitung Dr. Heinz Dwuletzki. „Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit sind bei dieser neuen Produktfamilie völlig im Einklang. Das wird erst recht deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass viele anspruchsvolle Zerspanungsprozesse, obwohl anders möglich, heute noch mit dem knappen Rohstoff Mineralöl durchgeführt werden.“ ee

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Globales Ölfördermaximum - Interview mit Herrn Dr. Heinz Dwuletzki, Leiter Labor und Technik Metallbearbeitung, Bechem und Herrn Kay Marschalkowski, Institut für Spanende Fertigung, Technische Universität Dortmund

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