VDW-Symposien

Andreas Mühlbauer,

US-Wirtschaftsboom beflügelt Werkzeugmaschinennachfrage

In den ersten drei Quartalen stieg der Auftragseingang der Werkzeugmaschinenindustrie in den USA nach Angaben des US-Werkzeugmaschinenverbands um 27 Prozent auf 3,4 Mrd. Euro. Allein im September schossen die Bestellungen um 50 Prozent in die Höhe.

Die mehr als 130 US-Teilnehmer schätzten die Möglichkeit zum intensiven Dialog während der VDW-Symposien. © VDW

Nach China sind die USA der zweitgrößte Werkzeugmaschinenmarkt der Welt mit einem Anteil von 11 Prozent und einem Volumen von rund 8 Mrd. Euro. Für 2018 wird ein Anstieg des Verbrauchs von über 13 Prozent auf Dollar-Basis erwartet. 2019 sind es dann nochmals 5 Prozent. Rund 60 Prozent des US-Werkzeugmaschinenbedarfs werden importiert. Deutschland ist mit knapp einem Fünftel der zweitwichtigste Lieferant. Grund genug für den VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken), Anfang Dezember erstmals Symposien deutscher Hersteller für den US-amerikanischen Markt zu veranstalten.

„Für unsere Firmen läuft es in den USA derzeit prächtig“, sagt Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer des VDW. „Alle Rahmendaten zeigen nach oben, nicht zuletzt, weil die US-Regierung mit der Unternehmenssteuersenkung und attraktiven Abschreibungsbedingungen investitionsfreundliche Rahmenbedingungen gesetzt hat. Unsere Mitglieder machen gute Geschäfte in ihrem zweitgrößten Absatzmarkt. Der VDW hat deshalb entschieden, in Detroit und Charlotte zwei Symposien zu organisieren. Damit wollen wir den US-Kunden exklusiv unsere Leistungsfähigkeit präsentieren“, sagt Schäfer weiter. 21 namhafte deutsche Anbieter sind mit dabei. Sie stellen ihre Angebote zu den Themen 5-Achs-Technologie und Komplettbearbeitung, Präzision und Leistungsfähigkeit, Digitalisierung und Automatisierung sowie Verzahntechnik vor.

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Für seine Symposien hat der VDW zwei attraktive Regionen mit zahlreichen Werkzeugmaschinenanwendern gewählt. Markus Schlipphak, Vice President of Engineering, Heller Machine Tools, in Troy, bestätigt: „Die Regionen um Detroit und Charlotte sind wegen der zahlreichen dort ansässigen Abnehmerindustrien sehr interessant. Insbesondere sind die Automobil- und Zulieferindustrie dort stark vertreten und bieten hervorragende Geschäftsmöglichkeiten.“

Deutsche Werkzeugmaschinenhersteller in den USA aktiv

Die USA sind für deutsche Hersteller beileibe keine weiße Landkarte, sondern der zweitgrößte Exportmarkt. Im vergangenen Jahr wurden Maschinen für mehr als 1,2 Mrd. Euro exportiert, hauptsächlich Bearbeitungszentren, Teile und Zubehör, Laser, Schleif- und Drehmaschinen. In den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres lagen die Ausfuhren 6 Prozent über Vorjahr. Der Markt wird jedoch nicht nur aus Deutschland heraus bedient. Fast 50 Anbieter sind in mehr als 170 Niederlassungen mit Vertrieb, Service und/oder Produktion auch vor Ort aktiv. „Die USA sind nach der Schweiz und China der drittgrößte Produktionsstandort für unsere Firmen. Zu den genannten Exporten kamen 2017 nochmals Maschinen im Wert von 325 Mio. Euro hinzu, die im Land selbst für den US-Markt produziert wurden“, erläutert Schäfer vom VDW. Jürgen Gögelein, Area Sales Manager bei den Chiron Werken in Tuttlingen, ergänzt: „Mit eigenen Niederlassungen in Detroit und Charlotte ist man in den USA den Kunden in jeder Hinsicht näher. Das hat sich für uns in den Bereichen Vertrieb, Service, Turnkey-Engineering und Ausbildung außerordentlich bewährt.“

Deutsche Hersteller haben in den USA auch gute Absatzchancen, weil sie ein breites Angebot an Hochtechnologie liefern können, denn es gibt kaum nennenswerte US-Anbieter, die in diesem Segment tätig sind. „Im Highend Bereich gibt es kein Angebot von US-Anbietern“, bestätigt Maximilian Waizenegger, Sales Manager, Maschinenfabrik Berthold Hermle, Gosheim.

Qualität aus Deutschland steht bei US-Anwendern hoch im Kurs

Die USA wollen ihre Industrie modernisieren und fit machen für den Weltmarkt. Die fortschreitende Automatisierung bietet neue Möglichkeiten, beispielsweise bei der Vernetzung und Überwachung von Industrieanlagen und Maschinen sowie der Optimierung von Produktionsprozessen bis hin zur Effizienzsteigerung in der gesamten Lieferkette. Alternative Werkstoffe wie Titan oder Kohlenstofffasern benötigen neue Verarbeitungstechnologien. Hier haben deutsche Anbieter einiges zu bieten.

Qualität aus Deutschland ist ein wichtiges Verkaufsargument für US-Kunden. „Wir haben bereits seit Ende der 90er Jahre, also seit über 20 Jahren, sehr gute Beziehungen zu deutschen Werkzeugmaschinenherstellern und deren Vertretern. Nachdem diese Beziehungen und das Verständnis für die Bedürfnisse einmal aufgebaut sind, entsteht daraus eine Art Partnerschaft und das ist der Grund, auf deutsche Maschinen zu setzen“, sagt Symposiumsteilnehmer Lincoln Hughes, Director of Manufacturing Systems and Analytics, American Axle & Manufacturing.

Nicht zuletzt deshalb schätzten die mehr als 130 US-Teilnehmer auch die Möglichkeit zum intensiven Dialog während der Symposien. Die Vorträge der beteiligten Firmen gaben gute Einblicke in ihr Angebot. Die B2B-Meetings, die bereits im Vorfeld geplant waren, und der Abendempfang boten vielfältige Möglichkeiten für die Vertiefung der Kontakte. „Das Format ist gut. Es gibt einen guten Überblick über die verschiedenen Produkte und Lösungen. Ich finde einige der Präsentationen sehr interessant, weil sie uns erlauben, neue Ideen zu durchdenken und einige der besten Lösungen umzusetzen“, resümiert Hal Gerber, Executive Director Market Development, Shiloh Industries.

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