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VDMA-Studie: E-Mobility - Chancen und Risiken für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau

"Die Automobilindustrie steht vor einem großen Wandel", erläutert Ralf Kalmbach, Partner und Mitglied der weltweiten Geschäftsführung bei Roland Berger. "Die Notwendigkeit, CO2-Emissionen zu reduzieren, wird in den kommenden Jahren zu einem rasanten Anstieg der Elektromobilität auf den weltweiten Märkten führen. Das bedeutet eine große Umstellung - nicht nur für die Automotive-Branche, sondern auch für den Maschinen- und Anlagenbau." VDMA-Präsident Dr. Thomas Lindner: "Wir sind mit unserer Produktionstechnik diejenige Branche, auf die es dabei wesentlich ankommt. Auch die Mobilität der Zukunft muss produziert werden."

Die Automobilproduktion - wichtige Wachstumschance für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau
Für die deutsche Maschinenbaubranche spielt der Automobilbau schon jetzt eine wichtige Rolle. So wurden im Jahr 2010 rund 14 Milliarden Euro direkt im Automotive-Bereich umgesetzt. Zusätzlich existieren indirekte Beziehungen: Maschinen und Anlagen werden oft in vorgelagerte Wertschöpfungsstufen der Automobilbranche geliefert. Die Bedeutung des Maschinen- und Anlagenbaus wird vermutlich weiter zunehmen: Wurden im vergangenen Jahr rund 72 Millionen Autos weltweit verkauft, so werden es im Jahr 2020 voraussichtlich 100 Millionen sein.

Vor allem die Automobilnachfrage in den BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) zeigt sehr hohe Wachstumsraten. "Dabei gehen wir davon aus, dass im Jahr 2025 rund 40 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge einen Hybrid- oder vollelektrischen Antrieb haben werden. An dieser Entwicklung arbeiten die Automobilhersteller gerade sehr intensiv", so Berger-Experte Kalmbach. Für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau bedeutet dies ein zusätzliches Geschäftspotenzial von 4,8 Milliarden Euro bis zum Jahr 2020 durch neue Anlagen für die Produktion von Batteriezellen.

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Neue Produktionstechnologien sind gefragt
"Mit einem Substitutionseffekt ist mittelfristig nicht zu rechnen", unterstreicht Lindner. "Die herkömmliche Produktionstechnik für Verbrennungsmotoren fällt nicht abrupt weg, da Hybridkonzepte lange dominieren werden." Aber die zunehmende Verbreitung der Elektromobilität wird eben auch für zusätzliche Geschäftschancen im Maschinenbau sorgen: Neue Produktionsanlagen für Komponenten des elektrischen Antriebsstrangs werden gefragt sein. Der Maschinenbau wird vor allem erheblich dazu beitragen, Qualitäts- und Kostenziele bei Batterien und Elektromotoren zu erreichen. So entstehen zum Beispiel rund 50 Prozent der Batteriekosten in der Fertigung. Durch den Einsatz von intelligenten Produktionssystemen können hier große Optimierungspotenziale erschlossen werden. VDMA-Präsident Lindner: "Das globale Rennen gewinnt, wer den größten Beitrag zur Kostenreduktion über intelligente, automotive-gerechte Fertigungstechnologien leisten kann. Das ist eine immense Chance für unsere Unternehmen".

Elektrische Antriebe erfordern für ihre neuen Komponenten auch neue Produktionstechnologien, die in der Automobilindustrie bislang kaum eingesetzt wurden. "Bisher spielte die Metallverarbeitung im Automobilbereich eine sehr wichtige Rolle", erläutert Kalmbach. "Nun werden für die Batterieproduktion ganz andere Technologien gefragt sein. Denken wir nur an die Beschichtung der Elektroden. In Folge werden auch die Maschinenbauer ihr Produktportfolio entsprechend anpassen müssen."

Regionale Märkte gewinnen an Bedeutung
"Komponenten für E-Motoren und vor allem Batterien werden demnächst in den jeweiligen Fahrzeugmärkten, d.h. auch in Europa und den USA, produziert werden", erklärt Roland Berger Partner Kalmbach. "Durch den hohen Automatisierungsgrad spielen Lohnkosten bei der Produktion nur eine geringe Rolle und die Ansiedlung in Niedriglohnländern macht aus dieser Perspektive wenig Sinn." Zusätzlich sind die Transportrisiken bei Batteriezellen ein wichtiger Faktor, da Umwelteinflüsse wie Temperaturschwankungen die Qualität der Zellen beeinträchtigen können. "Durch den Aufbau von Produktionskapazitäten nah an den jeweiligen Fahrzeugwerken können Automobilhersteller diese Hindernisse umgehen - die ersten Ansätze dazu sehen wir bereits", so Kalmbach. "Für den Maschinenbau ist das eine gute Nachricht. Zum Beispiel bei den Anlagen zur Batteriezellenproduktion wird sich ein beträchtlicher Markt entwickeln, den sich deutsche Unternehmen erschließen können", so Lindner.

Neue Geschäftsmodelle, neues Produktportfolio: Eine große Herausforderung für den Maschinenbau
Angesichts des großen Marktpotenzials und der Nähe zu bestehenden technologischen Kompetenzen - wie in der Photovoltaik- und Halbleiterfertigung - ist der deutsche Maschinenbau gut aufgestellt, um sich das attraktive Geschäftsfeld der Elektromobilität zu erschließen. Vor allem für kleine und mittelständische Betriebe stellt das aber auch eine Herausforderung dar. Partnerschaften werden daher zwischen Maschinenbauherstellern entstehen, um die gemeinsame Entwicklung von schlüsselfertigen Gesamtsystemen voranzutreiben und innovative, kundenspezifische Lösungen auf den Markt zu bringen. "Hier wird die Bedeutung unserer VDMA-Plattform E-Motive deutlich: Dieses weltweit führende Innovationsnetzwerk treibt die Elektromobilität voran - branchenübergreifend, vorwettbewerblich und mit bestem Nutzen für Industrie und Wissenschaft", so der VDMA-Präsident. lg

 

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