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VDMA Ost und SolarInput: Neue Strategien sind gefragt

Die dritte Auflage der Veranstaltungsreihe "Photovoltaik trifft Maschinen- und Anlagenbau" am 11. und 12. September 2012 in Leipzig zeigte sehr deutlich, vor welchen Herausforderungen die Photovoltaik-Branche sowie der Maschinen- und Anlagenbau für die Photovoltaikproduktion stehen. Etwa 100 Teilnehmer suchten gemeinsam Wege aus der Krise und diskutierten über die derzeitigen Marktturbulenzen, einen fairen Wettbewerb, die neuesten Trends und daraus resultierenden Aufgaben.

"Photovoltaik trifft Maschinenbau" - Podiumsdikussion (v.l.n.r.): Dr. Ulrich Link, Vorstand Technik der Solarwatt AG, Dresden, Dr. Hubert Aulich, Vorstand der PV Crystalox Solar AG, Erfurt, und Vorsitzender von Solarvalley Mitteldeutschland, Dr. Michael Fuhs, Solarpraxis - Chefredakteur des Magazins photovoltaik, Dr. Peter Fath, Technologievorstand der centrotherm photovoltaics AG, Blaubeuren, und Vorstandsvorsitzender VDMA-Photovoltaik-Produktionsmittel, Dr. Bernd Rau, Senior Vice President der Roth und Rau AG, Hohenstein-Ernstthal.

Von weiteren Überkapazitäten und dem damit zusammenhängenden Preisverfall bei Solarprodukten, unsicheren Entwicklungen der Installationsmärkte sowie der zunehmenden asiatischen Konkurrenz sind sowohl die Region Mitteldeutschland als führender europäischer Produktionsstandort für Photovoltaikzellen und -module als auch die Hersteller von Komponenten, Maschinen und Anlagen für die Photovoltaik-Produktion in ganz Deutschland betroffen.

Es sind daher neue Strategien gefragt, um sich im nationalen und internationalen Wettbewerb behaupten zu können. "Wir brauchen ganz klar eine engere Zusammenarbeit zwischen den Maschinenbauern untereinander sowie zwischen den Maschinenbauern und den Photovoltaik-Herstellern", machte Dr. Peter Fath, Technologievorstand der centrotherm photovoltaics AG aus Blaubeuren und Vorstandsvorsitzender VDMA-Photovoltaik-Produktionsmittel, deutlich. Nur wenn die Innovationsgeschwindigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette auf hohem Niveau beibehalten werde und damit einhergehend Kosten reduziert werden, könnten die deutschen Unternehmen künftig mit den Wettbewerbern Schritt halten. Fath zufolge könne dies beispielsweise durch gemeinsame Vertriebsstrukturen und Einkaufsprozesse sowie konsequente Entwicklungssynergien gelingen.

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Dr. Hubert Aulich, Vorstand der PV Crystalox Solar plc sowie Vorsitzender von SolarInput und Solarvalley Mitteldeutschland, ist ebenfalls dieser Auffassung. "Kooperationen sind bei der Weiterentwicklung von Innovationen in der High-Tech-Branche Photovoltaik ein zentraler Faktor. Sie verschaffen Photovoltaik-Unternehmen, der Zulieferindustrie sowie Forschungseinrichtungen einen enormen Marktvorsprung und langfristige Wachstumsperspektiven."

Eine weitere Antwort auf den enormen Preis- und Kostendruck sind neue Geschäftsmodelle im Bereich intelligenter Systeme. "Als Systemintegrator lassen sich die Handlungsfelder erweitern und damit durch die Erschließung neuer Nachfragemärkte die Marktchancen erhöhen", meinte Jana Liebe, Geschäftsführerin von SolarInput. Unternehmen der Photovoltaik-Branche müssten ihr Blickfeld erweitern, künftig neben einzelnen Modulen und Komponenten auch komplette Systeme bis hin zu Energiespeichern anbieten sowie neue Kundengruppen erschließen, beispielsweise Eigenheimbesitzer als autarke Energieversorger. Zudem erwarten Kunden ein Komplettpaket von der technischen und betriebswirtschaftlichen Planung über die Herstellung und Installation bis hin zur Wartung. Hier könnten deutsche Unternehmen mit Qualität und Service punkten.

Gleichzeitig forderten die Veranstaltungsteilnehmer faire Wettbewerbsbedingungen auf dem internationalen Parkett und einen freien Handel ohne staatliche Eingriffe. Alle Seiten akzeptierten, dass mögliche Wettbewerbsverzerrungen durch Subventionierung der chinesischen Hersteller geprüft werden. Bei der Frage, wie faire Wettbewerbsbedingungen geschaffen werden sollen, gingen die Meinungen allerdings weit auseinander. Während Befürworter der Initiative EU ProSun auf die bei der Europäischen Kommission eingereichten Anti-Dumping-Klage und Strafzölle für chinesische Produkte setzen, sahen vor allem die Maschinen- und Anlagenbauer diese Maßnahmen kritisch. Vielmehr solle sich die Branche auf die eigenen Stärken konzentrieren und so wichtige Weichen für die Wettbewerbsfähigkeit der Photovoltaik am Standort Deutschland stellen. Investitions- und Rechtssicherheit gehörten ebenso dazu wie die Technologieführerschaft.

So liegt beispielsweise der Marktanteil der deutschen Photovoltaik-Maschinenbauer nach wie vor bei über 40 Prozent. "Das ist in erster Linie auf die stetige Innovationskraft und den starken Fokus auf eine kosteneffiziente Photovoltaik-Produktion zurückzuführen", erklärte Alf Dahl vom VDMA Ost.

2012 sind die Preise für Zellen gegenüber dem Vorjahr um fast 60 Prozent und die Preise für Module über 50 Prozent gefallen. "Dieser Preis- und Kostendruck beeinflusst die Unternehmen sehr stark. Gerade deshalb sollten sie aber noch stärker auf hocheffiziente Technologie und Produktionsanlagen setzen. Das gilt unabhängig davon, ob Photovoltaik-Produkte in Europa oder Fernost gefertigt werden", ergänzte Dr. Florian Wessendorf, VDMA Photovoltaik-Produktionsmittel.

Die Reihe "Photovoltaik trifft Maschinen- und Anlagenbau" wurde vom VDMA Ost und dem Kompetenznetzwerk SolarInput gemeinsam mit ihren Partnern VDMA Photovoltaik-Produktionsmittel, Solarvalley Mitteldeutschland und der Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur veranstaltet. Die Bedeutung der Veranstaltung unterstreichen Referenten und Podiumsteilnehmer namhafter Unternehmen der Branche, darunter Bosch Solar Energy AG, centrotherm photovoltaics AG, Grenzebach Maschinenbau GmbH, Jenoptik Automatisierungstechnik GmbH, ISRA SURFACE VISION GmbH, LIMO Lissotschenko Mikrooptik GmbH, Masdar PV GmbH, PV Crystalox Solar plc, Roth & Rau AG, SBS Metalltechnik GmbH, Schott Solar AG und Solarwatt AG. kf

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