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VDMA: Maschinenbauer sind zuversichtlich

"Die Auftragseingangsentwicklung der letzten Monate bestätigt uns in unserer Einschätzung, dass die deutsche Maschinenproduktion nach der Delle im ersten Halbjahr dank des dann wieder einsetzenden Wachstums das Vorjahresniveau erreichen kann", erklärte VDMA-Präsident Dr. Thomas Lindner auf der Pressekonferenz des Verbandes anlässlich der Hannover Messe 2012. In seiner Rede äußerte er sich unter anderem auch zu den Themen Zukunftstechnologien und Produktpiraterie.

VDMA-Präsident Dr. Thomas Lindner: "Alles in allem dürfte der Bestelleingang im Maschinenbau bei tendenziell freundlicherem Klima spätestens zur Jahresmitte hin wieder auf Wachstumskurs einschwenken."

"Wir erleben zurzeit eine zyklische Abschwächung, die im Sommer des Vorjahres einsetzte, nach derzeitigem Stand jedoch moderat ausfällt und sich in Summe in den letzten Monaten nicht weiter fortgesetzt hat. Alles in allem dürfte der Bestelleingang im Maschinenbau dennoch bei tendenziell freundlicherem Klima spätestens zur Jahresmitte hin wieder auf Wachstumskurs einschwenken."

Weiter erklärte Lindner: "Wir rechnen nur für einige wenige Monate des Jahres mit kleinen Minusraten bei der Produktion. Sie dürften im Jahresverlauf leicht wieder auszubügeln sein. Es bleibt also bei unserem Bild von real Null Prozent Wachstum für 2012." In den ersten beiden Monaten des Jahres wuchs die Produktion um neun Prozent. Geglättet ergibt sich für die letzten drei statistisch erfassten Monate (Dezember 2011 bis Februar 2012) im Vorjahresvergleich ein Produktionsplus von 5,3 Prozent. Aktuell hat der Maschinenbau 962.000 Beschäftigte (Stand: Februar 2012), 14.000 mehr als im Dezember 2011.

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Weltweites Wachstum verlangsamt

Ein im Vergleich zum Vorjahr 2011 gemäßigteres Expansionstempo im Maschinenbau ist kein rein deutsches Phänomen. Die VDMA-Volkswirte gehen davon aus, dass es in allen wichtigen Wettbewerbsländern 2012 zu einer Wachstumsverlangsamung kommt. Während Österreich und Schweden aller Voraussicht nach ihre Maschinenumsätze auf dem Vorjahresniveau halten können, werden sie in den EU-Peripheriestaaten schrumpfen. Rückgänge von real vier bzw. fünf Prozent sind nach jetzigem Kenntnisstand in Italien, Spanien und Portugal zu erwarten. Aber auch im Vereinigten Königreich, in Frankreich und der Schweiz dürfte ein kleines Minus nicht zu vermeiden sein, so dass der VDMA den EU-Maschinenbau in Summe um real rund zwei Prozent schrumpfen sieht.

Ein abermaliges Wachstum der Maschinenindustrie, wenngleich mit deutlich geringerer Dynamik als im Vorjahr, sehen wir in Japan, den USA und China. Vor allem das Umsatzplus in den USA um real sechs Prozent dürfte für viele die eigentliche Überraschung sein, da die gesamtwirtschaftlichen Nachrichten doch immer noch eher verhalten ausfallen. Aus Sicht der Investitionsgüterindustrie wird aber deutlich, dass die Investitionstätigkeit in den USA hoch ist, wobei es sich vor allem um Ersatzinvestitionen handelt. Hiervon hat der deutsche Maschinenbau als Anbieter hochwertiger Produkte und Dienstleistungen bereits im letzten Jahr profitiert. "Unsere Maschinenexporte in die USA expandierten 2011 ohne spürbaren Tempoverlust um mehr als ein Fünftel (21,4%). Wachstumsspitzenreiter dürfte abermals der Maschinenbau am Standort China sein. Ein Plus von real zwölf Prozent ist hier realistisch. Aber auch dies ist eine deutliche Wachstumsverlangsamung, da bislang Zuwachsraten jenseits der 20 Prozent Normalität waren", betonte Lindner.

Branche zieht positive Bilanz für 2011

Trotz Krisen und Katastrophen im Jahr 2011 hat die Produktion im Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland nahezu unbeeindruckt um preisbereinigt 12,4 Prozent auf 186,5 Milliarden Euro (2010: 163,2 Milliarden Euro)zugelegt. Der Produktionszuwachs der Jahre 2010 und 2011 summiert sich auf eindrucksvolle 22 Prozent. Die Maschinen- und Anlagenbauer beschäftigten dabei den größten Teil der industriellen Arbeitnehmer. Im Dezember waren es 948.000 Beschäftigte, 35.000 mehr als zu Beginn des Jahres. Die Kapazitätsauslastung lag im Schnitt bei 88,7 Prozent (2010: 84 Prozent).

Exporte sind kräftig gewachsen

Die deutschen Maschinenexporte nahmen zunächst im ersten Quartal 2011 mit nominalen Zuwachsraten über 20 Prozent den Schwung des Vorjahres mit. Im vierten Quartal waren aber lediglich 8,2 Prozent zu verzeichnen, so dass sich der Jahresdurchschnitt auf plus 14 Prozent nivellierte. Absolut wurde mit 142,2 Milliarden Euro das Vorkrisenniveau knapp verfehlt. Exportmarkt Nummer 1 war 2011 - wenig überraschend - China. Und das obwohl dessen Wachstum zum Jahresende deutlich schwächer ausfiel. Richtig satte Plusraten gab es wieder in Russland (32,9 Prozent), der Türkei (28,4 Prozent) und Brasilien (22,3 Prozent). Indien liegt mit 17,3 Prozent im Mittelfeld. Die Summe der EU-27-Länder erreicht nur ein Plus von 10,2 Prozent. Damit gehen erstmals weniger als 40 Prozent des deutschen Exports in die EU-Länder. Die EURO-17-Staaten wuchsen trotz Minusraten in Südeuropa um immerhin 8 Prozent. Ihr Anteil fiel allerdings unter ein Viertel. Die Bedeutung der asiatischen Märkte blieb konstant.

Importe stärkten internationale Konjunktur

"Mit einer nominalen Importzunahme von 17,5 Prozent (real 14,5 Prozent), die damit die Steigerung des Exports übertraf, leistete der deutsche Maschinenimport wieder einmal seinen Beitrag zur internationalen Konjunktur", so Lindner. Mehr als die Hälfte des Imports kam aus den Partnerländern der EU-27. Die Schweiz setzte sich als größter Lieferant vor Italien. Das Kunststück, mehr Maschinenbauprodukte nach Deutschland zu exportieren als von dort zu importieren, gelang außer der Schweiz noch Japan und der Slowakei.

Deutschland bleibt "Exportweltmeister"

Der Welthandel mit Maschinen war im Jahre 2010 nach den krisenhaften Entwicklungen des Jahres 2009 von einer Aufholbewegung geprägt, die die einzelnen Regionen unterschiedlich schnell und kräftig erfasste. In weiten Teilen Asiens und Südamerikas erreichten die Märkte wieder Vorkrisenniveau. Wer dorthin liefert, konnte hohe Steigerungsraten verbuchen, so vor allem Japan und China selbst. Japan (12,1 %) schob sich als Exporteur knapp vor die USA (12,0 %) auf Rang 2, China (9,7 %) überholte Italien (7,9 %) und war 2010 Exporteur Nr.4, während Deutschland mit einem auf 16,8 Prozent gefallenen Anteil "Exportweltmeister" blieb.

International sind die deutschen Hersteller nach wie vor führend: in 29 von 32 international vergleichbaren Fachzweigen sind deutsche Firmen unter den TOP-3 Anbietern, bei der Hälfte sogar Weltmarktführer. In nur drei Teilbranchen schafften es die Deutschen 2010 nicht aufs Siegertreppchen.

Messe-Partnerland China wichtigster Absatzmarkt für Maschinenbauer

China ist heute mit Abstand größter Maschinenproduzent. Das Land ist viertgrößter Maschinenexporteur, Tendenz stark steigend. China ist auf den weltweiten Absatzmärkten aktiv und z.B. in den USA Lieferant Nr. 2. Bereits in acht von 32 Fachzweigen ist China führende Exportnation. "Treiber des chinesischen Wettbewerbs sind verschiedene Faktoren. So ist die Aufnahmefähigkeit des lokalen Marktes häufig für Ausländer nicht erfassbar. Das Volumen umfasst oft ein Mehrfaches des europäischen oder amerikanischen Marktes. Chinesische Unternehmen können deshalb bei der Produktion erhebliche Kostenvorteile realisieren", sagte der VDMA-Präsident. "Der neue Fünf-Jahres-Plan für den Maschinenbau zeigt zusammen mit Chinas Technologie- und Innovationspolitik die Richtung auf: Der Weg führt weg von einem mengenmäßigen Wachstum hin zu einem qualitativen Wachstum. Damit soll im Maschinenbau mittelfristig die Abhängigkeit von ausländischen Technologien verringert werden." Auch auf den Exportmärkten werden die deutschen Maschinenbauer den chinesischen Wettbewerb in Zukunft stärker spüren. Gefördert durch staatliche Banken und abgesichert durch die staatliche Exportkreditversicherung werden vor allem die Entwicklungsländer in Afrika sowie Schwellenländer in Asien und Lateinamerika systematisch bearbeitet. "Und dies alles ohne die Einhaltung der international abgestimmten Standards bei Exportfinanzierungen!", erklärte Lindner. ¿Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau muss also hart an sich arbeiten, um die passenden Antworten auf die chinesische Herausforderung zu finden."

Grüne Zukunftstechnologien - Chancen für Maschinenbau

"Die globalen Megatrends eröffnen dem Maschinenbau enorme Chancen. Denn die Maschinenbauer sind es, die mit ihren Einzellösungen den neuen Blick auf die Welt des 21. Jahrhunderts liefern. Globalisierung, Bevölkerungswachstum, die weiter wachsende Urbanisierung und die Veränderungen des Klimas sind die großen Herausforderungen der Welt, denen sich auch die Hannover Messe in diesem Jahr mit ihrem Motto "GreenTelligence" widmet", erklärte der VDMA-Präsident. "Insbesondere in Asien und Lateinamerika wird der Bedarf an Energie und an industriell hergestellten Produkten immens steigen, und damit für Maschinen, die die Güter des täglichen Gebrauchs produzieren, für Maschinen, die den effizienten Einsatz erneuerbarer Energien oder den steigenden Bedarf an Mobilität und eine intelligente Infrastruktur garantieren."

Umsatzverlust durch Produktpiraterie steigt auf fast acht Milliarden Euro

"Wir schätzen den Umsatzverlust, der den deutschen Maschinen- und Anlagenbauern 2011 durch Produktpiraterie entstanden ist, auf 7,9 Milliarden Euro, eine Steigerung um 24 Prozent (2009: 6,4 Milliarden Euro)", erklärte Lindner weiter. "Ein Umsatz in dieser Schadenhöhe würde der Branche knapp 37.000 Arbeitsplätze sichern. So das Ergebnis der aktuellen VDMA-Studie zur Produktpiraterie, die der Verband im März unter seinenMitgliedsunternehmen durchführte."

Mehr als zwei Drittel der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer seien betroffen (2010: 62 %). Am stärksten seien es die Hersteller von Textilmaschinen, Kunststoff- und Gummimaschinen sowie Kompressoren, Druckluft- und Vakuumtechnik. Plagiate würden inzwischen vor allem von Komponenten (52%) hergestellt, gefolgt von ganzen Maschinen mit 48 Prozent, und Ersatzteilen mit 36 Prozent. 44 Prozent der Unternehmen gäben an, keine Maßnahmen gegen Plagiate ergriffen zu haben.

China ist als Herstell- und Vertriebsregion für Plagiate erstmals rückläufig. Dagegen nehmen die Plagiate aus Deutschland zu. Bei den Absatzmärkten der Plagiate ist erkennbar, dass Fälschungen immer stärker weltweit vertrieben werden. kf

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