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PLM-Talk mit Tiefgang

Zum PLM-Erfahrungsaustausch mit dem Schwerpunktthema »Integrierter Arbeitsplatz« lud der PLM-Dienstleister Piterion im Juli nach Stuttgart. Im Gegensatz zu vielen anderen Veranstaltungen war die Teilnehmerzahl begrenzt und die Einladungsliste mit Bedacht gewählt. Dies erwies sich als gute Idee, denn sowohl die Vortragenden als auch die engagiert diskutierenden Teilnehmer lobten den thematischen Tiefgang der Veranstaltung.
IT-Verantwortliche namhafter deutscher und schweizer Industrieunternehmen diskutierten den »Integrierten Arbeitsplatz« für ihre PLM-Strategie.

In Unternehmen gibt es vielfältige IT-Systeme mit den unterschiedlichsten Aufgaben wie PDM-, ERP-, CAD- oder CRM-Software. Diese vielen Datenquellen machen die Informationssuche mühsam und führen in der Folge häufig zu einem enormen Zeitverlust. In der Vergangenheit waren zur Überwindung der Systembarrieren für den automatisierten Datenaustausch häufig kostspielige 1:1 Schnittstellen notwendig, welche inzwischen durch Integrationstechniken wie EAI (Enterprise Integration Application) oder SOA (Serviceorientierte Architektur) verbessert werden können. Dies löst jedoch nicht das Problem, dass die Anwender häufig dennoch weiter mit den verschiedenen Benutzerschnittstellen der Systeme arbeiten müssen. Hier setzt die Idee des »Integrierten Arbeitsplatzes« an, denn dieser ist auf Basis neuester Technologien in der Lage, die verschiedenen Benutzerschnittstellen einfach zu vereinheitlichen, und trägt so auf Seiten der Anwender dazu bei, die Produktivität erheblich zu steigern.

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Dieses Gesprächsthema stieß offenbar auf großes Interesse seitens namhafter deutschen und schweizer Firmen, denn diese waren durch IT-Fach- und Führungskräfte in Stuttgart repräsentiert. Eingeladen hatte das Böblingen IT-Unternehmen Piterion, das seinen Kunden Unterstützung für Projekte im Bereich Product Lifecycle Management, Engineering, und Softwareentwicklung anbietet. Diese stammen hauptsächlich aus dem Maschinen- und Anlagenbau, der Automobil- und Zulieferindustrie sowie der Luft- und Raumfahrttechnik. Als Moderator hatte ein ausgewiesener PLM-Spezialist der ersten Stunde zugesagt: Professor Dr. Martin Eigner, Vorsitzender des Prostep Vereins und Inhaber des Lehrstuhles für Virtuelle Produktentwicklung an der Technischen Universität Kaiserslautern.

Herausforderung: Lieferantenintegration

Die Integration der Zulieferer gewinnt immer mehr an Bedeutung. Darüber waren sich sowohl die Vertreter der Zulieferer, als auch der OEMs einig, denn die Zulieferer haben heute einen zunehmenden Einfluss auf die Produktentwicklung. In diesem Zusammenhang kam die Problematik der heterogenen IT-Systeme zur Sprache, denn ein Zulieferer bedient oftmals mehrere OEMs mit jeweils individueller IT-Landschaft. Dementsprechend müssen die Mitarbeiter der Zulieferer diverse Systeme beherrschen. Im Falle der Behr GmbH & Co. KG, einem Systemlieferant für Klimatisierung und Motorkühlung, sind das beispielsweise Pro-Engineer, NX, Autocad und primär Catia V5. Jedes dieser Systeme wurde jedoch im Laufe der Zeit von den OEMs individuell angepasst, so dass mittlerweile große Unterschiede im Vergleich zur ursprünglichen Standardkonfiguration bestehen. Moderator Eigner brachte das Beispiel, dass ein großer Zulieferer trotz des Einsatzes von neuen Systemen und Technologien 15 Prozent mehr Kapazität benötigt hat. Aus diesem Grund sei die Integration der Lieferanten mindestens genauso wichtig wie der Einsatz modernster Systeme.

Weiterhin kritisierte ein Teilnehmer, dass die heutigen PLM-Plattformen eher die Prozesse der OEMs unterstützen, weniger die der Zulieferer. Zu den Herausforderungen für die Zulieferer zählt somit, ihre Systemlandschaften beispielsweise durch einen integrierten Arbeitsplatz zu vereinheitlichen und zur Reduktion von teuren CAD-Arbeitsplätzen eine einheitliche JT-Strategie weiter voranzutreiben, denn CAD-Darstellungen von Produkten seien heutzutage in vielen Unternehmensbereichen immer wichtiger. Aufgrund der hohen Entwicklungskosten würden heute zunehmend digitale Prototypen eines Produktes entwickelt und somit weniger Modelle physisch gebaut. Darüber hinaus würden auch zunehmend Kostenoptimierungsansätze wie »Target Costing« eingesetzt, welche an einem digitalen Modell direkt die Auswirkung zeigen können. Nach Auffassung der Teilnehmer ließe sich der Druck der Zulieferer auf die OEMs bezüglich der Reduzierung der heterogenen Lösungen durch eine Bündelung der gemeinsamen Anstrengungen jedoch in Zukunft erhöhen. Da der Weg zu Standards meist sehr langwierig sei. Eine engere Zusammenarbeit zwischen den OEMs und der Zulieferer sei unbedingt notwendig. Wo sich die Teilnehmer allerdings uneinig waren, war die Frage von Eigner, ob die OEMs oder die Zulieferer bei der Mechatronik mehr zu verantworten haben. Diese Thematik soll in den nächsten Veranstaltungen erneut aufgegriffen werden. Laut Eigner wird die Standardisierung des Datenformats JT in Zukunft verstärkt vorangetrieben, denn es stellt eine mögliche Grundlage für die Visualisierung von Produktdaten im gesamten Produktlebenszyklus dar. Für die reine Visualisierung seien keine teuren CAD-Lizenzen notwendig. Hierfür reiche ein JT-Viewer aus, mit dem dennoch viele Aufgaben am CAD-Modell erledigt werden können, beispielsweise Bauraumuntersuchungen. Diskutiert wurde auch die Möglichkeit, ob mit Hilfe von JT eine neue Arbeitsweise entstehen kann: Konstrukteure laden sich die Bauteile zunächst nur in einen JT-Viewer. Bereits hier stehen viele Funktionen zur Verfügung. Im nächsten Schritt werden nur die nötigen Teile in Catia geladen (»Cache Mode«). Dies wurde auch von anderen OEMs bestätigt. So würden sich Konstrukteure viel Zeit sparen, da das Laden von großen Paketen in Catia mehrere Minuten in Anspruch nimmt. Das Arbeiten mit JT stoße zudem inzwischen auf eine sehr hohe Akzeptanz bei den Konstrukteuren.
Der Trend ginge dahin, dass die wesentlichen Prozesse CAD neutral realisiert werden sollen; die Dominanz müsse allerdings in dem Prozess liegen, nicht in den nativen Daten. Diese Verlagerung gelinge jedoch nur, wenn zusätzliche Metadaten ergänzt werden.

Alternatives Arbeiten mit JT

Im Rahmen der Veranstaltung herrschte Konsens darüber, dass die Anwendungsmöglichkeiten von JT sehr wertvoll sind und weiter entwickelt werden sollten. Der Weg dahin sei vor kurzer Zeit mit einem wichtigen Meilenstein geebnet worden, denn in naher Zukunft erfolge die Rechteübertragungen für JT von Siemens PLM an den Prostep iViP Verein, womit JT unter der Leitung von Eigner auf neutralem Boden vorangetrieben werden kann.

Piterion geht als IT-Dienstleister in der JT-Strategie noch einen Schritt weiter und bietet einen eigenen richtungsweisenden JT-Viewer (»SelectBest-3D-Viewer«) mit Business Intelligence Funktionen an. Dieser lässt sich als Modul in den Integrierten Arbeitsplatz einbinden. Während der Veranstaltung führte Piterion die Vorteile seines integrierten Arbeitsplatzes (»Select-Best – Integrated Workspace«) vor, der in diesem Jahr mit dem Innovationspreis-IT ausgezeichnet wurde.

Ein weiteres Thema waren Open Source-Technologien. Diese haben sich im Laufe der letzten Jahre massiv weiterentwickelt. Unternehmen setzen aus Kostengründen sowie aufgrund der hohen Flexibilität und Modularität verstärkt auf Open Source-Lösungen, beispielsweise bei der Einführung von SOA-Architekturen. Hierbei spielt das Gesamtkonzept eine wichtige Rolle. Ein SOA-Ansatz wirke sich nur mit einer angepassten Backend-Systemlandschaft positiv auf den Arbeitsablauf und die Prozesse aus, erklärte ein Teilnehmer. Hier gelte es, die richtige Mischung zu finden und Open Source-Technologien gezielt einzusetzen.

Einig waren sich alle Teilnehmer, dass die Veranstaltung sehr informativ und praxisbezogen war. Deshalb soll zu diesem Thema bereits am 4. November 2009 im Stuttgarter SI-Centrum ein zweiter Termin stattfinden. Und auch Anfang 2010 werden sich wieder PLM-Experten treffen. Das Thema steht bereits fest: Lieferantenanbindung. Weitere Informationen zu den Veranstaltungen und Produkten sind direkt bei Piterion erhältlich. -sg-

Piterion GmbH, Böblingen Tel. 07031/20910-0, http://www.piterion.com

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